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Die Herrin des Winterpalasts Historischer Roman von Gortner, Christopher W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Herrin des Winterpalasts

Kopenhagen 1863: Minnie wächst behütet im Kreise ihrer liebevollen Familie auf. Als ihr Vater den dänischen Thron besteigt, verändert sich das Leben der jungen Prinzessin aber schlagartig. Nun von dynastischer Bedeutung soll Minnie den Romanow Zarewitsch, Thronfolger des fernen und gewaltigen Russischen Kaiserreiches ehelichen. Was als politische Bindung beginnt, entwickelt sich bald zu einer großen Liebe. Die neue Zarin wird vom Volk verehrt, doch die schillernden Romanows sind dem Untergang geweiht. Mit dem zerstörerischen Weltkrieg zieht ein Sturm herauf, der alles zu vernichten droht, was Minnie liebt ...

Christopher W. Gortner arbeitete als Redakteur für Geschichtsfachzeitschriften und unterrichtete an der Universität, bevor er Schriftsteller wurde. Mit seinen historischen Romanen feiert Gortner international große Erfolge. Heute lebt und arbeitet er in San Francisco, Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Erscheinungsdatum: 17.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222123
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Romanov Empress
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Die Herrin des Winterpalasts

2

Das Abendessen wurde in dem von Kronleuchtern erhellten Thronsaal gereicht. Wir hatten jetzt livrierte Diener mit weißen Handschuhen, die uns Suppe, gebratenen Lachs, saftigen Salat, frisch gebackenen Kuchen und roten Bordeauxwein in Karaffen auftrugen - ein Festmahl, von dem unsere ganze Familie eine Woche lange hätte leben können. Ich beobachtete Mama dabei, wie sie den Dienern von ihrem Stuhl aus mit einer Selbstverständlichkeit Anweisungen erteilte, als hätte sie ihr Leben lang ganze Legionen herumkommandiert. Meine jüngeren Geschwister, Valdemar und Thyra, beide frisch geschrubbt nach dem Herumtollen im Garten, saßen ungewöhnlich still auf vergoldeten Stühlen vor dem riesigen, mit einem Leinentuch bedeckten Tisch, als hätte es ihnen angesichts der penibel um ihre Teller gruppierten silbernen Gabeln, Löffel und Messer die Sprache verschlagen.

"Die kleine Gabel hier ist für den Salat", wisperte ich Thyra ins Ohr und wies auf das Besteck. "Die große nimmst du dann für das Fleisch und den Fisch. Man geht von außen nach innen, verstehst du?"

Meine Schwester nickte, wobei sich eine zwischen ihre dunklen Locken geflochtene Schleife anmutig bewegte. Wie ich hatte Thyra große, ausdrucksstarke dunkle Augen und eine Stupsnase. Damit kam sie nach unserem Vater, wohingegen Valdemar wie Alix das blonde Haar, die graublauen Augen und den hellen Teint unserer Mutter hatte.

Während wir aßen, sprach Mutter leise mit Vater. Ohne Zweifel ging es um die Brautausstattung und die Vorbereitung der Reise nach England. Ich konnte kaum etwas verstehen, und das war etwas völlig Neues, denn in unserem alten gelben Palast hatten wir beim Essen immer wild durcheinandergeredet. Ein weiteres Zeichen dafür, dass unser Leben nicht mehr dasselbe war. Und als der vierjährige Valdemar unvermittelt verkündete: "Ich will mit nach England!", herrschte schlagartig völlige Stille.

Ich presste mir die Serviette auf den Mund, um ein Kichern zu unterdrücken.

"Kinder werden nicht zu Hochzeiten eingeladen", erklärte Mama ihm. "Du bleibst mit Thyra und eurer Gouvernante hier, bis ..."

"Nein!" Valdemar schlug mit der Faust auf den Tisch. "Ich will mitfahren!"

Mama warf Papa einen Blick zu, der aussah, als würde gleich ein dröhnendes Gelächter aus ihm herausplatzen. "Christian, bitte teile unserem Sohn mit, dass solche Ausbrüche nicht geduldet werden können."

Papa nahm sich zusammen. "Valdemar", sagte er, um einen strengen Ton bemüht, "hör auf deine Mutter."

Valdemar zog einen Schmollmund. Tröstend tätschelte Alix ihm die Hand und murmelte etwas. Unsicher blickte er zu ihr auf. "Eine neue Lokomotive?"

Alix nickte. "Versprochen. Ich habe gehört, dass sie in England wunderschöne Spielzeugeisenbahnen bauen."

Ich verbiss mir gerade noch die Bemerkung, dass es das auch in Dänemark gab. Außerdem besaßen wir schon eine herrliche Modelleisenbahn, die meine Brüder beim Umzug zurückgelassen hatten. Sie hatte immer wunderbar funktioniert, bis Valdemar sie eines Tages in einem Wutanfall zertrampelte.

Dann wandte sich Alix unvermittelt an unsere Eltern. "Ich verstehe nicht, warum er nicht mitkommen sollte. Schließlich handelt es sich um meine Hochzeit. Und ich würde gern meine ganze Familie dabeihaben."

Wer hätte das gedacht? Noch nie hatte ich sie ihre Meinung mit solchem Nachdruck vortragen hören. Ich saß steif auf meinem Stuhl und sah, wie Mama nach Luft schnappte.

"Aber wir haben uns um so vieles zu kümmern. Königin Victorias Familie wird vollzählig erscheinen; dazu viele andere wichtige Gäste. Da kann ich mich unmöglich auch noch um die Kinder kümmern."

"Das kann doch Minnie tun." Alix richtete den Blick auf mich.

Ohne darüber nachzudenken, nickte ich. "Natürlich kann ich das."

"Schön, dann ist das geregelt!", rief Papa erleichtert, woraufhin Mama ihn mit verkniffener Miene anstarrte.

Valdemar wäre vielleicht in Jube

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