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Die Ladenhüterin Roman von Murata, Sayaka (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Die Ladenhüterin

Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist. Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht... "Absurd, komisch, klug, mutig und präzise. Einfach überwältigend." Hiromi Kawakami. Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr Roman "Die Ladenhüterin" gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans und war in mehr als einem Dutzend Ländern ein großer Erfolg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214805
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: Konbini Ningen
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Die Ladenhüterin

A n die Zeit vor meiner "Geburt" als Ladenhilfe im Konbini kann ich mich nur sehr vage erinnern.

Aufgewachsen bin ich in einem Vorort, in einer ganz normalen, liebevollen Familie. Dennoch war ich ein sonderbares, etwas verhaltensauffälliges Kind.

Einmal, als ich noch im Kindergarten war, fand ich im Park einen toten Vogel. Er war sehr hübsch und hatte ein blaues Gefieder, vermutlich ein entflogenes Haustier.

Alle Kinder umringten ihn, und einige weinten. Der Hals des kleinen Vogels war verdreht, und seine Augen waren geschlossen.

"Was sollen wir mit ihm machen?", fragte ein Mädchen.

Hastig nahm ich den kleinen Vogel an mich und lief zu meiner Mutter, die auf einer Bank mit anderen Müttern plauderte.

"Keiko, was ist denn? Ach, ein Vögelchen ... Es ist wohl jemandem davongeflogen. Das Ärmste! Wollen wir es begraben?", sagte sie und strich mir dabei liebevoll übers Haar.

"Lieber essen", sagte ich.

"Wie bitte?"

"Papa mag doch Hähnchenspieße so gern. Wir können den kleinen Vogel heute Abend braten", erklärte ich noch einmal deutlicher, weil ich glaubte, sie habe mich nicht verstanden. Meine Mutter wirkte bestürzt, und auch die anderen Mütter rissen entgeistert Augen und Mund auf. Sie sahen zum Brüllen aus. Aber weil sie so auf meine Hand starrten, dachte ich, ein einzelner Vogel wäre wahrscheinlich nicht genug.

"Soll ich noch mehr holen?" Mein Blick huschte zu ein paar in der Nähe herumhüpfenden Spatzen, woraufhin meine Mutter endlich ihre Fassung zurückgewann.

"Keiko!", rief sie vorwurfsvoll. "Wir machen jetzt ein Grab für den kleinen Vogel. Guck mal, alle weinen. Ein Freund ist gestorben, das ist doch traurig. Tut dir der kleine Vogel nicht leid?"

"Wieso? Der ist doch tot."

Meiner Mutter fehlten die Worte.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein Vater, meine Mutter und meine kleine Schwester Asami den Vogel nicht gern verspeisen würden. Mein Vater mochte Hähnchenspieße sehr, und Asami und ich waren ganz versessen auf Gegrilltes.

Im Park gab es eine Menge Vögel, die man fangen und mit nach Hause nehmen konnte. Warum sollte man sie also vergraben, statt sie zu essen? Es war mir ein Rätsel.

"Sieh doch mal, so ein niedliches kleines Vögelchen, meinst du nicht?", redete meine Mutter mir zu. "Wir begraben es dort drüben, und ihr legt Blumen auf sein Grab, ja?"

Letztendlich geschah es so, aber verstehen konnte ich es nicht. Die anderen Kinder standen um das Grab herum und jammerten, wie leid ihnen der kleine Vogel tue. Anschließend rissen sie überall Blumen aus, die dann auch tot waren. "So schöne Blumen. Bestimmt freut sich der kleine Vogel", sagten sie, und ich fragte mich, ob sie vielleicht den Verstand verloren hatten.

Das Vogelgrab befand sich innerhalb einer Einfriedung mit einem Betreten verboten -Schild. Jemand steckte einen Eiscremestiel aus dem Mülleimer in die Erde, und sie häuften die toten Blumen darauf.

"Jetzt guck doch mal, Keiko, das ist doch traurig, das arme Vögelchen", flüsterte meine Mutter unentwegt auf mich ein, aber ich fand das kein bisschen.

Solche und ähnliche Dinge passierten immer wieder. Zum Beispiel, als sich kurz nach meiner Einschulung auf dem Schulhof zwei Jungen prügelten. Es herrschte große Aufregung.

"Wir müssen einen Lehrer rufen!", schrien einige Kinder.

"Ja, jemand muss sie aufhalten!"

Genau, dachte ich, aufhalten. Rasch holte ich mir eine Schaufel aus dem Geräteschuppen und schlug einem der Streithähne damit auf den Kopf.

Alle kreischten, der Junge hielt sich den Kopf und blieb reglos liegen. Als ich das sah, schwang ich erneut die Schaufel, um auch den anderen Jungen außer Gefecht zu setzen.

"Keiko! Hör auf! Hör auf!", heulten die Mädchen.

Die herbeigeeilten Lehrer konnten es nicht fassen und verlangten eine Erklärung von mir.

"Es hieß doch, wir müssten sie aufhalt

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