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Die jungen Rebellen Roman von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2013
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die jungen Rebellen

Das rebellische Aufbegehren einer Clique von vier Heranwachsenden, die sich dem Erwachsenwerden verweigern, verschränkt mit der melancholischen Stimmung einer Epoche des Umbruchs - das ist das Thema von Sándor Márais frühem, autobiographisch geprägtem Roman aus dem Jahr 1929. Während ihre Väter an der Front sind, ziehen sich die jungen Männer in ihre eigene Welt zurück, bis Mißtrauen, Eifersucht, Fatalismus und Resignation sie unwiederbringlich ins Leben hinaustreiben. - 'Márai zeichnet dieses Porträt in einer wunderbaren Mischung aus grausigem Realismus der Kriegs- und Poesie der Traumbilder. Ineinander geschoben und durch Bilder von skurrilen Nebenfiguren ergänzt, treffen sie genau jene Gefühlswirren, denen sich die Rebellen über kurze Zeit hingeben.' Neue Luzerner Zeitung Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans 'Die Glut' wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 27.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492960045
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: A zendülök
    Größe: 2209 kBytes
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Die jungen Rebellen

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Die Stadt, sie schlummert zwischen den Bergen, in Watte gepackt, ihre drei Türme weisen gleichgültig zum Himmel, die Häuser haben Elektrizität und fließend Wasser, am Bahnhof rangiert eine Lokomotive, schickt einen langgezogenen Pfiff in den Äther. Drei Berge rahmen das Städtchen ein, sie bergen ein wenig Kupfer und etwas Magnesit. Ein Fluß durcheilt die Stadt, ein flinkes Bergflüßchen, die Luft ist scharf und klar und durch nichts verunreinigt, der Wald kriecht als dichter Bewuchs die Hänge hoch. Auf dem Gipfel des höchsten Berges hält sich lange im Jahr der Schnee, das erfüllt die Bürger mit Stolz, verleiht es ihrer Stadt doch ein alpenländisches Flair. Vom Bahnhof führt eine schmächtige Trambahnlinie zum Hauptplatz hinein. Die Häuser sind schmal und kleben eng aneinander, denn die Stadt war einstmals eine Burganlage, schon seit Urzeiten leben Menschen hier. Das Ordenshaus ist gelb getüncht, am Abend und am Morgen sieht man die Mönche, wie sie in Sandalen, die braunen Kapuzen tief ins Gesicht gezogen und den Rosenkranz an der mit einem Strick umgürteten Taille, zur Andacht in ihre Kirche hinübereilen. Die Fassade des Bischofspalais beherrscht ein schmiedeeiserner breiter Erker mit spätbarocken Schnörkeln und einer Fahnenstange darüber. Der Bischof macht mit seinem Sekretär den obligaten Spaziergang, sein steifer Hut hat seidigen Glanz, und vom hinteren Rand der Krempe baumelt eine Troddel. Exzellenz dankt nachdrücklich jedem, der grüßt. Der Bischof wacht früh auf, denn er ist ein betagter Herr, der schlecht schläft, schon im Morgengrauen steht er über das Pult gebeugt und schreibt in seiner winzigen Perlschrift. Im Ratskeller wird Wein ausgeschenkt, kalt wie das Mauerwerk. Das Gewölbe wurde aus Bruchsteinen zusammengefügt, hier tranken schon vor hundert Jahren die Polen. An den Wänden sind noch die Rauchspuren der Fackeln zu sehen. Die Luft ist erfüllt vom Geruch der feuchten Fässer, dem dichten, feinen Duft vergorenen Rebensafts und der Stearinkerzen.

Brotmarken. Sperrstunde. Endlos lange Züge rattern durch die Stadt, unentwegt, Garnituren von zweihundert oder dreihundert Meter Länge, der Diensthabende blickt gar nicht mehr auf, es sind Verwundetentransporte und Fronturlauberzüge; dieser Bahnhof ist als Erholungsstation eingerichtet, die Türen der Waggons werden für eine Stunde geöffnet, Karbol- und Jodoformgeruch strömt aus dem Innern, und große Stille. Der Geruch dringt bis in die Stadt ein und ist in Bahnhofsnähe besonders beißend. In großen Kübeln steht Kalk auf dem Bahnhofsgelände, nicht selten müssen die Reisenden aus einzelnen Waggons herausgehoben und mit Kalk bestäubt werden. Das dauert schon vier Jahre an - die Stadt hat sich daran gewöhnt, ebenso die Reisenden in diesen langen Zügen, besonders diejenigen, welche man mit Kalk bestreuen muß, weil sie so still sind. Die freiwilligen Damen der Stadt in ihren schneeweißen Umhängen mit dem roten Kreuz an Arm und Häubchen stehen längst nicht mehr am Bahnsteig der Erholung, adrett uniformiert wie die weißen Wachs puppen in den Hygieneauslagen der Kaufhäuser; bestenfalls sind noch zwei Sanitäter da, weniger adrett, und wenn sie eine Bahre herauszuheben haben, tun sie's mit Schwung und einem "Hauruck". Der Krieg ist weit weg von hier. Nur wie Flugasche eines fernen Großbrands fällt etwas vom Unrat des Krieges auf die Stadt. Das Kriegsgeschehen selbst hat nie bis hier heruntergereicht.

Anfangs kamen nur Telegramme, dann rollten Züge durch den Bahnhof, eine Volksschule wurde zum Spital umfunktioniert, auch das Ordenshaus hat man teilweise als Krankenstation eingerichtet, und mehr

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