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Die Malerin von Delft von Guggenheim, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Die Malerin von Delft

Delft, 1654: Eine Explosion im Munitionslager zerstört fast die Hälfte der Künstlerstadt - der 'Donnerschlag von Delft' geht in die Geschichte ein. Zehn Jahre danach bekommt die Malerin Sarah Meulemeester den Auftrag, ein Bild der Katastrophe zu malen. Als das fertige Gemälde plötzlich verschwindet, nimmt Sarah die Suche selbst in die Hand. Unterstützt wird sie dabei von dem feinsinnigen Apotheker Anthonis, einem heimlichen Verehrer, der sie aus einer gefährlichen Lage rettet. Nunmehr begreift Sarah, dass der 'Donnerschlag' gar kein Unfall war... Atmosphärisch dicht und mit Liebe zum Detail lässt Alexandra Guggenheim das Delft des 17. Jahrhunderts neu erstehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 27.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955301217
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1976 kBytes
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Die Malerin von Delft

DAS HAUS AM OUDE LANGENDIJK Im Kamin verglühten die letzten Torfziegel vom Tag, ein paar Holzscheite knisterten und versprühten winzig kleine Funken. Johannes Vermeer hatte sein Tageskleid gegen einen dunkelgrünen seidenen Hausmantel ausgewechselt. Er saß an dem mächtigen ovalen Tisch in der Stube, an dem sich die neunköpfige Familie drei Mal am Tag zu den Mahlzeiten einzufinden pflegte. Ein fünfarmiger silberner Leuchter erhellte die Seiten eines ledergebundenes Heftes mit seinem warmen Licht. In dem Buch wurden seit Jahrzehnten die Belange der Lukas-Gilde bewahrt, der größten Zunft in Delft. Zu ihr gehörten neben den Malern auch Bildhauer, Buchbinder, Töpfer, Kunsthändler, Steinmetzen, Glasbläser und Fayencenhersteller. Ihren Namen hatte die Gilde nach ihrem Schutzpatron gewählt, dem Heiligen Lukas. Satzung und Sitzungsprotokolle, ebenso die Mitgliederliste sowie die jährlichen Ein- und Ausnahmen waren hier zur Dokumentation für die Zeitgenossen und zur Erinnerung für künftige Generationen festgehalten. Mit seiner schnörkellosen, leicht nach rechts geneigten Schrift, füllte Vermeer die verschiedenen Spalten, rechnete erneut nach, schrieb einige weitere Zeilen und legte schließlich erschöpft den Federkiel aus der Hand. Catharina Vermeer betrat die Stube. In ihrem hellblauen Kleid und den am Hinterkopf aufgesteckten Haaren erinnerte sie an die jungen Frauen auf den Bildern ihres Ehemannes, die gedankenverloren ihren häuslichen Tätigkeiten nachgingen. Doch Catharina wirkte bei weitem lebhafter, war zudem zartgliedriger und schmaler. In der Hand balancierte sie ein Tablett mit zwei Gläsern und einer Weinkaraffe. Sie stellte alles auf einer dunklen Eichentruhe ab, über der ein Gemälde hing, in dem fein abgestimmte Braun- und Grüntöne miteinander harmonierten. Es zeigte eine Ansicht des Oude Langendijks, der Straße, die sich direkt vor ihrem Haus, unterhalb des Ateliers befand. Schöpfer dieses Bildes war Carel Fabritius, der Lehrer ihres Mannes, den sie zwar persönlich nie kennen gelernt hatte, dessen Schicksal ihr aber durch Erzählungen bestens vertraut war. Fabritius, der talentierteste Maler der Stadt, hatte am Morgen des Donderslags in seinem Atelier, das in der Doelenstraat, in unmittelbarer Nachbarschaft des Pulverturms lag, an einem Porträt gearbeitet. Der Küster der Oude Kerk saß ihm Modell. Plötzlich war der Dachstuhl durch Funkenflug in Brand geraten, die Decke stürzte ein und begrub die beiden Männer unter sich. Man konnte sie erst nach Stunden bergen. Der Küster musste auf der Stelle tot gewesen sein. Fabritius selbst wurde schwer verletzt in das überfüllte Hospital gebracht, wo er noch am selben Abend starb. Seine Frau und die beiden Kinder hatten sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Küche im Untergeschoss befunden und waren durch herab fallende Holzbalken zu Tode gekommen. Bei dem Geräusch ihrer Schritte hob Johannes Vermeer den Kopf und blickte zur Tür. "Catharina, Liebes", sagte er und winkte sie zu sich heran. In seine Augen trat ein seidiger Glanz. Ihre ungekünstelte Schönheit hatte ihn gleich bei ihrer ersten Begegnung verzaubert. Hatte ihn zum glühenden Bewunderer einer jungen Frau gemacht, die mehr Verehrer hatte als ein Mensch Finger zweier Hände. Männer mit klangvollen Namen hatten um Catharina Bolnes' Gunst gebuhlt, namhafte Bankiers, reiche Erben, geistvolle Akademiker. Er hatte sich oftmals gefragt, warum diese lebenslustige Frau mit den veilchenfarbenen Augen und dem honiggelben Haar ausgerechnet ihn zum Mann genommen hatte. Einen zum Zeitpunkt der Hochzeit unbedeutenden Maler und Kunsthändler, der Theater, Feiern und die Gesellschaft scheute. Der lange und tief in die Stille seines Ateliers eintauchen konnte und an Tagen intensiver Arbeit nur schwer in das Alltagsleben zurückfand. Er lächelte ihr zu und auch ein wenig über sich selbst, weil sein Herz bei ihrem Anblick auch nach elf Jahren Ehe immer noch schneller schlug. Catharin

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