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Die Kreuzfahrer von Kaminer, Wladimir (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2018
  • Verlag: Wunderraum
eBook (ePUB)
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Die Kreuzfahrer

Bei einer Kreuzfahrt betritt man eine eigene Welt, eine schwimmende Rundum-sorglos-Oase. Den Reisenden erwarten Pool, Bar, Shopping-Gelegenheiten, Tanzabende und der reibungslose Übergang von einer Mahlzeit in die andere. Wen das lückenlose Glück des Bordlebens unterfordert, der kann bei Landausflügen das Abenteuer suchen. Oder das muntere Zusammenspiel von Russen, Amerikanern, Schwaben und Sachsen beobachten. Zu erleben gibt es jedenfalls mehr als genug. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft?

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und inzwischen erwachsenen Kindern in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung "Russendisko" sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 20.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641223403
    Verlag: Wunderraum
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Die Kreuzfahrer

TeneriffaDieses Mal hatten wir auf Teneriffa Glück mit dem Wetter. Jeden Tag schien die Sonne, und gleich nach dem Frühstück saßen wir am Ufer und beobachteten, wie schnell die Finnen rot wurden. Auch Engländer wurden schnell rot, doch bei ihnen stach es nicht so ins Auge, weil sie in der Regel viele Tattoos hatten. Manche hatten sich die Symbole ihrer Heimat eintätowieren lassen und trugen die britische Flagge und die Königin auf ihrer Schulter. Andere hatten lange Texte auf dem Rücken, damit ihre Frauen und Kinder unterwegs immer etwas zu lesen hatten.Urlaub auf Teneriffa bietet eine besondere Art der Langeweile. Die Tage vergehen hier wie im Flug, Frühstück, Kaffee und Abendessen werden zu den wichtigsten Erlebnissen des Tages, und täglich grüßt der Hoteldirektor im roten Anzug bei seinem morgendlichen Spaziergang durch die Anlage.Die meisten Restaurants in unserem Ort trugen pathetische Namen, die auf eine imperiale Vergangenheit deuteten, und lockten mit ausgefallenen Spezialitäten. Das British Empire bot "heißes schottisches Ei in indischer Curry-Hülle" an, das Imperial Tai-Pan kochte pan-asiatisch: japanische Teigtaschen mit chinesischer Füllung und thailändischen S0ßen. Nur das deutsche Wirtshaus hatte keine imperialen Ansprüche und warb bescheiden mit einer großen weißen Wurst aus Plastik, die vor der Tür im Wind flatterte wie ein Segel ohne Schiff.Im British Empire sprachen alle Mitarbeiter gut Russisch, sie kamen aus Litauen. Meine Frau hatte lange in dieser ehemaligen sowjetischen Republik gelebt, und wir haben einander gut verstanden. Beim Italiener Das alte Rom arbeiteten Kubaner, und in dem asiatischen Restaurant haben wir eine exotische Migrantengruppe - Mongolen - kennengelernt. Auch sie konnten noch Russisch.Abends lockten die Lokale mit Livemusik. Die meisten Sänger kamen von weit her, sangen aber nicht viel besser als die Touristen. Überhaupt war diese spanische Insel ein erstaunlich klares Abbild unserer Realität: Alle Menschen um uns herum waren geflüchtet - entweder vor dem schlechten Wetter oder weil sie mit ihren Heimatländern grundsätzlich unzufrieden waren. Alle suchten ihr Glück anderswo. Die einen fuhren weg, um sich von den Strapazen des Festlandes zu erholen, und die anderen, um etwas zu verdienen oder um zu überleben. Abends saßen sie vor den Lokalen in der untergehenden Sonne und gaben zusammen im Chor einen kollektiven Frank Sinatra ab: "I did it my waaa-y!", schmetterten sie, alle kannten den Text. Jeden Samstag kamen neue Musiker und neue Touristen, nur das Meer und die Wellen blieben die gleichen wie vor hundert Jahren.Olga und ich beobachteten, wie unterschiedlich sich die Einwohner der Vereinigten Staaten von Europa anzogen, wenn sie an den Strand gingen. Die Kinder des Südens trugen modische Badeanzüge, die Frauen hatten Badetaschen und Hüte, manche schleppten sogar Sonnenschirme mit, sie gönnten sich ihren eigenen tragbaren Schatten. Ihre Männer hatten bunte Hemden und Sonnenbrillen. Bei den Kindern des Nordens ließ es sich nicht immer feststellen, ob sie unter der dicken Schicht Sonnencreme 50+ überhaupt noch etwas anhatten. Viele sahen aus wie Stückchen von Eiscreme, die geschmolzen in den Sand gefallen waren.Die Russen trugen Ketten. Breite, dicke goldene Halsketten - Männer wie Frauen. Bestimmt litten sie darunter, denn die Ketten waren schwer und wurden in der Sonne schnell zu Brenneisen. Aber die Russen hielten durch, sie legten ihre Ketten niemals ab. Bereits Marx und Engels hatten in ihrem "Kommunistischen Manifest" die Proletarier angespornt, sie hätten nichts zu verlieren, außer ihren Ketten. Seit der Großen Oktoberrevolution passen die Russen auf ihre Ketten auf, sie wollen sie auf keinen Fall verlieren. Das machte ihnen das Schwimmen allerdings schwer. Die meisten gingen daher nur bis zur Kette ins Wasser und sofort wieder zurück. Junge Leute trugen dies

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