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Die Magie der kleinen Dinge Roman von Burton, Jessie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2015
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Die Magie der kleinen Dinge

Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen

Die junge Nella wird mit dem Amsterdamer Handelsmann Johannes Brandt verheiratet. Als sie sein herrschaftliches Haus an der Herengracht zum ersten Mal betritt, schlägt ihr kalte Abneigung von Seiten ihrer neuen Familie entgegen. Nur das Hochzeitsgeschenk spendet ihr Trost: ein Puppenhaus, das eine exakte Nachbildung ihres neuen Zuhauses ist. Doch bald werden Nella mysteriöse kleine Nachbildungen ihrer neuen Familienmitglieder geschickt - und Hinweise auf das, was diese verbergen. Nella beginnt zu ahnen, dass sich hinter der perfekten Fassade der Brandts tiefe Abgründe verbergen - und Geheimnisse, die sie alle in ihren Sog ziehen werden ...

Jessie Burton, geboren 1982, studierte an der Oxford University sowie an der Central School of Speech and Drama. Sie arbeitet unter anderem als Schauspielerin und lebt in London. Mit ihrem Debütroman 'Die Magie der kleinen Dinge' begeisterte sie Verlage in aller Welt - die Rechte wurden in 32 Länder verkauft. In ihrer Heimat England eroberte sie sofort die Bestsellerliste und wurde von der Presse hochgelobt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 16.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641157838
    Verlag: Limes
    Originaltitel: The Miniaturist
    Größe: 1651 kBytes
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Die Magie der kleinen Dinge

Verkehrte Welt

Nella Oortman steht auf der Vortreppe des Hauses, hebt den delphinförmigen Türklopfer an, lässt ihn fallen und zuckt unter dem lauten Geräusch verlegen zusammen. Nichts rührt sich, obwohl sie doch erwartet wird. Der Zeitpunkt wurde vereinbart, Briefe wurden gewechselt. Das Briefpapier ihrer Mutter war so dünn, verglichen mit dem teuren Pergament der Brandts. Nein, das ist keine schöne Begrüßung, wenn man bedenkt, dass die Trauung erst letzten Monat stattfand, denkt sie. Keine Girlanden, kein Hochzeitstrunk, keine Hochzeitsnacht. Nella stellt ihren kleinen Koffer und den Vogelkäfig auf die Treppe. Sie weiß schon jetzt, dass sie die Szene für die Daheimgebliebenen wird ausschmücken müssen, wenn sie endlich oben in einem Zimmer ist und an einem Schreibtisch sitzt.

Als sich am anderen Ufer das Gelächter von Kahnführern erhebt, dreht Nella sich um. Ein magerer Junge hat eine Frau angerempelt, die einen Korb voller Fische an der Hüfte trägt. Nun rutscht ein halbtoter Hering den weiten Rock der Fischhändlerin hinab. Ihre raue bäuerliche Stimme fährt Nella bis ins Mark, als sie zu schimpfen anfängt. " Idiot! Idiot! ", kreischt die Frau. Der Junge ist blind. Seine flinken Finger tasten ohne Scheu die Erde ab. Rasch hebt er den entflohenen Hering vom Boden auf wie einen silbrigen Glücksbringer und rennt, hämisch lachend und den freien Arm suchend ausgestreckt, mit seiner Beute den Kanal entlang.

Nella beglückwünscht ihn insgeheim und dreht sich zu der für den Oktober ungewöhnlich warm scheinenden Sonne hin, um sie so lang wie möglich zu genießen. Dieser Teil der Herengracht wird auch der Goldene Bogen genannt. Die Häuser, die über dem schlammfarbenen Kanal aufragen, sind wahre Wunderwerke. Beeindruckend und prachtvoll, bestaunen sie das Spiegelbild ihrer eigenen Schönheit im Wasser. Juwelen, die das Zentrum der Stadt schmücken. Über ihren Dächern tut die Natur ihr Bestes, um mitzuhalten. Safrangelbe und aprikosenfarbene Wolken wetteifern mit den bunten Fassaden.

Nella wendet sich wieder der Tür zu, die nun einen Spalt offen steht. War das vorhin auch schon so? Sie ist nicht sicher. Sie schiebt die Tür auf und späht in die Dunkelheit, während kühle Luft vom Marmor aufsteigt. "Johannes Brandt?", ruft sie - laut und ein wenig ängstlich. Soll das ein Scherz sein?, fragt sie sich. Dann stehe ich ja im Januar noch hier. Peebo, ihr Wellensittich, reibt die Spitzen seines Gefieders an den Käfigstäben. Sein leises Zwitschern wird vom Marmor verschluckt. Selbst der inzwischen stille Kanal hinter ihnen scheint den Atem anzuhalten.

Eines weiß Nella genau, als sie weiter in die Dunkelheit starrt. Sie wird beobachtet. Los, Nella Elisabeth, sagt sie sich und tritt über die Schwelle. Wird ihr Mann sie nun umarmen und küssen oder ihr wie einem Geschäftspartner die Hand schütteln? Während der Trauung, bei der nur ihre kleine Familie und kein einziges Mitglied von seiner anwesend war, hat er nichts von alldem getan.

Um zu zeigen, dass auch Mädchen vom Land gute Manieren haben, bückt sie sich und zieht die Schuhe aus - zierlich, aus Leder und natürlich ihre besten. Allerdings ist sie nicht sicher, warum sie sie überhaupt angezogen hat. Würde , meinte ihre Mutter, aber Würde ist so unbequem. Sie knallt die Schuhe auf den Boden, in der Hoffnung, dass das Geräusch Aufmerksamkeit erregen oder vielleicht jemanden verscheuchen wird. Eine blühende Phantasie hat das Mädchen , pflegt ihre Mutter zu sagen, Nella-guck-in-die-Luft . Jetzt liegen die Schuhe reglos da und haben den Schwung verloren. Nella kommt sich einfach nur albern vor.

Draußen rufen zwei Frauen einander etwas zu. Nella dreht sich um, kann aber durch die offene Tür nur die eine Frau von hinten sehen. Sie trägt keine Haube, hat goldenes Haar und ist hochgewachsen. Sie schreitet in die untergehende Sonne hinein. Nellas Frisur hat sich auf der Reise von Assende

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