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Die Lautenspielerin Roman von Wilken, Constanze (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2010
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Lautenspielerin

Das herzbewegende Schicksal einer jungen Hugenottin im Sachsen des 16. Jahrhunderts 1569: Die Hugenottin Jeanne, eine Lautenspielerin, und ihr Vater suchen Zuflucht in einem sächsischen Dorf. Die Dorfbewohner begegnen den Fremden mit Missgunst. Nur der schüchterne Heiler Gerwin verliebt sich in Jeanne, obwohl der Standesunterschied unüberbrückbar ist. Bald darauf geht Jeanne an den Dresdner und später an den französischen Hof - immer auf der Suche nach Förderern ihrer Lautenspielkunst. Als sie glaubt, endlich eine Heimat gefunden zu haben, wird sie in eine gefährliche Intrige verstrickt. Doch dann begegnet sie Gerwin wieder. Und das Schicksal von Jeanne und Gerwin wird sich in der blutigen Bartholomäusnacht entscheiden ... Constanze Wilken, geboren 1968 in St. Peter-Ording, wo sie auch heute wieder lebt, studierte Kunstgeschichte, Politologie und Literaturwissenschaften in Kiel und promovierte an der University of Wales in Aberystwyth. Als Autorin ist sie sowohl mit großen Frauen- als auch mit historischen Romanen erfolgreich. Weitere Titel von Constanze Wilken sind bei Goldmann in Vorbereitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 16.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641046163
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1479 kBytes
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Die Lautenspielerin

Dritter Teil (S. 250-251)

Paris Augustus 1569

19

In zwei Hälften schneide

ich die Novembernacht,

davon ich eine kleide in meines Kissens Seide,

klug auf den Mai bedacht.

Kommt der, den ich ersehne,

roll' ich sie auf und dehne

die kurze Frühlingsnacht.

Hwang Chin-I (um 1506-1544)

Jeanne hatte den Sommer in Frankreich herbeigesehnt, doch Paris war nicht das Languedoc, und es gab keine Küste, von welcher der salzige Geruch des Meeres über die Obstbäume wehte, keine Berge, in denen würzige Kräuter wuchsen und Ziegenhirten köstlichen Käse herstellten. Paris war eine Stadt, groß, laut, bedrohlich, und sie stank buchstäblich zum Himmel. Die Hitze staute sich in engen Gassen, in denen sich die schiefen Häuser einander zuneigten.

Es gab Prachtboulevards und Brücken über die Seine, deren trübe, verseuchte Fluten träge dahinflossen. Doch ganz gleich, wo man sich befand, alles versank in einer knöcheltiefen Schicht aus Dreck, Abfällen und Kot. Die Pariser scheuten sich nicht, ihre Nachttöpfe aus den Fenstern direkt auf die Straße zu entleeren, weshalb es ratsam war, sich Richtung Straßenmitte zu orientieren. Ihre Laute schmiegte sich vertraut an ihren Rücken, und automatisch legte sie schützend eine Hand unter den Korpus des zarten Instruments. "Ich nehme sie Euch ab.

Ihr solltet nichts mehr tragen in Eurem Zustand!", ermahnte sie die junge Frau in dem sauberen gestärkten Kleid mit dem weißen Häubchen. Guillemette war ihre Kammerfrau, doch Jeanne empfand die ständige Anwesenheit der zwei Jahre jüngeren Dienerin eher als Bewachung denn als Unterstützung. "Du lässt deine Finger von meiner Laute! Ich habe es dir schon so oft gesagt!", fauchte Jeanne, doch Guillemette ließ sich nicht einschüchtern und zog eine Grimasse, wofür Jeanne sie am liebsten geohrfeigt hätte.

Das allerdings hätte die dreiste Dienerin sofort Cosmè berichtet und Jeanne eine Rüge eingebracht. "Ich meine es ja nur gut mit Euch. Ihr lasst Euch aber auch gar nicht helfen", murrte Guillemette. "Wozu bin ich denn überhaupt da?" Zwei feiste Pariser Bürgersfrauen stolzierten an ihnen vorüber, spuckten aus und sagten vernehmlich: "Hugenottengesindel!" Guillemette drehte sich um und rief: "Fettes Papistengeschmeiß!" "Halt den Mund, du dummes Ding!", fuhr Jeanne sie an und riss sie am Arm hinter sich her. "Sollen alle auf uns aufmerksam werden? Reicht es nicht, dass wir durch unsere Kleidung auffallen?" Sie hasste die schwarzen Kleider, die sie nun tragen musste.

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