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Die Leiche im Apfelbaum Mörderische Geschichten

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2016
  • Verlag: art & words - Verlag für Kunst und Literatur
eBook (ePUB)
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Die Leiche im Apfelbaum

Über ein abgründiges und rätselhaftes Franken berichten die Autorinnen und Autoren der Schreibwerkstatt Wendelstein in spannenden Mini-Krimis, schaurigen Kurzgeschichten, skurrilen Szenen, mystischen Schilderungen und phantasievollen Gedichten. Mit diesem Buch feiert die Schreibwerkstatt Wendelstein ihr fünfunddreißigjähriges Jubiläum. Die Schreibwerkstatt ist ein 'Kind' der Volkshochschule Wendelstein und besteht seit 1981. Die Leiche im Apfelbaum enthält Texte von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wendelsteiner Kurses 'Kreatives Schreiben', des Nürnberger VHS-Kurses 'Frauen schreiben', und von mit der Schreibwerkstatt freundschaftlich verbundenen Autorinnen und Autoren; neben vielen anderen auch von Friedrich Ach, Norbert Autenrieth, Christa Bellanova, Egon Helmhagen, Irmi Kistenfeger-Haupt, Walter Tausendpfund und Gudrun Vollmuth.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 01.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943140576
    Verlag: art & words - Verlag für Kunst und Literatur
    Größe: 3512kBytes
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Die Leiche im Apfelbaum

Norbert Autenrieth
Dürrbeck
und die Bratwurstleiche

Es sah irgendwie albern aus. Albern und abstoßend zugleich. Da lag Anton Fischer vor seiner Coach im Wohnzimmer seiner neuen Eigentumswohnung in Nürnberg Thon. Seine Backen waren dick, wie aufgeblasen, und aus seinem Mund ragten die Reste von Nürnberger Bratwürsten, sie quetschten förmlich die Lippen auseinander. Unter seinem Kopf eine Blutlache. Anton Fischer war offensichtlich tot. Seine Augen waren aufgerissen und blickten beinahe ungläubig.

Kriminalhauptkommissar Hans Dürrbeck rückte die Brille zurecht und beugte sich etwas hinunter. "Nürnberger. Nicht einmal gebraten", sagte er. Die Enden seines buschigen Schnurrbarts, die seinem dicken Gesicht etwas Melancholisches verliehen, zitterten leicht, als müsste er sich ein Lachen verkneifen.

"Er hat manchmal einen wirklich abartigen Humor", dachte sein Assistent - wie Dürrbeck ihn zu bezeichnen pflegte - Kriminalkommissar Happel und beeilte sich, das Ganze wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen: "Anton Fischer, 47 Jahre alt, Besitzer mehrerer Imbissstände in Nürnberg, Bamberg und Erlangen. Man hat ihn offensichtlich erschlagen." Happel deutete auf die Blutlache am Boden vor der Couch. "Tatwaffe haben wir nicht. Die Bratwürste hat man ihm wahrscheinlich erst hinterher in den Mund gestopft. Er ist höchstens zwei Stunden tot. Er muss seinen Mörder hereingelassen haben - keine Einbruchspuren. Seine Frau hat ihn gefunden."

Dürrbeck drehte sich zum Arzt um, der gerade seine Tasche einräumte.

"Kann man mit seiner Frau sprechen?"

"Ich denke schon", kam als Antwort.

"Mein Beileid", sagte Dürrbeck lapidar. "Sie haben Ihren Mann gefunden. Ist fürwahr kein schöner Anblick."

"Mein Gott, geht es denn nicht ein wenig einfühlsamer?", dachte Happel. Frau Fischer war eine kleine, übergewichtige Frau, ca. 40 Jahre alt, sehr gepflegt, dezent geschminkt. Sie saß im Esszimmer auf einem Stuhl, sah Dürrbeck aus verweinten Augen an und schluchzte auf. Die Hände in ihrem Schoß kneteten ein Papiertaschentuch. Dürrbeck begann die Frau auszufragen, Happel zückte Bleistift und Block. Dürrbeck machte nie Notizen, was Happel jedes Mal ärgerte.

Frau Fischer war um 11 Uhr zum Einkaufen zu Ebl gefahren. Ihr Mann sei zu Hause gewesen. Sie habe um ca. 11.30 ihren Mann angerufen, ob sie Lachs zum Mittagessen mitbringen solle. Eine dreiviertel Stunde später sei sie zurück gewesen. Und dann habe sie ihren Mann gefunden.

"Frau Fischer, die Umstände des Todes Ihres Mannes sind, wie soll ich sagen, etwas seltsam. Haben Sie eine Erklärung dafür? Könnte das etwas mit dem Beruf Ihres Mannes zu tun haben. Hatte Ihr Mann Feinde?"

Frau Fischer schniefte: "Furchtbar, das mit den Bratwürsten! Wer tut denn sowas! Natürlich werden in seinen Imbissbuden vorwiegend Bratwürste verkauft. Aber Feinde? Toni? Feinde hatte mein Mann nicht. Im Gegenteil. Er war überall beliebt. Aber um seine Geschäfte habe ich mich wenig gekümmert. Das einzige, was ich weiß, ist, dass er vor vier Wochen einen seiner Imbissleiter entlassen hat, weil der ihn betrogen hat. Mein Gott, was soll ich ohne ihn anfangen! Wir sind über zwanzig Jahre verheiratet. Nie hat es Streit gegeben."

"Sie redet mir ein bisschen viel", dachte Dürrbeck. Happel notierte sich den Namen des entlassenen Imbissleiters; Dürrbeck wollte gerade nach Geschäftsunterlagen fragen, als vom Flur her Stimmengewirr zu hören war.

"Mein Gott, Kevin habe ich ganz vergessen", rief Frau Fischer und rumpelte auf. Kevin stellte sich als Sohn der Fischers heraus, er war zwanzig Jahre alt und ging aufs Dürer-Gymnasium, 12. Klasse. "Ein paar Mal durchgefallen", überlegte Dürrbeck. Frau Fischer fiel ihrem Sohn um den Hals und erzählte ihm unter Schluchzen vom gewaltsamen Tod seines Vaters.

Dürrbeck stand unbeteiligt herum und ließ die Blicke ungeduldig durchs Zimmer schweifen. Happel blickte krampfhaft au

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