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Die Leuenhofer von Bindschedler, Ida (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Die Leuenhofer

Ida Bindschedler ( 6. Juli 1854 in Zürich, 28. Juni 1919 ebenda) war eine Schweizer Lehrerin und Kinder- und Jugendbuch Autorin. Sie beschreibt detailgenau die Erinnerung an ihre Zürcher Kindheit in den Jugenderzählungen "Die Turnachkinder im Sommer" und "Die Turnachkinder im Winter", die sie neben Johanna Spyri zur wohl bekanntesten Schweizer Jugendbuchautorin machten. Die Haupthandlung der Turnachkinder im Sommer spielt in der "Seeweid" (heutiger Standort des Museums Bellerive, Ecke Höschgasse) im Zürcher Quartier Riesbach, als dieses noch ausserhalb der Stadt lag. Heute ist dort eine Strasse nach der Autorin benannt. Die Handlung der Turnachkinder im Winter spielt hauptsächlich in der Zürcher Altstadt am heutigen Weinplatz 7. 1919 erschien ihr drittes Buch "Die Leuenhofer", das jedoch den Erfolg der Turnachkinder nicht mehr erreichte.(Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 367
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958640085
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 574 kBytes
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Die Leuenhofer

Das verlorene Büblein.

Herr Schwarzbeck stand bei der Wandtafel und sah zu, wie Gustav Brenner den Fehrenbach zeichnete, der unterhalb des Städtchens in die Illig floss.

"Nicht so, Gustav", wehrte Herr Schwarzbeck ab. "Nicht grad wie ein Peitschenstiel. Dem Fehrenbach pressiert es gar nicht so, aus seinem netten Tälchen herauszukommen. Ihr habt ja gestern selber gesehen, wie er Umwege macht. Sieh, da etwa ist die Breitwiese ..."

"Wo wir den Baldrian und die Vergissmeinnicht gefunden haben", riefen die Kinder ... "Da macht er doch einen Bogen, wie wenn er sich besinnen würde, ob er nicht noch einmal zurück wolle zum Wald anstatt hinunter zur Sägemühle, wo er das Rad treiben muss."

Die Knaben und Mädchen in den Bänken horchten auf. Wie Herr Schwarzbeck so sprach, war es, als ob man noch einmal den hübschen Spaziergang durch das Fehrenbachtälchen mache. Dann fuhren sie fort auf ihre Blätter zu zeichnen. Also recht geschlängelt: und die Sägemühle nicht vergessen; es waren vier Häuser da. Wenn man gut gezeichnet hatte, durfte man das Blatt mit der farbigen Kreide ausmalen, den Bach blau, die Wiese hellgrün, den Riedenwald dunkel und die Häuser von Ried und von der Sägemühle rotbraun. Dann sah es aus wie eine Landschaft, die man von einem hohen Kirchturm herab betrachtet.

Die Fenster des Schulzimmers standen alle offen, und die Sonne schien auf den alten Holunderbusch am Haus. Es war eigentlich kein Schulhaus. Man hatte nur vor Jahren eine Stube eingerichtet für die zwei Klassen von Herrn Schwarzbeck, weil im Schulhaus drinnen im Städtchen kein Platz mehr war. Man sprach immer davon, dass ein neues Schulhaus gebaut werden müsse. Aber Herr Schwarzbeck sagte oft, seinetwegen brauche man sich nicht zu beeilen. Da draussen im Leuenhof sei es schön und gemütlich. Und die Knaben und Mädchen waren der gleichen Meinung.

Der Leuenhof war früher ein Kloster gewesen. Jedesmal, wenn im Frühjahr eine neue fünfte Klasse eintrat, wurde ihr diese merkwürdige Tatsache mitgeteilt:

"Also seht", erklärten die Sechstklässler; "dort, wo das Holzgitter ist, war auch ein langes Stück Haus und rechts eins und links. Das gab ein Viereck; ringsherum war ein Gang; der hiess Kreuzgang, und da spazierten die Mönche und dachten an ernste Sachen. - Ja - und manchmal haben sie aber auch Brot gebacken und Käse gemacht und Bäume gepflanzt und gemalt und geschreinert und gesungen. Und dann auf einmal in einer Nacht ist das Kloster verbrannt, und nur die Seite, wo wir unser Schulzimmer haben, ist stehen geblieben." -

Die Fünftklässler sahen einander an. Das war fein, in einer Schule zu sein, wo es einmal gebrannt hatte und wo Mönche gemalt und gesungen und Brot und Käse gemacht hatten. Mitten auf dem grünen Platz, der früher der Klosterhof gewesen war, stand eine dicke niedrige Säule und auf ihr sass ein seltsames steinernes Tier. Nach ihm hiess das Haus der Leuenhof. Denn das Tier war ein Löwe. Man hatte einige Mühe, das zu erkennen. Der dicke Kopf war verwittert, und über der Nase waren ein paar Rinnen. Wenn das Rotschwänzchen vom Holzverschlag herüberflog und sich auf den dicken Kopf setzte, sah es aus, als ob der Leu nach oben blinzle und sich ärgere, dass er den Vogel nicht abschütteln könne.

"Er sollte eine Mähne haben", sagte einer der Fünftklässler, als er mit den anderen in der ersten Pause des neuen Schuljahres vor dem Löwen stand.

"Ja eben", erwiderten die Grossen

"Er sieht eigentlich bloss aus wie eine recht grosse Katze", sagte die vorwitzige kleine Sara Wiebold und zog kichernd die Achseln in die Höhe.

"Ja, wir haben es auch schon gedacht; aber hört" - und ein paar von den Grossen stellten sich vor die Fünftklässler - "das sagt man nicht! Oder wollt ihr vielleicht, dass man euch 'Katzenhofer' heisst, statt 'Leuenhofer?'"

"Nein - Katzenhofer! Nein!" rief die ganze Klasse, und alle versprachen sich, man wollte es nie ausbringen, dass der Leu eigen

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