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Die Krankenschwester von St. Pauli - Jahre des Aufbruchs Roman von Maly, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Krankenschwester von St. Pauli - Jahre des Aufbruchs

Das Schicksal einer Krankenschwester im Kultviertel St. Pauli Svantje Claasen verbindet als Krankenschwester erfolgreich Beruf und Familie. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet sie sich freiwillig an die deutsch-französische Front. Plötzlich findet sie sich auf feindlicher Seite wieder und muss fürchten, ihre Familie nie wiederzusehen. Der dritte Band der aufwühlenden historischen Saga um Krankenschwester Svantje Claasen für Fans der Serien 'Call the Midwife' und 'Die Charité'. Rebecca Maly studierte Altskandinavistik und Runenkunde und war mehrere Jahre in Amerika und Deutschland als Drehbuchautorin beim Film tätig. Sie veröffentlichte eine Vielzahl an Romanen und wurde 2017 für 'Die Schwestern vom Eisfluss' mit dem Delia-Preis ausgezeichnet.

Rebecca Maly, geboren 1978, arbeitete als Archäologin, sowie in Köln und Los Angeles beim Film, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Gespräche mit indianischen Freunden und ausgedehnte Reisen im Westen der USA inspirierten sie zu diesem Roman. Unter ihrem realen Namen Rebekka Pax veröffentlichte sie bereits erfolgreich mehrere Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 03.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492995504
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31563
    Größe: 5924 kBytes
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Die Krankenschwester von St. Pauli - Jahre des Aufbruchs

1
Hamburg, Eppendorfer Klinikum
8. August 1914

Svantje war fassungslos.

»Ich bleibe keinen Tag länger im Krankenhaus!«, wiederholte Friedrich energisch und klemmte sich die Krücken in die Armbeugen. Er ging so schnell voraus, dass Svantje ihn nicht mehr vor einem Sturz hätte bewahren können, falls er seine Kraft überschätzte.

Friedrich bleckte die Zähne. Es musste entsetzlich wehtun, doch er unterdrückte jeden Schmerzenslaut. Sie konnte es kaum mit ansehen.

»Du hast drei gebrochene Rippen, du kannst nicht mit Krücken gehen«, protestierte sie, wohl wissend, dass sie ihrem Mann kaum etwas austreiben konnte, wenn er es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hatte.

Friedrich schwankte, dann tat er einen Schritt und noch einen. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, er war blass, die grünen Augen glänzten fiebrig. »Es geht«, keuchte er.

Svantje trug seine Tasche und öffnete die Tür.

»Ich kann Vater nicht mit alldem alleinlassen«, verkündete er entschlossen. »Lager und Büros sind völlig verwüstet.«

»Das spielt keine Rolle, Friedrich! Dein Vater hätte beinahe seinen Sohn verloren! Du wärst fast gestorben. Was diese Gauner angerichtet haben, lässt sich wieder reparieren.«

»Womit er zweifellos bereits angefangen hat.« Er blieb stehen, schwer auf die Krücken gestützt. Svantje stellte die Tasche ab, sah ihrem Mann tief in die Augen und legte eine Hand an seine Wange. »Ich weiß, wie schwer es dir fällt, zum Nichtstun verurteilt zu sein. Aber wir haben Krieg, der Handel ruht. Du hast Zeit, gesund zu werden.«

Friedrich drückte ihre Hand. »Ja, du hast vermutlich recht. Und wenn es stimmt, was die Militärs behaupten, ist der Krieg schon in einigen Wochen vorüber. Gehen wir also nach Hause. Denn wenn du mich auch überzeugt hast, nicht in die Firma zu fahren, so bleibe ich trotzdem nicht im Krankenhaus!«

Seit seiner Einlieferung waren nur sieben Tage ins Land gegangen, doch für Svantje fühlten sie sich an wie eine kleine Ewigkeit. Neben der Angst um ihren Mann und der Sorge um ihre beiden gemeinsamen Kinder war sie regelmäßig zu ihrem Dienst als Krankenschwester im Eppendorfer Klinikum erschienen. Sie klammerte sich an Beruf und Familie gleichermaßen, denn die Welt um sie herum schien den Verstand verloren zu haben.

Krieg. Er war nun allgegenwärtig.

Während sie in einer Mietsdroschke heimfuhren, sahen sie Soldaten auf den Straßen. Junge Männer standen in langen Schlangen an, um sich freiwillig an die Front zu melden. Sie redeten sich die Köpfe heiß, die Begeisterung war ihnen anzusehen.

Am Tag nach dem Überfall auf Friedrichs Lager hatte Deutschland auch Belgien, von dem es zuvor immer hieß, es sei unbeteiligt, ein Ultimatum gestellt. Das Land hielt weder zur Triple Entente Russland, England und Frankreich noch zum Dreierbund aus Deutschem Reich, Österreich-Ungarn und Italien. Luxemburg wurde besetzt, sodass sich Deutschland fast auf ganzer Länge Frankreich gegenübersah. Am 3. August bombardierten die Franzosen Nürnberg, und am 4. marschierten deutsche Soldaten in Belgien ein.

Fast jeden Tag folgte nun eine neue Kriegserklärung. Erst erklärte Großbritannien dem Kaiserreich den Krieg, dann Österreich-Ungarn Russland.

»Heute hat Großbritannien Österreich-Ungarn den Krieg erklärt«, sagte Svantje mit einem lähmenden Gefühl in der Brust.

»Das hatte ja so kommen müssen.« Friedrich nahm ihre Hand und hielt sie fest. Drückte sie.

»Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr klar denken, Liebster. Deutschland ist von Feinden umzingelt, und wir sind mittendrin. Was soll nur werden?«

»Es geht immer irgendwie weiter«, sagte er, stoisch wie ein Fels in der Brandung. Nicht zuletzt dafür liebte sie ihn. Er gab ihr Halt, wenn sie glaubte, von den Wogen davongerissen zu werden. »Wir haben doch bislang alles durchgestanden, gemeinsam.«

»Aber das waren friedliche Zeiten, nun vers

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