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Die Klippen von Tregaron Roman von Wilken, Constanze (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)

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Die Klippen von Tregaron

Die junge Künstlerin Caron leidet unter einem traumatischen Kindheitserlebnis. Sie kann sich jedoch nicht erinnern, was damals in Tregaron House geschah. Als sie unverhofft das alte Cottage auf der walisischen Halbinsel Llyn und ein verschollen geglaubtes Gemälde erbt, kommt sie an den Ort des tragischen Geschehens zurück und muss sich der Vergangenheit stellen. In dem sensiblen Gärtner Ioan findet sie einen Mann, der ihre zerrissene Seele versteht, und schon bald verlieben sich die beiden ineinander. Zusammen mit Ioan kommt Caron schließlich einem grausamen Geheimnis auf die Spur, das ins 19. Jahrhundert zurückreicht - das aber auch der Schlüssel zu ihrer eigenen Vergangenheit ist ...

Constanze Wilken, geboren 1968 in St. Peter-Ording, wo sie auch heute wieder lebt, studierte Kunstgeschichte, Politologie und Literaturwissenschaften in Kiel und promovierte an der University of Wales in Aberystwyth. Als Autorin ist sie sowohl mit großen Frauen- als auch mit historischen Romanen erfolgreich. Weitere Titel von Constanze Wilken sind bei Goldmann in Vorbereitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 19.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185572
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1783 kBytes
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Die Klippen von Tregaron


Tregaron House, Llyn Peninsula, Wales,

Gegenwart

Als sie nach dem langen Flug in Manchester aus dem Flughafengebäude getreten und von Nieselregen und grauen Wolken begrüßt worden war, hätte sie ihre Entscheidung fast bereut. Doch kaum war sie mit ihrem Mietwagen unterwegs - an den Linksverkehr hatte sie sich bald wieder gewöhnt -, stieg ihre Laune. Sie hatte sich für die schnellere Route über die A55 entschieden und im walisischen Hafenstädtchen Conwy eine Pause gemacht. Am Meer war der Himmel aufgerissen, und die Februarsonne tauchte die Bucht mit den hübschen, kleinen Häusern und der Burg in weiches Licht. Ein kalter Wind blies ihr salzige Seeluft ins Gesicht. Caron zog die Kapuze über ihre Haare und den Reißverschluss ihres Parkas bis unters Kinn. Wenn sie etwas nicht vermisst hatte, dann war es das englische Wetter.

Sie holte tief Luft und nahm das Glitzern des Meeres, die bunten Häuser und die Hügel mit ihren braunen und grünen Schattierungen wahr. In ihrem Innern verschmolzen Farben und Formen zu einem abstrakten Gebilde, das sie als Entwurf abspeicherte, um es später zu skizzieren. Schon lange hatte eine Landschaft nicht so viele Emotionen in ihr hervorgerufen und sie künstlerisch so gereizt wie diese walisische Küste. Sie nahm das als gutes Vorzeichen.

In Trefor bog sie nach Süden ab. Die schmale, kurvige Straße durch das Landesinnere der Halbinsel Llyn zeigte das ländliche Wales in seiner ganzen Kargheit. Doch auch das hatte seinen Reiz, dachte Caron und sortierte vor ihrem inneren Auge die Felsformationen, die einsamen, weißen Gehöfte und die Steinwälle zwischen den Feldern als verschiedenfarbige Glasstücke. Der nächstgrößere Küstenort auf ihrer Strecke war Pwllheli. Ein Hafen deutete auf den sommerlichen Segelbetrieb hin, doch Caron ließ die Buchten mit ihren malerischen Klippen und Sandstränden außer Acht und hielt nach einem Hinweisschild für das Herrenhaus Plas-Gelli-Wen Ausschau. Dort im Café wartete der Anwalt auf sie, um ihr Tregaron House zu zeigen.

An der Tankstelle vor Llanbedrog abbiegen, hatte der Anwalt auf seinem letzten Schreiben vermerkt. Für ihre Entscheidung, erst nach Semesterende zu kommen, hatte er Verständnis gezeigt. Überhaupt schien er ein freundlicher Mensch zu sein. Immerhin, dachte Caron, bei Anwälten konnte man nie wissen, was sie im Schilde führten. Ihre Eltern betrieben eine Wäscherei in London und hatten sich mehrfach mit säumigen Zahlern herumärgern müssen. Letzten Endes hatten die Anwälte viel Geld für ihre Briefe genommen und nichts bewirkt.

Das musste die Tankstelle sein. Caron trat auf die Bremse, was den hinter ihr fahrenden Pick-up zu heftigem Hupen veranlasste. Die Bäume streckten ihre Äste weit über die Straße und mochten im Sommer ein grünes Dach bilden. Nach einem halben Kilometer machte die Straße eine scharfe Rechtskurve, und mächtige, alte Fichten säumten die Seiten. Zur Landseite hin stieg der Boden an, und zur Meerseite wurde es abschüssig. Caron konnte das Meer in der Ferne sehen. Und dann tauchten plötzlich zwei steinerne Löwen zu beiden Seiten des Weges auf und markierten die Einfahrt zum Herrenhaus. Plas-Gelli-Wen stand auf einem beleuchteten Aluminiumschild, und darunter: Galerie und Café.

Es war mitten in der Woche, und auf dem Parkplatz standen nur wenige Autos. Caron stieg aus und fand sich einem beeindruckenden neugotischen Herrenhaus aus grauem Stein gegenüber. Das dreistöckige Gebäude erhob sich vor einem bewaldeten Hügel und wirkte mit den zahlreichen viktorianischen Schornsteinen und den spitzbogigen Fenstern düster und einschüchternd. Das Café befand sich in einem Wintergarten, dessen Terrasse in einem Rosengarten lag. Caron hörte das Rauschen der See und drehte sich um.

Der Ausblick war atemberaubend. Das Parkgelände fiel terrassenförmig zum Strand ab. Rasenflächen, Buchshecken und Baumgruppen wiesen spielerisch den Weg zur Bucht, die auf einer Seite von hohe

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