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Die letzten Tage von Rungholt Roman von Köster-Lösche, Kari (eBook)

  • Verlag: Refinery
eBook (ePUB)
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Die letzten Tage von Rungholt

Friesland im Jahr 1361. Der Statthalter des dänischen Königs Waldemar IV. ist besessen von Macht und vor allem Geld, das er sich durch illegalen Salzhandel verschaffen will. Allein der nordfriesische Salzsieder Arfast erkennt, daß die Marsch durch exzessiven Salzabbau in Gefahr gerät. Er kommt in Konflikt mit Statthalter und Kirche und legt sich mit uneinsichtigen Bauern an. Nur die Fischer glauben ihm - und die Kaufmannstochter Anna, die ihn liebt. Doch kann das Arfast vor Unheil bewahren ... Kari Köster-Lösche, 1946 in Lübeck geboren, veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Bücher, bevor sie mit ihren historischen Romanen ein begeistertes Publikum fand. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet sie in ihrer Wahlheimat Nordfriesland als Tierärztin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960480389
    Verlag: Refinery
    Größe: 4719 kBytes
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Die letzten Tage von Rungholt

I

D u, Kerl! Komm her und gib mir eine Auskunft!" Arfast drehte sich um und betrachtete den schwarzhaarigen baumlangen Mann von oben bis unten. Er stand am Ufer des Schluth, als ob er den Priel vom Festland her entlang gekommen wäre. Schon wieder einer von diesen dreisten Fremden, dachte er. Mit einer so frischen roten Narbe quer über dem Kinn und einem Wams, dessen Lederbesatz eine dicke Panzerung ergab, konnte er nur ein Söldner sein. Die Hand hatte er am Kurzschwert wie einer, der demnächst ziehen will.

"Wo ist die Trojburg?" fragte der Mann mit sichtbarer Ungeduld, wieder in plattdeutscher Sprache.

Der Salzsieder war unbewaffnet. Er blieb gelassen, aber das hatte nichts damit zu tun, daß er selber groß und gewandt im Kampf war. Die Leute von der Trojburg kannte er. Wie alle Halbwüchsigen von Langeneß und Nordmarsch hatte er sich gelegentlich nachts dorthin geschlichen und sich mit den Männern angelegt, aber als Erwachsener, der zu Vernunft gekommen war, nicht mehr. Die Trojburger waren unfriedliche Leute, deren Gewerbe zwischen Seeräuberei im eigenen und Küstenschutz in des Königs Auftrag schwankte. Arfast stützte Hände und Kinn auf den Pfahl, den er gerade einschlagen wollte, und deutete mit den Augen auf die höchste Erhebung hinter den violett blühenden Büscheln des Halligflieders. "Dort liegt sie. Folge dem Priel bis zum Stock und jenseits des Stockes dem Trampelpfad. Die Burg ist nicht zu übersehen."

Ohne dem Mann noch einen Blick zu gönnen, hob Arfast die schwere Handramme wieder auf und ließ sie dröhnend auf den Pfahl fallen, der sich tief in den Kleiboden senkte. Es war der letzte Pfahl, der den Verlauf des Sommerdeiches um das künftige Abbaugebiet von Salztorf markierte. So konzentriert war er bei der Arbeit, daß er beinahe das Sirren des Pfeils überhört hätte, der an ihm vorbeiflog und sich eine Manneslänge neben ihm in das Gras bohrte. Sein Instinkt ließ ihn zur Seite springen, aber er war sich klar darüber, daß er jetzt auch hätte tot sein können.

"Knut Wogensson nimmt niemanden auf, der so schlecht schießt", rief Arfast erbost, aber der Fremde war schon von der Graskante auf den Schlick am Priel hinuntergesprungen und außer Sicht. Sein höhnisches Lachen mischte sich mit dem Gurgeln des schnell strömenden Wassers.

Arfast starrte ihm verdrossen hinterher. Immer öfter tauchten sie auf, diese Dänen und Holsteiner, und ob der König sie schickte, die Grafen oder der Bischof: Sie machten Rechte geltend, die niemand kannte, und nahmen sich, was sie wollten. Und je mehr von ihnen kamen, desto öfter gab es Streit.

In sicherer Entfernung kroch der Fremde wieder auf das Halligufer und formte die Hände zu einem Schalltrichter. "Mich wird er nehmen, ich bin sein Sohn. Nimm dich in acht, wenn wir uns wieder begegnen, Friese!"

Arfast trabte mit dem eisenschweren Schlagklotz am abgewinkelten Arm locker der Salzsiederei entgegen, einer der beiden, die er im Auftrag des Kaufmanns Benedikt Knoop bewirtschaftete. Trotz seiner jungen zwanzig Jahre leitete er beide Siedereien nach eigenem Ermessen, und sechs ältere Männer gehorchten ihm.

Um diese hier auf Langeneß mußte er sich keine Sorgen machen, sie war die ertragreichere von beiden. Der Salztorf lag in dicker Schicht auf Land, das für gewöhnlich nicht in Gefahr war, überflutet zu werden. Sie konnten im Frühjahr zeitig mit dem Abbau beginnen und spät im Herbst aufhören.

Aber für die Salzsiederei an der Nordwestseite von Nordmarsch plante er bereits eine Warf und höhere Kajedeiche zum Schutz gegen Sturmfluten, um das Gebiet ähnlich lange wie auf Langeneß bewirtschaften zu können.

Leider war Knoop unbeweglicher als eine Wellhornschnecke im Ufersand, und seine Gedanken hinterließen noch weniger Spuren. Arfast war es leid, auf seine Entscheidung zu warten.

Er wechselte im Laufen den Arm und übersprang einen der schmalen Halligpriele, an dessen Seitenwänden das silbergraue Flo

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