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Die Installation der Angst von Zink, Rui (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.04.2016
  • Verlag: CulturBooks Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Die Installation der Angst

Zwei Männer klingeln bei einer alleinstehenden Frau. Sie sind gekommen, um in ihrer Wohnung die Angst zu installieren. Wortreich erklären die beiden die Notwendigkeit der Angst, ihre Funktion bei der Kontrolle der Bevölkerung. Die beiden sehr unterschiedlichen Installateure erläutern verschiedene Arten von Angst, etwa die Angst vor Terrorismus, Flüchtlingen, die ins Land strömen, vor Krankheit oder vor sexuellen Übergriffen. Angst, so betonen sie, braucht die Kooperation der Menschen - je besser die Frau sich für die Angst öffne, desto schneller würden sie sie wieder in Ruhe lassen. Die Männer ahnen jedoch nichts von der tatsächlichen Angst der Frau, nämlich daß die Beamten ihr im Badezimmer verstecktes Kind finden könnten. Als es schließlich doch zur Entdeckung kommt, verändert sich das Machtgefüge zwischen der passiven Frau und den aktiven Installateuren der Angst, die schließlich in einer überraschenden Wendung ihr eigenes Produkt zu spüren bekommen. Die Novelle zitiert aus unterschiedlichen Zeiten und Zusammenhängen stammende Texte, Sprichwörter, Zeitungsartikel, Klischees und vieles mehr. Sie ist als Kammerspiel gestaltet, als Sprechstück der Gewalt und Bedrohung, und sie zeigt, daß die Angst in den Worten wohnt: Ein Angstszenario, das den Leser mit sich reißt. Rui Zink gelang schon mit seinem ersten Roman, "Hotel Lusitano" (1986), ein Kultbuch. Seine Novelle "Die Installation der Angst" (A Instalação do Medo) erschien in Portugal 2012. Zink, 1961 in Lissabon geboren, unterrichtete an der Universität von Michigan/USA, lehrt heute Portugiesische Literatur an der Universidade Nova de Lisboa und schreibt regelmäßig für die großen Lissabonner Tageszeitungen. Er veröffentlichte zahlreiche belletristische Werke, darunter eine Graphic Novel, und im Jahr 2001 den ersten portugiesischen Internetroman "Os Surfistas" (Afghanistan). Im Jahr 2004 erhielt er den Prémio PEN für seinen Roman Dádiva Divina ("Göttliches Geschenk"). Zuletzt erschien Osso ("Knochen", 2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 03.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959880398
    Verlag: CulturBooks Verlag
    Größe: 319 kBytes
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Die Installation der Angst

Installation

Die Angst wird alles haben
fast alles
und wir alle
fast alle werden
jeder auf seinem Wege
zu den Ratten kommen
Ja,
zu den Ratten

Alexandre O'Neill

Die Frau und der Wortgewandte trinken Malzkaffee. Sie hat Malzkaffee gemacht, etwas anderes war nicht im Haus. Sie trinken Malzkaffee. Sousa arbeitet. Die Frau versucht nicht, alle Einzelheiten der Installation zu begreifen. Kabel, Verbindungen, Schrauben, den Lärm des Bohrhammers. Nach einer Viertelstunde ist ein Stück Wand schon wieder verputzt und der Boden voller Staub und Abfall, doch die Frau wagt nicht, sich zu beklagen.

Sie reden nichts. Die Frau nicht, weil sie nicht will - über was soll sie auch reden? Über das Wetter, daß alles teurer wird, das schlechte Wetter, daß alles teurer wird, das schöne Wetter, daß alles teurer wird, wie schwierig es ist, daß es für die Jugend nicht leicht ist, wie schwierig es ist, Arbeit zu finden, die jungen Leute von heute, sie haben ja keine Ahnung, die jungen Leute von früher sind alt geworden, das Wetter, daß alles teurer wird, die Arbeitslosigkeit, das Fernsehen, das Wetter, das Wetter, das Wetter?

Und, was sie nicht wissen und ums Verrecken nicht erfahren werden, sie denkt an das Kind, das sie im Bad versteckt hat. Wie lange hält ein Kind aus, ohne Lärm zu machen? Na, vielleicht schläft der Junge ja ein? Das wäre noch immer das Beste.

Nein, die Frau möchte nicht sprechen. Und jeder andere an ihrer Stelle würde auch, wenn irgend möglich, am liebsten schweigen. Zumindest solange sie noch da sind. Sie weiß, was sie erwartet, und weiß gleichzeitig, daß sie nicht weiß, was sie erwartet. Und dürfte sie reden (hätte sie nur Lust dazu), was sollte sie eigentlich sagen? Was sie auf der Seele hat? Das wäre ja noch schöner. Wenn man eine Seele hat, ist es einfach, zu sagen, was man auf der Seele hat. Und wenn nicht? Seelenlose Zeiten verlangen nach Menschen ohne Seele. Wüsten verwüsten. Durst trocknet aus. Einsamkeit hallt. Alles so offensichtlich. Kollateralschäden des Status quo.

Die Frau schaut verstohlen auf den Mann gegenüber, der seelenruhig vor seiner Tasse sitzt, die von seinen feinen, farblosen Lippen nur leicht berührt wird, die fast keine Lippen sind, so fein sind sie. Seelenlos, wie man so zwischen den Zähnen hervorbringt. Vielleicht. Sie haben vielleicht keine Seele. Aber sie - hat sie selbst eine? Wer weiß?

Selbst der Gesprächige scheint für einen Moment (zumindest solange der Lärm anhält) keine Lust mehr zum Reden zu haben. Als hätte er es sich gemütlich gemacht, sich gemütlich eingerichtet. Seinen Kollegen könnte man für einen Boxer halten oder den Mann fürs Grobe im Inkassogewerbe. Der Eloquente hier ist das Gegenteil: Das Mindeste, was man über ihn sagen kann, ist, daß sein Anzug gut sitzt. Die Frau ist fast dankbar dafür, daß er nicht fragt, ob sie Kinder hat, was sie beruflich macht, und so weiter.

Noch einige Minuten lang sitzen sie sich so gegenüber. Schließlich hört der Lärm des Bohrhammers auf, dieses Hämmern, Metall kreischend auf Glas, Plastik, Metall. In das Gesicht des Gesprächigen kommt wieder Leben. Oder was auch immer das ist, was in sein Gesicht zurückkehrt.

"Sehen Sie? Ging doch schnell."

Die Frau denkt vielleicht: Verschwinden sie jetzt? Verschwinden sie und lassen mich in Ruhe (allein) mit dem, was auch immer sie hier in der Wohnung angebracht haben?

Wenn es das ist, was die Frau denkt, muß der Gesprächige sie enttäuschen:

"Jetzt müssen wir es nur noch vorführen." Und als er im Gesicht der Frau etwas sieht, was er für Enttäuschung hält, fügt er hinzu: "Keine Sorge, auch das geht schnell."

Und die Frau versucht ihr Glück:

"Machen Sie sich keine Umstände ..."

"O doch, es muß sein, meine Dame. Es wäre sonst gegen die Vorschriften. Die Leute denken oft nicht, daß es so ist, aber wir sind für Sie da. Um Ihnen zu helfen."

"I

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