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Die Lügenbrücke von Binder, Beatrix (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.03.2015
  • Verlag: Der Kleine Buch Verlag
eBook (ePUB)
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Die Lügenbrücke

Als die Rumäniendeutsche Johanna von einer Dienstreise zurückkommt, erhält sie einen überraschenden Anruf - es ist Udo, ihr ehemaliger Verlobter, der sie vor über 20 Jahren verlassen hat. Sie verabreden ein Treffen in Frankfurt, doch er erscheint nicht. Nachdem Johanna erfährt, dass Udo auf dem Weg zu ihr tödlich verunglückte, entschließt sie sich dazu, nach Hermannstadt zu fliegen, um mehr über Udos Vergangenheit sowie sein erneutes Interesse an ihr zu erfahren. Dort stößt sie auf mehrere Verbrechen, die mit seinem Tod zusammenhängen könnten. Sie begegnet einer neuen Liebe, alten Freunden und findet zu sich selbst. Vor allen Dingen als sie erfährt, warum Udo sie damals verlassen hatte. Der vorliegende Roman zeichnet ein Zeitkolorit Rumäniens aus der Sicht der Siebenbürger Sachsen, thematisiert die Verstrickungen der Menschen untereinander und die aktuelle Zerrissenheit des Landes. Beatrix Binder ist in Sibiu (Hermannstadt/Rumänien) geboren und 1982 gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland ausgewandert. Ihre ersten schriftstellerischen Gehversuche wurden von der Heidelberger Autorin Elisabeth Alexander begleitet. Seit 1998 veröffentlichte sie mehrere Kurgeschichten und 2006 ihren ersten Roman 'Die gläserne Falle'. Beatrix Binder lebt und arbeitet heute in Frankfurt am Main und im Westerwald.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 24.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783765021268
    Verlag: Der Kleine Buch Verlag
    Größe: 1902 kBytes
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Die Lügenbrücke

I

"Hallo? Johanna? Bist du noch dran?"

Ich ging auf die Sitzgruppe in der Mitte des Foyers unseres Radiosenders zu und flehte in Gedanken den Elefantenbaum, der zwischen zwei Sofas stand, an: Bitte mach, dass er es nicht ist! Aber er war es und ich erkannte sofort seine Stimme, die sich in den dreiundzwanzig Jahren nicht verändert hatte. Ich nahm bei der für ihn typischen Begrüßung Servus Johanna , mit dem rollenden R, jeden Nerv meines Körpers wahr.

Ich setzte mich auf einen der dunkelbraunen Ledersessel. Meine Haut juckte und ich spürte, wie der Schweiß von meinem BHBügel zum Bauch hinunter rann und wie es unter meinen Achseln nass wurde. Hatte ich ein Deo dabei? Übelkeit stieg in mir hoch. Aber nicht wegen des Essensgeruchs, der aus der Kantine kam und sich im Foyer verbreitete. Das Telefonläuten am Empfang nahm ich nur als dumpfen, weit entfernten Ton wahr. Dafür dröhnte es in meinem Kopf: ServusJohannaServusJohannaServusJohanna .

"Ja, mit wem spreche ich bitte?", versuchte ich so sachlich wie möglich zu klingen.

"Ich bin's, Udo." Seine Stimme war unsicherer als damals.

"Wer? Udo? Udo Schwarz?" Ich schenkte mir Wasser in eines der Gläser, die auf dem Beistelltisch standen, trank einen Schluck. Der gallige Geschmack in meinem Mund wollte dennoch nicht verschwinden. Am liebsten hätte ich das Telefon weggelegt und mir die Hände an meiner Hose abgewischt, als hätte es mich schmutzig gemacht.

"Woher hast du meine Nu...", stammelte ich, bekam jedoch nur weitere Gegenfragen gestellt, auf die ich stotternd, mit einer Stimme, die nicht zu mir gehörte, antwortete: "Gut, danke ... Ich verstehe nicht ... Eigentlich für Kultur ... Das weiß ich schon, aber ich muss nach Paris ... Nein, du kannst davon ausgehen, dass jemand anders kommen wird ... Ach, du und dein brisantes Material!? Wovor willst du mich denn warnen?" Die Starre in mir löste sich langsam auf.

"Nein, ich sagte doch eben: Ich bin ab morgen in Paris. Udo, ich habe auch heute Abend einen Termin! Sag doch jetzt, worum es ... Nein, ich denke, wir haben uns auch sonst nichts mehr zu sagen. Nein, Udo, das geht nicht! Sag mal, bist du taub? Nein, verdammt nochmal!" In meine Stimme presste sich die ganze Wut, Enttäuschung und Angst, die ich all die Jahre mit diesem Namen verbunden hatte. Ich schrie und sah sofort schuldbewusst zur Empfangsdame, die mich erschrocken ansah. Ich hob zur Entschuldigung und als Zeichen, dass alles in Ordnung sei, die Hand und stand auf.

"Udo, ich muss zurück in die Sitzung. Ich gebe deine Nummer einem Kollegen ..." Es schien ihn nicht zu interessieren. Er hörte einfach nicht auf zu sprechen. Und ich schaffte es nicht, das Gespräch zu beenden.

Ob er immer noch einen Bart trug wie vor dreiundzwanzig Wintern? Ich hatte nicht vergessen, mit welcher Unbeschwertheit ich ihn wegen seiner vom Raureif weißgefärbten Haare im Gesicht liebevoll ausgelacht hatte. Ich hatte nicht vergessen, wie nass und kalt sich sein Bart angefühlt hatte, damals, als Udo mich vom Pacea Kino nach Hause gebracht und vor dem Haustor geküsst hatte. Zärtlich, mit seinen warmen, weichen Lippen, bei minus zwanzig Grad.

Die Tür des Konferenzraums ging auf. Meine Kollegin sah mich fragend an.

"Zwei Sekunden", flüsterte ich. Sie nickte und ließ die Tür einen Spalt weit offen.

"Udo, ich muss jetzt wirklich Schluss machen. Ja, ja gut ... ich höre ...", seufzte ich genervt in den Hörer. Ich setzte mich wieder auf das Sofa, riss von der FAZ auf dem Beistelltisch eine Ecke ab, kritzelte eine Nummer darauf und steckte den Zettel in die Tasche meines Blazers. Bevor ich in den Sitzungsraum ging, warf ich einen Blick aus dem Fenster. Es spiegelte mich. Von rot leuchtenden Lippen war nichts mehr zu sehen. Ich brachte den Kragen meiner weißen Bluse in Ordnung und ging hinein.

Meine Kollegin schenkte mir ein Glas Wasser ein.

"Können wir jetzt endlic

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