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Die Herrin des Gestüts Roman von D'Orazio, Brigitta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.11.2016
  • Verlag: LangenMüller
eBook (ePUB)
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Die Herrin des Gestüts

Pferdezüchterin Franziska muss um das Fortbestehen ihres Gestüts in der Lüneburger Heide kämpfen, denn der vermeintlich wahre Erbe will ihr alles streitig machen. Doch es kommt alles anders: Sie setzt sich durch und findet die Liebe ihres Lebens. Brigitta D'Orazio wurde in Lübeck geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Hamburg. Nach dem Abitur arbeitete sie Redakteurin bei verschiedenen Zeitungen, zuletzt war sie beim Bauer-Verlag in Hamburg. 1989 ging sie nach Italien, wo sie auch nach dem Tod ihres Mannes mit ihren beiden Töchtern blieb. Sie arbeitet als freischaffende Autorin und schreibt seit nun mehr zwanzig Jahren Fortsetzungsromane und Serien für deutsche Zeitschriften. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit für die edition Tosca ist sie derzeit auch als Exclusiv-Autorin für das 'Goldene Blatt' tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 21.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784482965
    Verlag: LangenMüller
    Größe: 306 kBytes
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Die Herrin des Gestüts

1

Lüneburger Heide, Gegenwart

Hugo Brosin knallte seinen Stock laut und heftig auf den Steinfußboden der großen Diele. Es klang wie Gewehrschüsse, und Franziska zuckte unwillkürlich zusammen. Wie hatte sie als Kind diese Wutausbrüche gefürchtet! Dann war sie aus dem Haus in den Stall geflüchtet, hatte sich hinter einem warmen, riesigen Pferdekörper versteckt und abgewartet, bis das Gewitter vorüberzog. Doch sie war schon lange kein Kind mehr, und Flucht war keine Lösung. Also straffte sie die Schultern und wappnete sich für die Auseinandersetzung.

"Das kommt überhaupt nicht infrage!", donnerte ihr Großvater. "Die gesamte Familie ist eingeladen, und die gesamte Familie wird erscheinen!"

"Ich habe dir aber eben erklärt, dass ..."

"Interessiert mich nicht. Du findest neuerdings immer gute Gründe, um dich vor deinen Verpflichtungen zu drücken."

Franziska hasste es, wenn ihr jemand ins Wort fiel, aber sie zwang sich zur Ruhe.

"Meine Verpflichtungen", sagte sie, und betonte jede Silbe einzeln, "gelten einzig und allein den Pferden. Das ist so üblich, wenn jemand ein Zuchtgestüt leitet."

Hugo Brosin verlor unmerklich ein wenig von seinem Schwung. Sein Stock kam zur Ruhe, seine Hände schlossen sich Halt suchend um den Griff. Es trifft ihn immer noch, dachte Franziska überrascht. Nach all diesen Jahren hat er es immer noch nicht verkraftet, dass er nicht mehr der Chef ist.

"Da irrst du dich", erwiderte er jetzt, und für einen Moment verriet ihn auch seine Stimme. Die gehörte plötzlich nicht mehr dem gefürchteten ehemaligen Herrn des Hauses, sondern einem fast neunzig Jahre alten, müden Mann.

"Für die Pferde gibt es schließlich auch die Stallburschen, aber eine Einladung des Grafen von Calsin kann nur die Familie annehmen."

Die Familie. Es gab Tage, da wünschte sich Franziska, zu keinerlei Familie zu gehören, sondern ganz allein auf der Welt zu sein. Tage wie diesen. Nervös trat sie von einem Fuß auf den anderen. Draußen tobte ein Wintersturm um das große niederdeutsche Hallenhaus. Die Pferdetränken in den Ställen mussten dringend enteist werden, und der Hufschmied hatte sich für vier Uhr nachmittags angekündigt. Und was tat sie, anstatt sich um diese Probleme zu kümmern? Sie ließ sich nach einem schnellen Kaffee von ihrem Großvater in der Diele abfangen und zur Rede stellen. Als hätte sie nichts Wichtigeres zu tun!

Hugo Brosin deutete ihr Schweigen falsch. Seine einst klaren, vom grauen Star inzwischen eingetrübten Augen leuchteten auf. "Siehst du", sagte er und nickte heftig. "Ich wusste doch, dass du ein vernünftiges Mädchen bist."

"Großvater, ich ..."

"Franziska!" Seine Stimme klang jetzt wieder schneidend. "Muss ich dich wirklich daran erinnern, wie viel Mühe es mich gekostet hat, hier in der Gegend eine neue Existenz aufzubauen? Hast du eine Ahnung, wie schwer es war, auch in der Gesellschaft anerkannt zu werden?"

O nein!, dachte sie. Nicht diesen Vortrag! Nicht jetzt! Wie oft hatte sie sich den schon anhören müssen.

Als kleines Mädchen hatte sie an Opas Lippen gehangen, wenn er vom großen Treck, damals nach Kriegsende, erzählt hatte. Wie er mit den wertvollsten Pferden aus der familieneigenen Trakehnerzucht von Gumbinnen in Ostpreußen nach Westen gezogen war. Wie er gehungert und gefroren hatte. Wie seine junge Frau auf halber Strecke an Entkräftung gestorben war. Wie er um das Leben seines erst zweijährigen Sohnes gebangt hatte. Wie er schließlich mit dem abgemagerten Kind und neun Trakehnern auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide Unterschlupf fand.

Als Heranwachsende hatte Franziska die Leistung ihres Großvaters bewundert. Ganz auf sich allein gestellt, hatte er seinen Sohn und die Pferde durchgebracht, indem er jede Art von Arbeit annahm. Auch die wertvollen Tiere wurden auf den Feldern der umliegenden Höfe zur Arbeit eingesetzt. Erst als sein Sohn Herbert älter wurde und mit a

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