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Die Legende der Luna Levi von Kuic, Gordana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2016
  • Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Die Legende der Luna Levi

1492: In Spanien wütet die Inquisition. Jahrhundertelang lebten die Juden mit den Katholiken in Frieden zusammen, doch nun müssen sie aufgrund eines königlichen Edikts binnen Wochen das Land verlassen. Mit wenigen Habseligkeiten treten sie ihre Flucht in das Osmanische Reich an. Inmitten der Verzweiflung keimt eine grenzenlose Liebe - ausgerechnet zwischen einer Jüdin und einem Inquisitor, der mit ihr die alte Heimat verlässt. Sie zeugen eine Tochter, die das weitere Schicksal der sephardischen Juden mit beeinflussen wird: Ihr Name ist Luna Levi. Gordana Kui? erzählt nicht nur eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte, für die das Leben viele Abenteuer bereithält, sie lässt uns auch teilhaben an der reichen Kultur der sephardischen Juden. Es ist eine literarische Spurensuche - nach einer fast vergessenen Lebenswelt wie nach der eigenen Herkunft. Nach der mitreißenden Familiensaga 'Der Duft des Regens auf dem Balkan' nun endlich auch der historische Roman der gefeierten serbischen Autorin in deutscher Übersetzung! Die Bestsellerautorin Gordana Kui? beschäftigt sich in ihren Prosawerken - ausgehend von der eigenen Familiengeschichte - mit der Kultur der sephardischen Juden auf dem Balkan. In ihrem Erstlingswerk 'Der Duft des Regens auf dem Balkan' verarbeitete sie authentische Ereignisse aus dem Leben ihrer Vorfahren und Verwandten. Die Übersetzung ihres Debütromans erschien ebenfalls im Hollitzer Verlag. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und fand internationalen Anklang. In 'Die Legende der Luna Levi' verstrickt sie auf geschickte Weise historische Fakten mit malerischen Darstellungen zu einer lebendigen Erzählung, die Herz und Verstand berührt. Kui? veröffentlichte bislang acht Romane sowie zwei Kurzgeschichtensammlungen. Einige ihrer literarischen Werke wurden für Film- und Fernsehproduktionen sowie für Ballett- und Theateraufführungen adaptiert. Gordana Kui? lebt in ihrer Geburtsstadt Belgrad.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 424
    Erscheinungsdatum: 23.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990122983
    Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
    Originaltitel: Legenda o Luni Levi
    Größe: 2256 kBytes
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Die Legende der Luna Levi

IN DEN FRÜHEN MORGENSTUNDEN , als die Sonne im Osten aufging, wollte keine Brise die Hitze des neuen Sommertags lindern, so wie damals vor zweitausendachtundsiebzig Jahren, als die Babylonier Judäa eroberten und den Ersten Tempel in Jerusalem zerstörten, und wie damals vor tausendvierhundertzweiundzwanzig Jahren, als die römischen Legionen den Zweiten Tempel in ebendieser Stadt in Trümmer legten, womit diese nunmehr zur dritten Vertreibung des jüdischen Volks wurde.

Der Himmel war blau, das sonst gewohnte Schattenspiel von Bäumen und Wolken hatte sich in eine andere Gegend der Erdkugel verzogen, man vermisste es jedenfalls im glühenden Hafen Barcelonas. Die Sonne stieg rasch hoch; gleichgültig gegenüber allem, was auf der von ihr beschienenen Erde je geschehen war oder noch geschehen sollte, folgte sie ihrer vorgeschriebenen Bahn. Doch auch die Menschen schenkten dort und damals der sengenden Sonne, dieser Herrin des Tages, wenig Beachtung, auch maßen sie ihr nicht die gebührende Bedeutung bei. Niemand schien die Hitze dieses gnadenlos brennenden Himmelkörpers zu spüren. Hunderte Männer, Frauen und Kinder, dicht aneinandergedrängt, weinten, seufzten, schwiegen, murmelten, wehklagten, sangen nacheinander oder gleichzeitig, alle im lauten Gebet oder in Gedanken zu Gott, der sie wieder vergessen hatte oder sie zum wer weiß wievielten Mal - die genaue Zahl wusste Er allein - bestrafte.

Der Geruch des Meeres vermischte sich mit den Ausdünstungen verschwitzter Leiber; das Rauschen der Wellen mit dem durchdringenden Geraune der kopflosen, von Panik erfassten Menschen; das Grau der Steinmolen mit der Farbenpracht der Menschenmenge. Überfüllt von den dicht aneinandergedrängten Vertriebenen, brodelte der Hafen wie ein Kessel mit einer dicken Flüssigkeit, die überlief und zischte bei der Berührung mit der von der Erde und vom Himmel her brennenden Glut. Die Schwachen brachen zusammen, die Kinder schliefen oder schrien, heimgesucht von heißen Albträumen, nur die wenigen Menschen, die die Fassung nicht verloren hatten, wischten sich die schweißbedeckte Stirn und versuchten, sich an einem nahegelegenen Brunnen Kühlung zu verschaffen.

Das im Hafen vertäute altersschwache Schiff "Felicidad" - "Glück" - (was für eine Ironie, dachten viele und sagten es mit einem gezwungenen Lächeln, andere wiederum hofften, es würde ihnen doch noch Glück bringen, denn die Hoffnung stirbt, zumal bei den Juden, genau wie der Wunsch zu leben, zuletzt) schien nicht alle Wartenden aufnehmen zu können. Einige Hafenangestellte versuchten, der Menschenmasse Herr zu werden und eine leidliche Ordnung herzustellen, jedoch mit wenig Erfolg. Noch war niemand an Bord gegangen, die Juden beratschlagten, palaverten, überstimmten einander und stritten regelrecht über das brennende Problem, wem man den Vortritt gewähren sollte, worin viele eine Talmudfrage sahen, und weswegen sich zwischen einzelnen Gruppen lange Diskussionen entfachten. Die Wellen der Auseinandersetzungen verbreiteten sich strahlenförmig von denen aus, die dem Laufsteg am nächsten standen, bis hin zu den Rändern des Hafens. Kaum hatte die Nachricht einer möglichen Lösung die Letzten der immer größer werdenden Menge erreicht, machte ein Gegenvorschlag die Runde.

Die Zeit schritt unaufhaltsam voran, aber eine Lösung des komplizierten Problems war noch nicht in Sicht. Schließlich sprang ein schlanker, gutgewachsener Mann, dessen kostbare Kleidung eines reichen Juden trotzt der langen Reise seltsamerweise sauber und wie neu geblieben war, auf einen Tauballen und ergriff das Wort. Seine leise Stimme, sein nachdenklicher Blick und seine unaufdringliche Haltung standen dank Kraft und Entschlossenheit, Leidenschaft und Herausforderung, Sicherheit und Klarheit in krassem Gegensatz zu allem, was bisher gesagt worden war, und wirkten wie ein Hoffnungsschimmer inmitten des allgemeinen Unglücks. Die aufgewühlte Menge

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