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Die Liebesbriefe von Montmartre Roman von Barreau, Nicolas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Liebesbriefe von Montmartre

Nach dem Tod seiner Frau Hélène ist Julien untröstlich. Der Autor von romantischen Komödien und Vater eines kleinen Sohns fühlt sich vom Schicksal betrogen und sieht keinen Sinn mehr im Leben. Nur widerwillig erfüllt er den allerletzten Wunsch seiner Frau: Er soll ihr 33 Briefe schreiben, einen für jedes Lebensjahr, und sie auf den Friedhof von Montmartre bringen. In einem kleinen Geheimfach im Sockel der Engelsstatue, die Hélènes Grab schmückt, deponiert er die Umschläge - bis der kleine Stapel eines Tages plötzlich verschwunden ist. Stattdessen findet er mysteriöse Gegenstände. Auf jeden Brief, den er nun schreibt, erfolgt eine 'Antwort'. Hoffnung und Liebe kehren zurück in das Leben dieses unglücklichen Mannes und seines Sohnes. Nicolas Barreau, geboren 1980 in Paris, hat Romanistik und Geschichte an der Sorbonne studiert und lebt heute als freier Autor in Paris. Schon mit seinen Erfolgen 'Die Frau meines Lebens' und 'Du findest mich am Ende der Welt' hat er sich in die Herzen seiner Leserinnen geschrieben, ehe 'Das Lächeln der Frauen' ein internationaler Bestseller wurde. Weitere sehr erfolgreiche Bücher folgten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492995214
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 331 kBytes
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Die Liebesbriefe von Montmartre

Kapitel 1

Die Welt ohne dich

Gerade hatte ich mich an den Schreibtisch gesetzt, um mein Versprechen einzulösen und Hélène endlich, endlich zu schreiben, da klingelte es an der Tür. Ich beschloss, das Klingeln zu ignorieren, schraubte bedächtig meinen Füllfederhalter auf und rückte das weiße Blatt Papier zurecht. "Liebe Hélène", schrieb ich und starrte dann einigermaßen hilflos auf die beiden Wörter, die so verloren dastanden, wie ich mich in diesen letzten Wochen und Monaten gefühlt hatte.

Was schreibt man einem Menschen, den man über alles liebte und den es tragischerweise nicht mehr gibt? Schon damals hatte ich geahnt, dass es eine Schnapsidee war, ihr dieses Versprechen zu geben. Aber Hélène hatte darauf bestanden. Und wie stets, wenn meine Frau sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man schwer dagegen argumentieren. Am Ende setzte sie sich immer durch. Hélène war sehr willensstark. Nur gegen den Tod hatte sie sich nicht behaupten können. Der hatte einen noch stärkeren Willen gehabt als sie.

Wieder klingelte es, aber ich war schon ganz weit weg.

Ich lächelte bitter und sah noch genau ihr blasses Gesicht mit den grünen Augen vor mir, die über den eingefallenen Wangen von Tag zu Tag größer zu werden schienen.

"Ich möchte, dass du mir nach meinem Tod dreiunddreißig Briefe schreibst", hatte sie gesagt und mich eindringlich angesehen. "Für jedes Jahr, das ich gelebt habe, einen Brief, versprich mir das, Julien."

"Und wozu sollte das gut sein?", hatte ich erwidert. "Das macht dich doch auch nicht wieder lebendig." Damals war ich außer mir vor Angst und Schmerz. Ich saß Tag und Nacht an Hélènes Bett, umklammerte ihre Hand und wollte und konnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen.

"Warum soll ich Briefe schreiben, wenn ich ja doch niemals eine Antwort bekommen werde? Das ist doch völlig sinnlos", wiederholte ich leise.

Sie tat, als hätte sie meinen Einwand nicht gehört. "Schreib mir einfach. Schreib mir, wie die Welt ist ohne mich. Schreib mir von dir und von Arthur." Sie lächelte, und mir stiegen die Tränen in die Augen.

"Es wird einen Sinn haben, vertrau mir. Und ich bin mir sicher, dass es am Ende eine Antwort für dich geben wird. Außerdem werde ich - von wo auch immer - deine Briefe lesen und ein Auge auf euch haben."

Ich schüttelte den Kopf und schluchzte auf.

"Ich schaffe es nicht, Hélène, ich schaffe das einfach nicht!"

Und damit meinte ich natürlich nicht die dreiunddreißig Briefe, sondern alles. Mein ganzes Leben ohne sie. Ohne Hélène.

Sie hatte mich sanft angesehen, und das Mitleid, das aus ihrem Blick sprach, brach mir das Herz. "Mein armer Liebling", sagte sie, und ich spürte, wie viel Anstrengung es sie kostete, meine Hand aufmunternd zu drücken. "Du musst jetzt stark sein. Du musst dich um Arthur kümmern. Er braucht dich so sehr." Und dann sagte sie das, was sie in den Wochen seit der letzten niederschmetternden Diagnose schon mehrfach gesagt hatte und was ihr, anders als mir, offenbar die Kraft gab, dem Ende gelassen entgegenzusehen.

"Wir sterben doch alle, Julien. Das ist ganz normal und gehört zum Leben dazu. Nur bin ich eben etwas früher dran. Nicht dass mich das besonders glücklich machen würde, das kannst du mir glauben, aber so ist es nun mal." Sie hob hilflos die Schultern. "Komm, gib mir einen Kuss."

Ich strich ihr eine kupferblonde Locke aus der Stirn und drückte ihr sanft einen Kuss auf die Lippen. Sie war so zerbrechlich geworden in diesen letzten Monaten ihres viel zu kurzen Lebens, und wenn ich sie vorsichtig umarmte, hatte ich immer Angst, etwas kaputtzumachen, dabei war schon alles zerstört. Nur ihr Mut nicht, der war viel stärker als der meine.

"Versprich es mir", sagte sie wieder, und ich sah ein kleines Funkeln in ihren Augen. "Ich wette, wenn du den letzten Brief geschrieben hast, wird dein Leben eine

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