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Die Kinder von Finkenrode von Raabe, Wilhelm (eBook)

  • Verlag: e-artnow
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Die Kinder von Finkenrode

Dieses eBook: 'Die Kinder von Finkenrode' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Der Ich-Erzähler Dr. Max Bösenberg, ein Redakteur der Zeitschrift 'Chamäleon', lässt sich von seinem Freund, dem Chefredakteur Dr. phil. Theobul Weitenweber, beurlauben und verlässt die Residenz in Richtung Geburtsort. Dort, in dem Städtchen Finkenrode an der Weser, ist sein Onkel Albrecht Maximilian - der vorletzte Bösenberg - nach einem Schlagfluss verstorben. Der 29-jährige Max erbt von dem verwitweten kinderlosen Onkel sein Geburtshaus - vollgepfropft mit Antiquitäten und tausenden antiquarischen Büchern sowie auch 'viel Morgen Land, Wiesen und Wald'. Während des mehrwöchigen Aufenthalts - Max war zwanzig Jahre nicht daheim - kommt es zu unzähligen Begegnungen mit allen möglichen Kindern von Finkenrode. Bereits als Maxens Reisekutsche sich der alten Heimat nähert, erkennt der Reisende im Vorbeifahren den Jugendgespielen Arnold Rohwold - nach Aussage des unterrichteten Kutschers jetzt Pastor zu Rulingen. In Finkenrode angekommen, sucht Max seinen Onkel, den guten alten Hauptmann a.D. Friedrich Wilhelm Fasterling, auf. Max ist gar nicht mit Fasterling verwandt. Als Junge war er lediglich der Liebling des Alten gewesen. Max wirft ein Auge auf das 19-jährige Fräulein Sidonie, die einzige Tochter des verwitweten Militärs. Es stellt sich aber heraus, der Schauspieler Alexander Mietze ist in das junge Mädchen Hals über Kopf verliebt. Die Neigung wird erwidert. Die beiden Herren haben schlechte Karten. Wilhelm Raabe (1831-1910) war ein deutscher Schriftsteller. Er war ein Vertreter des poetischen Realismus, bekannt für seine gesellschaftskritischen Erzählungen, Novellen und Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 204
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788027300228
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1215 kBytes
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Die Kinder von Finkenrode

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Inhaltsverzeichnis

Der Mond glitt rund und voll, aber verschleiert, wie eine schöne Frau auf der Umkehr - durch den geheimnisvollen Duft der Novembernacht und verbarg sich nur selten und, wie es schien, sehr ungern, hinter irgendeiner der schwarzen Wolken, die fernern Regen drohend, hier und da am Himmelsgewölbe herumlungerten. Seit zwölf Uhr mittags befand ich mich auf der Reise nach Finkenrode. Die Gegend, durch welche der Eisenbahnzug flog, war flach, berg-und hügellos, am Tage vielleicht eintönig, reizlos, langweilig; die Nacht, der Mondenschein, der aus den Niederungen aufsteigende Nebel aber verliehen ihr einen Zauber, welchen die malerischste Landschaft zu dieser Zelt vielleicht nicht geboten hätte. Die schwarzen Föhrenwälder, bald näher heranziehend, bald in der Ferne zurücktretend, die weit in die Ebene hineinfunkelnden Wasserflächen der großen Havelseen, die Lichter in den vorbeifliegenden einsamen Häusern, Dörfern und größeren Ortschaften glitten vorüber, wie in einer Zauberlaterne, und alles paßte gänzlich zu der Stimmung, in welche ich seit Dunkelwerden hineingeraten war. Ich hatte mich in die Kissen meiner Wagenecke zurückgelehnt und blickte halb, geschlossenen Auges in die Nacht hinaus. Meine Mitreisenden taten und sagten nichts, mich in meinen Gedankenspielen zu stören. Die Jungfrau mir gegenüber hatte den grünen Schleier über ihr schönes Gesicht fallen lassen und das Haupt gesenkt, wie eine schlafende Blume - um ein fadenscheiniges Gleichnis wieder hervorzusuchen; der alte dicke Herr, welcher sich auf den Weg gemacht hatte, um einen Taugenichts von Sohn in einer fernen Provinzialstadt seine väterliche Autorität fühlen zu lassen, schlief wirklich, stieß drohende Töne aus und machte bedenkliche Handbewegungen, welche dem schuldenmachenden Sprößling wahrlich nichts Gutes bedeuteten. Das Kind neben mir, welches sein Köpfchen an die Brust der Mutter gelehnt hatte und von dieser sorgsam gehalten wurde, damit es nicht von der Bank gleite, schlief ebenfalls. Die Laterne an der Decks des Wagens warf ihr rötlich trübes Licht über den kleinen Raum, - die Maschine stöhnte, der Zug klapperte und ächzte, rasselte und klirrte - die Nachtlandschaft blieb, wie viele Meilen auch vorbeiflogen, stets dieselbe. Ich dachte an meine hungrige, früh verwaiste Jugend, an die kleine stille Stadt meiner ersten Kindheitsjahre, welche mir aus der Tiefe der Erinnerung entgegendämmerte, wie die Türme der versunkenen Julin dem Schiffer auf dem Haff, und der ich jetzt nach so langen Jahren wieder entgegenfuhr. Ich dachte an die Genossen, die ich hinter mir zurückgelassen hatte; ich dachte an die tote Mutter - für die ich meine Liebe allein, für die ich meinen Schmerz allein gehabt hatte! Das Kind neben mir schlug plötzlich die Augen auf, richtete sich empor und warf verwunderte, schlaftrunkene Blicke auf die ungewohnte Umgebung.

"Wachst du, Helene?" fragte die Mutter. "Nun sind wir bald zu Hause!"

Die Jungfrau hob den Schleier ein wenig und legte die Hand an die Stirn; der alte Herr erwähnte schnarchend das Wort "Diskonto".

Zu Hause! Jeder aufblitzende Lichtstrahl aus einem Hüttenfenster auf der nebeligen Heide erfüllte mich mit einem Gefühl der Verödung, der Vereinsamung. Zu Hause! Wo ist mein Haus? Wo ist meine Heimat? ... Mein Blick verlor sich in dem dichter gewordenen Nebel draußen. Der Zug flog in diesem Augenblick über ein altes Schlachtfeld, wo vor langen Jahren um Langvergessenes Tausende und aber Tausende geblutet hatten. Es schien mir, als ob die wogenden, wallenden Dunstmassen sich in kämpfende Männer und Rosse verwandelten, zum Kampfe um ein zerfließendes Nichts. Im wilden, geisterhaften Getümmel drängte sich ein Chaos phantastischer Gestalten auf beiden Seiten des dahinschießenden Dampfrosses, zerschellte an den Rädern, ballte sich von neuem, wirbelte von neuem gespensterhaft durcheinander.

Auch ich kam ja aus einer Schlacht, wilder als je e

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