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Die letzte Geschichte des Miguel Torres da Silva Roman von Vogel, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
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Die letzte Geschichte des Miguel Torres da Silva

Nach vier Auflagen (und sechs Übersetzungen) jetzt auch im Taschenbuch: Ein charmanter, ganz und gar fesselnder Roman, in dem die rätselhaften Zahlenwerke der Mathematik, die Geheimnisse des Erzählens und die Überraschungen der Liebe auf wundersame Weise zueinander finden.

Thomas Vogel, 1947 in Sindelfingen geboren, studierte Romanistik, Kunstgeschichte und Theologie zuerst am Evangelischen Stift in Tübingen, dann in Heidelberg, Promotion in französischer Literaturwissenschaft übers Chanson der Gegenwart. Seit 2003 Honorarprofessor am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen. Thomas Vogel arbeitete als Kulturredakteur beim SWR, zuerst in Baden-Baden, dann in Tübingen, wo er die Kulturredaktion leitete und Stellvertretender Studioleiter war. Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, Essays, Hörspiele, Reportagen und Anthologien. Thomas Vogel ist zu Lesungen gerne bereit. www.thomas-vogel.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 163
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512316
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 1469 kBytes
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Die letzte Geschichte des Miguel Torres da Silva

Der 21. Tag:
Von den Zahlen und dem Erzählen

MATHEMATIK, SAGTE RIBEIRO, "ist wie die Liebe. Alle brauchen sie, probieren sie, den meisten ist sie Alltag, doch zum Feiertag wird sie den wenigsten."

Der Professor liebte den witzigen, zuweilen bissigen Vergleich, und viele seiner Formulierungen wurden gesammelt und machten in der Universität die Runde.

"So wie es in der Liebe ewige Wahrheiten gibt", sagte er ziemlich bedeutungsvoll und mit leiser Ironie, "so auch in der Mathematik: Die Winkelsumme eines Dreiecks summiert sich zu 180 Grad. Das war sogar schon so, bevor man es herausfand."

Zuweilen am späteren Nachmittag traf sich Ribeiro mit seinen Studenten im Innenhof der Universität, unweit der Porta Férrea, um sie zu einem – wie er es nannte – Studium der Landschaftsgeometrie einzuladen.

"Unter freiem Himmel", so erklärte er, "läßt sich gründlicher und grenzenloser denken – und auch spekulieren!"

"Spekulieren?" fragte einer der Studenten verwundert.

"Ohne Spekulation, ohne Annahme kriegst du nichts raus, ist letztlich nichts zu beweisen. Nehmen wir also an – wie Euklid bei der Unendlichkeit der Primzahlen – das Gegenteil der Behauptung träfe zu, und leiten daraus einen Widerspruch her, dann finden wir so – in der Rückführung auf den Widerspruch – den Beweis für die unendlich vielen Primzahlen. Mathematik ist eine Form des Abenteuers, wie Seefahrt, neue Länder entdecken oder Kunst. Du mußt alles aufs Spiel setzen, vielleicht den einen oder anderen lieb gewordenen Gedanken opfern, wie auf dem Schachbrett die eine oder andere Figur, um einen wichtigen Schritt weiterzukommen. Also brauchen wir das Abenteuer und den unbestechlichen, logischen Schritt. So kommt das eine zum andern."

Sie spazierten über den Cumulo, saßen unter Schatten spendenden Bäumen und sprachen über die Mathematik und das Leben, und die Studenten grinsten, sooft bei ihrem Lehrer "das eine zum andern kommt", und waren doch fasziniert von der Zusammensicht der Dinge.

"Mit den Zahlen ist das so eine Sache. Sie sind unter uns, also in der Welt, kommen aber doch von außen, sind göttlichen Ursprungs. Zahlen seien, so fand Plato, himmlische Ideale. Zahlen kommen von außerhalb, waren vor der Zeit, sind Wahrheiten, also unabhängig von uns Menschen. Für die Pythagoreer ist die Zahl das Maß aller Dinge und ihr Studium, also die Arithmetik, der Weg zur Perfektion. Kaum eine Religion, die nicht die geheimen Wahrheiten hinter den Zahlen zu ergründen sucht. "Wahrlich", so sagt ein islamisches Sprichwort, "wahrlich, Gott ist eine ungerade Zahl und liebt die ungeraden Zahlen." Es gibt weibliche und männliche Zahlen, nur die Eins ist für die Griechen weder männlich noch weiblich und steht für die Gottheit, als Quelle aller Zahlen. Die Zwei wäre die erste weibliche, die Drei die erste männliche Zahl und gleichzeitig die Summe der ersten beiden. Und jetzt spielen wir mit Steinchen!" Der Mathematiker hob eines vom Boden auf und legte es auf eine Steinplatte.

"Die Eins ist der Ursprung." Er nahm zwei weitere Steinchen und ordnete sie zusammen mit dem ersten zu einem Dreieck.

"Wie viele Steinchen brauchen wir insgesamt für das nächst größere gleichseitige Dreieck?"

"Sechs", rief einer der Studenten.

"Und wenn es noch größer werden soll?"

"Zehn

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