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Die Köchin und der König von Gabriel, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.02.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Die Köchin und der König

November 1269, Interregnum: Rudolf von Habsburg strebt mit aller Macht nach der deutschen Königskrone. Um sich durchzusetzen, will er um jeden Preis in den Besitz des wundertätigen Grabtuchs Christi gelangen, der wertvollsten Reliquie der Christenheit. Bei seiner Suche bekommt Rudolf Hilfe von unerwarteter Seite: Mathilde von Waldshut, der Giftmischerei bezichtigt, muss aus ihrer Heimat am Hochrhein fliehen - und landet direkt in den Armen des Minnesängers Berthold Steinmar von Klingnau. Bald wird sie zur Spionin im Dienste Rudolfs von Habsburg. Petra Gabriel ist mit 'Die Köchin und der König' ein üppiges und mitreißendes Mittelalterspektakel gelungen. Ein packender und dichter Roman, der Historie und Fiktion glänzend miteinander verknüpft.

Petra Gabriel wuchs in Stuttgart und am Bodensee auf. Über fünfzehn Jahre lang war sie Redakteurin in der Lokalredaktion des Südkurier in Bad Säckingen, die meiste Zeit als stellvertretende Leiterin. Seit 1982 lebt sie als freie Journalistin und Schriftstellerin mit ihrer Familie in Laufenburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 29.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863586515
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3608 kBytes
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Die Köchin und der König

Prolog

Die Nacht war zu hell. Aber sie konnten die Übergabe nicht verschieben. Das dreifach gefaltete Leinen war hier nicht mehr sicher. Der lederne Beutel mit dem Grabtuch , den er unter dem weißen Überwurf mit dem roten Kreuz verborgen hielt, glühte wie Feuer und brannte wie Eis. Als würde ihm das Antlitz des Gekreuzigten durch Leder, Harnisch und Kettenhemd hindurch in die Haut gesengt. Der Vollmond, dessen Licht sich im Gekräusel des Wassers brach, zog ein Gesicht. Eine Böe wehte ihm den Geruch des Meeres in die Nase, diese Mischung aus Salz, Tang und toten Fischen. Vom Hafen auf der anderen Seite der Landspitze drangen Geräusche zu ihm herüber. Poltern, Klappern, Knarren, noch verstärkt durch den Hall, den das Wasser erzeugte. Wahrscheinlich wurde dort trotz der späten Stunde ein Schiff entladen. Dem Mondstand nach musste es weit nach Mitternacht sein.

Der Tempelritter tastete zum hundertsten Mal nach dem Bündel. Es war so leicht und wog doch so schwer. Das Stück Stoff, das sorgsam in Kalbsleder eingenäht, verschnürt und versiegelt worden war, stand für die Zukunft der Christenheit. Und ausgerechnet er musste es hüten, bis der Mann kam, der es fortbringen würde.

Er erschauerte und zog die Schultern hoch. Wieso erschien der Händler nicht? Er drückte sich noch etwas mehr ins Dunkel einer Nische in den Mauern von Akkon und zog die Kapuze seines Mantels über die lockigen, nackenlangen Haare. Sein Gesicht war nun nicht mehr zu erkennen. Das Kreuz auf seiner Brust verschwamm zu einer Ahnung. Er kauerte sich auf seine Fersen, presste den Rücken an die Mauer. Nun drang ihm die Kühle der mächtigen Quadersteine durch Mark und Bein. Er hörte den unmelodischen Ruf eines Sturmvogels. Als eine Ratte über seinen linken Fuß huschte, hätte er beinahe aufgeschrien.

War da noch ein anderes Geräusch? Der Tempelritter richtete sich auf und beugte sich etwas vor. Er kniff die blauen Augen zusammen. Doch er sah nichts als den Himmel und die See, spürte nichts als den Druck der Buckelquadersteine gegen seinen Steiß, hörte nichts als die Brandung, die in stetem Rhythmus gegen die Steine klatschte. Nein, er hatte sich geirrt. Ein Mondstrahl erfasste den reich verzierten Griff seines Schwertes.

"Ihr solltet vorsichtiger sein und im Schatten der Mauern bleiben, mein Freund. Der Schatz, den Ihr tragt, ist zu kostbar, um ihn leichtfertig aufs Spiel zu setzen", raunte ihm plötzlich eine Männerstimme ins Ohr.

Der Templer fuhr herum. Er hatte noch nicht einmal das Kollern eines Steines gehört, obwohl an dieser Stelle der Uferbefestigung viel Geröll lag. "Wo kommt Ihr denn her? Seid Ihr ein Geist?" Seine Stimme war die eines jungen Mannes, noch weich, mit dem Nachhall des Stimmbruchs. Er hatte den Akzent der Franzosen. Neugierig musterte er den Ankömmling. Er sah einen älteren Mann, um die vierzig vielleicht. Dann erst entdeckte er den kleinen Kahn, der ein ganzes Stück weiter westlich auf den Wellen schaukelte.

Der Mann lachte leise. "Von irgendwo und nirgends. Habt Ihr das Geräusch meiner Ruder nicht gehört? Ihr solltet wirklich besser auf Euch achten. Ihr seid wohl noch nicht lange im Heiligen Land? Hier gibt es viele Geister. Nach der abgesprochenen Parole habt Ihr mich auch noch nicht gefragt."

Der Templer kniff die Lippen zusammen und starrte ihn prüfend an. Vom Gesicht des Mannes war außer dem Geflecht von Fältchen um die Augen, wenn der Mond einmal kurz hinter den Wolken hervorkam, nicht viel zu erkennen. Der Händler hatte den Stoff seines Turbans nach der Art der Nomaden bis unter die Augen gewickelt. Er war einfach gekleidet, um nicht zu sagen ärmlich. Sein weiter Umhang, aus einem robusten Baumwollstoff gefertigt, wirkte schon fadenscheinig. Darunter trug er einen knöchellangen Kaftan, der ihm viel Bewegungsfreiheit ließ. Dieser Mann sah aus wie ein armer orientalischer Händler, wie einer unter vielen. Er würde nicht auffallen. "Dann nennt die Parole", fo

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