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Die Hosen der Toten Roman von Welsh, Irvine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Hosen der Toten

Beruflich läuft es gar nicht mal schlecht für Mark Renton. Als Manager erfolgreicher DJs reist er um die Welt. Die Kohle stimmt. Warum fühlt es sich trotzdem nicht richtig an? Eine Zufallsbegegnung mit seinem einstigen Weggefährten Franco Begbie reißt ihn aus seinem Trott. Verdammt noch mal, das Leben hat doch mehr zu bieten! Bald findet sich Mark in einer Welt wieder, die er längst hinter sich geglaubt hatte: in den dreckigen Straßen einer verachtenswerten schottischen Kleinstadt ... Irvine Welsh, geboren 1957 in Leith bei Edinburgh, schreibt Romane und Kurzgeschichten und gilt als einer der wichtigsten Autoren der Underground-Literatur. Sein Debütroman Trainspotting und die gleichnamige Verfilmung mit Ewan McGregor machten ihn international bekannt. Viele weitere Romane folgten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 24.02.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641245733
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Hardcore 4
    Originaltitel: Dead Men's Trousers
    Größe: 9375 kBytes
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Die Hosen der Toten

Weil ich auf die Schnelle keinen Platz mehr in der Business Class gekriegt hab, sitz ich mit schweißüberströmtem Nacken, flatternden Nerven und klappernden Zähnen auf nem beschissenen Mittelsitz in der Economy Class, eingezwängt zwischen nem Fettsack und ner hypernervösen Spritnase, und mir is so eng in der Brust, dass mir das Atmen schwerfällt. Ich werf noch ne Zolpidem ein und weich dabei dem Blick von diesem Säufer neben mir aus. Meine Hose spannt. Ich kann einfach keine finden, die mir passt. Nie. Trag ich Bundweite 32, wie jetzt, dann kneifts, während Größe 34 schlabbert und scheiße aussieht. Kaum ein Laden verkauft Hosen in 33, der optimalen Größe für mich.

Um auf andere Gedanken zu kommen, schlag ich das DJ Mag auf. Beim Umblättern der Seiten zittern meine Hände: Letzte Nacht, beim Gig in Dublin, hab ich die Nase wohl zu tief ins Glas und die Puderdose gesteckt. Wieder mal. Gleich nach der Landung in Heathrow hatte ich ne hitzige Auseinandersetzung mit Emily, der einzigen Frau unter den drei DJs, die ich manage: Wenns nach mir geht, dann kehrt sie schnellstmöglich ins Studio zurück, um das Demo zu mastern, das ich so stark finde - sie is davon allerdings null überzeugt. Deshalb hab ich Druck gemacht, und Emily is ausgerastet, hat ne ziemliche Szene gemacht, passiert bei ihr schon mal. Am Flughafen hab ich sie dann stehen lassen und meinen Anschlussflug nach L.A. genommen.

Ich bin völlig im Arsch, habs tierisch im Rücken. Ich steh kurz vor einer ausgewachsenen Panikattacke, und Don Promillo neben mir hört nich auf zu labern, überträgt seine Panik aufs ganze Flugzeug. Ich glotz konzentriert in meine Zeitschrift, ring nach Luft und bete, dass die Pillen bald wirken.

Als mein Sitznachbar plötzlich verstummt, registrier ich, dass jemand auf mich runterstarrt. Ich lass das Magazin sinken und heb den Blick.

Mein erster Gedanke is: O nein .

Mein zweiter is: Fuck .

Er steht im Gang, sein Arm hängt betont locker von der Lehne über dem Kopf des eingeschüchterten Schluckspechts. Diese Augen. Sie brennen sich bis ins Mark. Lassen die Worte, die ich sprechen möchte, in meiner verdorrten Kehle verpuffen.

Franco. Francis James Begbie. Wie zum Geier ...?

Der Strom meiner Gedanken wird zum tosenden Sturzbach: Er is da. Der Moment der Beichte. Kein Gedanke an Flucht - es is ausweglos. Aber was kann er hier oben schon tun? Mich plattmachen? In einem selbstmörderischen Akt der Zerstörung das Flugzeug in den Abgrund reißen und damit auch alle Passagiere? Für mich isses gelaufen, das steht mal fest, aber wie wird er seine Rache nehmen?

Er lächelt mich bloß seelenruhig an und sagt: - Hallo, alter Freund, lange nicht gesehen.

Das is zu viel! Dieser irre Psychopath is definitiv zu kaltblütig, um was anderes im Sinn zu haben, als jeden Moment auf mich loszugehen! Ich spring auf, kletter über den Fettwanst hinweg, der kurz aufquiekt, als meine Hacke sein Bein entlangschrammt, stürze in den Gang und schlag mir das Knie an, rappel mich aber sofort wieder auf.

- Sir!, kreischt ne hinzueilende Stewardess, die blonde Mähne mit Haarlack betoniert, und der fette Arsch hinter mir stößt nen wütenden Fluch aus. Ich schieb mich an der Betonfrisur vorbei, flüchte aufs Klo, knall die Tür hinter mir zu, schließ ab und stemm meinen Körper gegen die dünne Barriere zwischen mir und Franco Begbie. Während ich mir die schmerzende Kniescheibe reibe, hämmert mein Herz wie ein beschissener D-Zug.

Von draußen ertönt ein energisches Klopfen. - Sir, ist bei Ihnen da drin alles in Ordnung?, fragt die Stewardess im Tonfall einer Ambulanzschwester.

Dann hör ich sie erneut, diese enervierend abgeklärte Stimme, eine entschärfte, transatlantische Version der Stimme, die mir allzu vertraut is. - Mark, ich bins ... Er zögert. - Ich bins, Frank. Geht

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