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Die Liebe zum Regen Roman von Hoffmann, Claire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2017
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Die Liebe zum Regen

In Veras wohlgeordnetes Leben bricht aus heiterem Himmel das Chaos ein. Hals über Kopf flüchtet sie nach England - als Au-pair. Ziemlich gewagt mit 57 Jahren. Doch auch in London ist die Welt nicht heil. Drei eigensinnige Mädchen machen es ihr alles andere als leicht, der Vater glänzt durch Abwesenheit, und sie spürt, dass die Familie ein Geheimnis hat. Als Vera beschließt dahinterzukommen, muss sie erkennen, dass sich auch ihre eigenen Wahrheiten nicht ewig vertagen lassen. Claire Hoffmann hat als Schauspielerin an Theatern und in zahlreichen Filmen gespielt, heute schreibt sie Drehbücher und Romane. Sie liebt es, ganze Tage am Schreibtisch zu verbringen und Geschichten zu erfinden, die überall auf der Welt spielen. Sie lebt in Hamburg und Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 27.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641196561
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 1953 kBytes
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Die Liebe zum Regen

1

"Wer den Himmel im Wasser betrachtet, sieht die Fische auf den Bäumen." Dieser Satz spukte schon seit dem Aufwachen durch Veras Kopf. Was bitte sollte das bedeuten? Sie musste ihn irgendwo gelesen haben. Vera schlug den Kragen ihres Mantels hoch. Es war immer noch zu kalt für April. Sie stand an einer besonders zugigen Ecke und wartete auf den Bus. Und was sollte dieser bissige Wind? Wenn sie fror, wurde sie philosophisch. Das war schon immer so gewesen. Genau wie sie schon seit Jahren montags die falschen Schuhe anzog. Sie hatte doch gewusst, dass sie zu leicht waren für diese Art von unberechenbarem Wetter. Der Montag war der einzige Tag, an dem Vera sich etwas derart Unvernünftiges wie mittelhohe Absätze gestattete. Obwohl es mühsam war, jede Woche ein neues Restaurant auszuprobieren, hatte diese Tradition, die ihr Mann vor bald sieben Jahren begründet hatte, durchaus ihre guten Seiten. Allerdings nicht, wenn man durchgefroren bis auf die Knochen zum Abendessen erschien. Vera trat von einem Fuß auf den anderen. Sie wollte gerade beginnen, ihre Erinnerung nach der Quelle für den rätselhaften Satz zu durchsuchen, als ein überraschender Windstoß ihr den Regenschirm aus der Hand zu reißen versuchte. Das konnte ihm so passen! Sie hielt den Schirm fest. Ein Geschenk ihres Mannes, der vielleicht keine Schönheit war mit seinem etwas faden Muster, aber Vera dachte nicht daran, ihn ohne Kampf herzugeben. Diese Böen waren eher ein Sturm und ziemlich übertrieben, selbst für Frühling in Norddeutschland. Vera umklammerte den silbernen Griff, was zur Folge hatte, dass sie erst beinah fortgeweht wurde und dann unelegant quer über den Gehweg hinter ihrem Schirm herstürzte. Zum Glück waren so gut wie keine Leute unterwegs. Doch der Wind war stärker als sie. Mit einem finalen Schlag wirbelte er an Vera hinauf, umkreiste sie dreimal, stülpte den Schirm plötzlich und mit beneidenswerter Mühelosigkeit um und entriss ihm mit einem Ruck seinen Stoff. Zurück blieb ein flatterndes, nutzloses Etwas von ehemaliger Schirmbespannung, das nur noch an einem Zipfel mit seinem Skelett verbunden war. Binnen Sekunden stand Vera ungeschützt im Freien und musste sich von ihrer Frisur verabschieden. Sie sah sich Schutz suchend um. Zum Glück, denn so sah sie gerade noch rechtzeitig, wie ein Lastwagen auf die enorme Pfütze vor ihren Füßen zusteuerte. Das fehlte ihr noch. Mit einem entschiedenen Sprung über die, zugegeben schmale, Rabatte rettete Vera sich im letzten Moment vor der Schmutzfontäne in Richtung Park.

Vera fand sich auf einmal in einer anderen Welt. Im Park war es still. Und irgendwie friedlich. Sie lief ein paar Schritte den gewundenen Weg entlang. Flirrendes Licht, der Duft von Erneuerung. Dass die Kirschen schon blühten! Sie hatte nicht das Geringste von dieser reinweißen Pracht mitbekommen. Das war ihr noch nie passiert. Früher hatte nichts sie davon abhalten können, bei der ersten Ahnung aufzubrechen, die Veränderungen wie einen Festtag zu begehen, das neue Wetter am eigenen Leib zu spüren. Der Wechsel der Jahreszeiten hatte sie immer eine Spur feierlich gestimmt. Diesmal hatte er ohne sie stattgefunden. Sie hatte ihn einfach verpasst, den Frühlingsanfang. Vera stand unter dem tropfenden Blütenmeer und wurde auf einmal von einer Welle von Müdigkeit erfasst. Etwas, das ihr in den letzten Wochen immer wieder passierte. Und zwar, wenn sie ehrlich zu sich selber war, mit einer sich schnell steigernden Häufigkeit. Ihr war, als würde die Anziehungskraft der Erde um einige Stufen höhergeschraubt. Nur mit Mühe widerstand sie dem Drang, sich auf der Stelle niedersinken zu lassen, ungeachtet der glitschigen Blätter, des stetigen Regens, der Spaziergänger um sie herum. Wie verlockend es wäre, einfach nachzugeben ...

Vera erschrak, das hier nahm bedrohliche Formen an. Sie wies sich innerlich zurecht und zwang sich, vernünftig nachzudenken. Hinter dieser ungewohnten Schwäche, hinter solch abstruse

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