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Die Klosterfrau Historischer Roman von Imig, Magdalene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2014
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Die Klosterfrau

Im April des Jahres 1825 gelangt Clementine über die schwankende Schiffsbrücke, die vom Deutzer Ufer hinüberführt, nach Köln. Die Preußen regieren mit protestantischer Pedanterie, Napoleon ist besiegt, und wenn Clementine wollte, könnte sie längst wieder hinter Klostermauern leben. Warum will eine Frau von fast fünfzig Jahren im Nonnenhabit in Köln sesshaft werden - und eine Eau de Cologne- und Heilwasserfabrikation wagen? Eine starke Frau zwischen Gottesfurcht, Nächstenliebe und Unternehmerdenken.

Magdalene Imig, in Köln geboren, väterlicherseits seit 1642 mit dieser Stadt verbunden, ist Schriftstellerin, Sprecherin und Rezitatorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Köln und in Avetrana/Italien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 31.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863585594
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3319 kBytes
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Die Klosterfrau

Die nächsten Tage und Wochen waren seltsam ruhig, fast wie erstarrt, so, als wäre über alles Gewesene Gras gewachsen oder passend für die kalte Winterzeit der weiße Schnee gelegt. Als Clementine während der Christmette im Dom der Orgel lauschte und dem Chorgesang, fühlte sie sich wieder aufgehoben in der großen Sicherheit ihres Glaubens. Wenn auch bei der Heimkehr in dieser heiligen Nacht eine offene Haustür und einige herausgezogene Schubladen von einem ungebetenen Gast zu zeugen schienen, wollte Clementine nicht glauben, dass diese kleine Verwüstung im Zusammenhang mit Anna Farina stehen könnte. Insgeheim aber lobte sie ihre Klugheit und Weitsicht, die Rezeptur derart sorgfältig versteckt zu haben, dass man sie selbst würde ergreifen müssen, um derer habhaft zu werden. Überhaupt war ihr nach dem Gespräch mit Anna Farina klar geworden, wie kostbar die Rezepte der Klosterheilkunde waren und dass sie damit einen Schatz besaß, dessen Wert weit hinausging über jedwedes andere Aqua der Stadt. Es sei dies das Besondere, das Echte, das Geheime, eine Mischung, deren Inhalt sie sich einprägen oder auch in kurzen Worten niederschreiben solle, mit diesen Sätzen war ihr die Rezeptur damals in Brüssel von den Karmeliterinnen übergeben worden, und dass man erwarte, dass sie sich würdig erweisen werde, dieses Wissen niemals gegen Geld an andere auszuhändigen, sondern nur in achtungsvoller Weise und mit der nötigen Verantwortung zum Nutzen der Menschen auf Erden anwenden werde.

Während der ersten Januartage experimentierte sie so viel, dass die Köchin eines Tages kündigen wollte, weil ihr, wie sie sich bei Gumpertz beschwerte, die ständige Benebelung zu Kopfe steige und ihr sowohl Raum wie reine Luft fehlten, um auch nur eine einfache Mahlzeit zubereiten zu können, ganz zu schweigen von irgendwelchen ausgefallenen Speisen, die dem verehrten hochwürdigen Herrn bislang so sehr gemundet hätten. Auch der Domvikar begann, sich über die Fremdbenutzung seiner Wirtschaftsräume zu wundern, dann zu ärgern und schließlich bei einer Augenscheinnahme der tatsächlichen Gegebenheiten mit Entsetzen zu reagieren.

"Nein", rief er mit einiger Leidenschaft, "so geht es nicht weiter! Nichts gegen Ihre Ideenvielfalt, verehrte Schwester, nichts auch gegen Ihre Leidenschaft, sich schnell in die Riege der Kölnisch-Wasser-Fabrikanten einzureihen, jedoch kommen Sie damit offensichtlich in Kollision nicht nur mit Ihren eigentlichen Aufgaben unter meinem Dach, sondern darüber hinaus auch mit den räumlichen Ausmaßen meines bescheidenen Hauses."

Clementine, die gerade eine besonders gute Destillation kreiert zu haben glaubte und den gewonnenen Extrakt mit heißen Wangen und leuchtenden Augen unter ihr feines Näschen hielt, begriff erst nach einer gewissen Weile, was der alte Gumpertz hiermit hatte zum Ausdruck bringen wollen. Und, wie um sich nun noch einmal und schließlich unmissverständlich zu Wort zu melden, setzte sich der Domvikar polternd an den Küchentisch, nahm ein Stückchen vom Braten in den Mund und spuckte es sogleich wieder aus: "Also mit Verlaub, selbst das Fleisch schmeckt nach Parfüm, so geht es nicht weiter. Entweder Sie hören damit auf, oder Sie suchen sich ein neues Domizil für Ihre Produktion."

Er stand auf und ging einigermaßen aufrecht und festen Schrittes aus der Küche hinaus.

Das kann er nur, weil ich ihn so gut pflege, dachte Clementine, und zum Dank will er mich nun hinauswerfen. Sie nahm die Schultern nach hinten und schritt mit geradem Rücken und starrem Blick zur Tür. Sie würde sich nicht ducken. Sie würde ihren Weg weitergehen. Hier oder anderswo.

Beim Frühstück am n

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