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Die letzten Rudelsburger von Schreckenbach, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die letzten Rudelsburger

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739226040
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 639kBytes
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Die letzten Rudelsburger

I.

Auf der Bastei des Schlosses Dornburg, die am weitesten an den steilen Felsenabhang vorgeschoben war, stand eine hochgewachsene Jungfrau im Reitkleid und wehendem Federhut und blickte gedankenvoll ins Land hinaus. Der Burgherr, Graf Günther von Schwarzburg, hatte ihr soeben die Befestigungen gezeigt, die rund um das Schloss auf seinen Befehl neu ausgeführt waren, und sie hatte die starken Mauern mit denen ihres heimatlichen Bergschlosses verglichen. Der Vergleich hatte sie befriedigt. Was auch die Schwarzburger taten, ihre Dornburg unbezwinglich zu machen, so fest wie die Rudelsburg wurde sie doch niemals, und ihr Vater, der Edle Werner Kurtefrund, gebot noch immer über die gewaltigste Feste weit und breit. Darum hatte während des ganzen Rundganges ein Leuchten des Triumphes in ihren großen stahlblauen Augen gestanden.

Jetzt war sie allein, denn ein Diener hatte den Grafen abgerufen. Ihre Blicke hafteten nun nicht mehr an dem Mauerwerk, auf dem sie stand, sie waren vielmehr einem merkwürdigen Schauspiele zugewendet. Der mächtige, burggekrönte Berg, der Dornburg schräg gegenüber lag, begann mit einem Male in den Strahlen der Abendsonne zu glühen. Erst fuhr ein schwaches Rosenrot darüber hin, aber bald wurde die Farbe tiefer, leuchtender, gesättigter, und in Kürze sah es aus, als stünde der ganze Berg von oben bis unten in feuriger Glut.

Die Jungfrau war schon einige Male auf der Dornburg eingekehrt, aber diese Erscheinung hatte sie noch nie gesehen. Kein Wunder, dass ihr darob ein Ausruf des Staunens entfuhr.

"Ja," sagte der Graf, der wieder zu ihr getreten war, "da verwundert Ihr Euch wohl, Gertrudis? Wer das noch nicht gesehen hat, verwundert sich immer, wenn er's zum ersten Male schaut."

Das Mädchen nickte. "Es sieht prächtig aus. Ist das öfters so?"

"Nur an ganz hellen Tagen. Dann sagt das Volk: 'Der Berg gleißt', und mich will bedünken, er habe seinen Namen 'Gleißberg' wohl davon erhalten. Am schönsten funkelt er im Winter, wenn er im Schnee steckt. - Übrigens," setzte er hinzu und blickte sie mit einem listigen Lächeln von der Seite an, "es läge wohl in Eurer Hand, auf diesem Feuerberg als Herrin zu thronen.

Die Lippen des Mädchens schürzten sich unmutsvoll, und zwischen ihren Brauen erschien eine kleine Falte. "Aber Graf Günther," sagte sie, "was habe ich Euch getan, dass Ihr mit in das Horn meines Oheims, des Schenken, blaset? Wisst Ihr nicht, dass mir der plumpe Gleißberger zuwider ist?"

"Nein, das wusst' ich in Wahrheit nicht, sonst hätt' ich nichts gesagt," erwiderte der Graf. "Aber da wir einmal davon reden und ich mir den Mund verbrannt habe, so will ich mir ihn gründlich verbrennen. Seht, ich kannte Euch schon, Gertrudis, als Euch die Zöpfe noch nicht über die Hüften herabhingen, sondern so lang waren wie mein Daumen. Ich bin vierundvierzig Jahre alt, also doppelt so alt wie Ihr, könnte fast Euer Vater sein und bin Eures Vaters günstiger Freund. Darum vergönnt mir die fürwitzige Frage: Warum heiratet Ihr nicht?"

Gertrudis blickte ihn verwundert an. "Wie kommt Ihr darauf?"

"Potz Wetter!" polterte der Graf. "Wie kommt Ihr darauf? Ist das eine so verwunderliche Frage? Hab' ich Euch zugemutet, nach Jerusalem zu fahren? Ist es nicht der Lauf der Welt, dass eine Jungfrau heiratet, wenn sie in die rechten Jahre kommt? Die meisten heiraten ja schon, ehe sie zwanzig sind, ja schon mit sechzehn und siebzehn! Ihr seid lange schon flügge. Warum seid Ihr nicht ausgeflogen?"

Die Jungfrau schwieg und sagte dann schalkhaft trocken: "Nehmt an, es hat mich noch keiner gemocht bis hierher."

Der Graf lachte. "Haltet Ihr mich für einen Narren, dass Ihr mir das aufbindet? Die Leute nennen Euch landauf landab die Perle des Saaltales, und, weiß Gott, sie tun recht daran. Zum wenigsten zwischen Saalfeld und Halle ist keine schönere Maid zu finden als Ihr. Dabei habt Ihr mit zweiundzwanzig Jahren noch keinen Mann. Warum weist Ihr

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