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Die Insel Geschichten aus dem Winkel von Dreyer, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2017
  • Verlag: Soto-verlag
eBook (ePUB)
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Die Insel

Max Dreyer wird häufig als 'Dichter der Ostsee' bezeichnet. Er gilt als Entdecker des Ostseeraums für die Verarbeitung in der Literatur.Von den kleinen, hügeligen Halbinseln, in die das Gestade wie aus Übermut sich zerklüftet, hat sich die kleinste und höchstragende am kecksten in die See hinausgewagt. Zum Lohn dafür heißt sie die Insel, und der Besitzer des kleinen Bauernhofes, den sie trägt, seit grauesten Tagen der Inselbauer. [...] Max Dreyer wurde am 25. September 1862 in Rostock als Sohn eines Lehrers geboren. Er studierte ab dem Sommersemester 1880 an der Universität Rostock Theologie und Philologie. Nach einem Aufenthalt an der Universität Leipzig kehrte er im Sommersemester 1883 an die Rostocker Universität zurück. Während dieser Zeit gründete er mit weiteren Rostocker Studenten am 9. Juli 1883 die Akademische Turnverbindung Rostock, aus der 1884 die Turnerschaft Baltia Rostock wurde. 1884 wurde er zum Dr. phil. promoviert.Anschließend arbeitete er als Gymnasiallehrer. Vom Schulsystem enttäuscht, verließ er 1888 den Schuldienst. In seiner Komödie Der Probekandidat (1899) verarbeitete er seine Erfahrungen im Lehrerberuf zu einer zeitkritischen Satire, die den Staat und seine Schulpolitik scharf angriff.Dreyer wurde zunächst in Berlin Redakteur der Täglichen Rundschau. Ab 1920 lebte er als freier Schriftsteller ständig in seinem von der Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung 1901 errichteten Sommerhaus, dem heute noch existierenden Drachenhaus auf der Höhe des Göhrener Höfts, Insel Rügen. Er wurde Ehrenbürger der Gemeinde Göhren/Rügen.Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten publizierte er den Heimatroman Der Heerbann ruft (1933), der 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 110
    Erscheinungsdatum: 09.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962557416
    Verlag: Soto-verlag
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Die Insel

Die Insel

Von den kleinen, hügeligen Halbinseln, in die das Gestade wie aus Übermut sich zerklüftet, hat sich die kleinste und höchstragende am kecksten in die See hinausgewagt. Zum Lohn dafür heißt sie die Insel, und der Besitzer des kleinen Bauernhofes, den sie trägt, seit grauesten Tagen der Inselbauer.

Zu Zeiten hat sie auf ihren Namen vollwertigen Anspruch: wenn Hochwasser kommt, wird der Fahrweg, der auf schmalem, natürlichem Damm wie haltsuchend zu dem festen Lande hinüberfingert, ganz und gar überspült und bleibt, solange es hoch hergeht, für Fuß und Pferd unbenutzbar.

Für die Inselbauern hat das weiter keine Schrecken. Sie sind auf dem Wasser so gut zu Hause wie auf dem Land, sie führen das Boot nicht schlechter als den Wagen. Dem letzten Besitzer gar, dem Martin Oehlert, wird es erst so richtig pudelwohl, wenn eine gehörige Sturmflut über das Stückchen Erde herfällt, wenn Wellen und Wolken zusammenbrausen in Dampf und Gischt, wenn das Land zittert und taumelt und schwankt wie ein Fahrzeug in schwerer Not. Dann träumt sein Jungensinn, der in dem Männerkopf immer noch umgehen kann, sich auf einem Schiff in bösem Wetter, und steuert in seinem wackelnden, krachenden alten Haus hinaus in die Ozeanweite - es sei denn, daß es ihn glücklich draußen trifft, daß er in seinem Boot seemännisch und auf Leben und Tod sich mit dem Sturm leibhaftig herumschlägt, was ihm als eigenes Unterfangen durchaus zuzutrauen ist, sintemal er wirkliche Freude der geträumten vorzieht.

Und seine Freude ist nun einmal das Seefahren, je wilder je besser, ist er doch Seemann von Beruf gewesen und zu dem Bauernhof nach seinen eigenen Worten gekommen wie der Schiffsjung zu der Ohrfeig', weiß selber nicht wieso und warum. Freilich hat in dem alten geduckten, strohgedeckten Kasten mit der breitmäuligen Tür und den schlitzäugigen Fenstern, der heute sein Herrensitz ist, einmal seine Wiege gestanden, aber als dritter der Bauernsöhne hat er niemals daran gedacht, hier einmal seßhaft zu werden.

Wie es sich dann doch so fügte? Sein ältester Bruder, der Erbe, war kinderlos gestorben, der zweite war ausgewandert, er selbst war von seiner Steuermannsfahrt nach Holländisch-Indien gerade zurückgekehrt, hatte noch die niederträchtige Malaria im Blut, und das mußte ihn wohl kleingekriegt haben und weich und heimatselig gestimmt. Das Weibliche kam - wie immer, wenn einer schon anfällig ist - dazu, und alles, was wahr ist, die Schwester seines Freundes Tom, der auf der Reede von Ternate beim Baden ertrank, Regine Eckart, die wohlhabende, dabei stille und feindrähtige Bauerntochter aus dem pommerschen Binnenlande, konnte es einem schon antun.

So war er richtig hier sitzen geblieben, mit den Weltfahrten, mit den Weltenwundern hatte es ein Ende, das Leuchten der Tropen war für ihn ausgelöscht, ein Herr war er gewesen, dem das Meer gehorchte und alle Erdteile gehörten. Jetzt war er der Knecht von einem Stück Land! Heimatliche Scholle - eigener Besitz - schiet dorup! Mist streuen auf seinen Acker, das ist nun seines Lebens Losung. Und sein Leben ging einst mit dem Weltmeer um und mit den Sternen!

Es gehört schon was dazu, daß er nicht um sich schlägt, daß er nicht ausbricht, daß er nicht eines Tages nach der Hafenstadt hinübersegelt und sich anheuern läßt, sei es auch als Matrose - nur raus und fort - wieder sich tragen lassen von der schwarzblauen Gewalt der Ozeanwellen, hinein in die unbändige, frohmächtige Himmelsweite!

Es gehört schon ein kräftiges Stück Gelassenheit und Vernunft dazu - ein Glück, daß er sie hat und daß sie im Wachsen sind. Und wenn er neuerdings hören muß, daß er zur Bequemlichkeit neige - die, die ihm das vorhält, sollt' es ihm vielmehr danken und sich dazu gratulieren.

So viel ist gewiß, wär' hier das Wasser nicht um ihn, in dem der Ozean atmet, das vom Ozean kommt und zum Ozean geht und das wohltuend Allgegenwärtige ist, das ihm die Hand reicht und sein

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