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Die Marketenderin von Köln Historischer Roman von Schücking, Levin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.04.2016
  • Verlag: Null Papier Verlag
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Die Marketenderin von Köln

Überarbeitete und kommentierte Fassung Ein historischer Roman aus dem alten Köln und dem gebirgigen Westfalen. Es treten auf: eine Marktfrau, ein fauler Student, ein schießwütiger Baron und lauter andere komische vom Autor wunderbar ausgemalte, wunderliche Figuren. 'Glänzende Poesie in Gedanken und Stil nebst (einem liebenswürdigen, oft ironisch durchsetzten) Humor' [Annette von Droste-Hülshoff] 1. Auflage (Überarbeitete und kommentierte Fassung) Umfang: 449 Buchseiten bzw. 361 Normseiten Null Papier Verlag Levin Schücking (1814-1883) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er hat ein vielseitiges und umfangreiches Werk hinterlassen, das fast alle literarische Gattungen einschließt. Landschaftlicher Hintergrund vieler seiner Erzählwerke sind Westfalen und das Rheinland, was ihm die Bezeichnung eines 'westfälischen Walter Scott' eintrug.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 449
    Erscheinungsdatum: 26.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954187621
    Verlag: Null Papier Verlag
    Größe: 2308 kBytes
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Die Marketenderin von Köln

Erstes Kapitel- Ein Professor und ein Student der Universität Köln

I n einer der schmalen und düsteren, aber dazumal nicht wie heute von Leben und Bewegung erfüllten, sondern sehr stillen, grasbewachsenen und schmutzigen Straßen der alten freien Reichsstadt, der heiligen dreigekrönten Colonia - an einer Ecke, welche durch eine noch viel schmälere, hier einmündende Gasse gebildet wurde, lag am Ende des 18. Jahrhunderts eins jener schönen malerischen alten Häuser, die heute das Entzücken eines kulturhistorisch gebildeten Menschen von künstlerischem Geschmack und die Verzweiflung dessen bilden, der verurteilt ist, in solch einem engen, schiefwinkeligen, dunkeln, zugigen, ungemütlichen Kasten zu wohnen. Wir verschweigen die Nummer des Hauses, lassen dem Leser die Wahl zwischen Hochstraße, Minoriten-, Buden- oder Rechtschulstraße und deuten als weitere Kennzeichen nur an, dass besagtes Haus, wie zu praktischem Gebrauche eingerichtete Häuser pflegen, unten eine Tür hatte und daneben zwei Fenster. Dasjenige, welches der Tür zunächst lag, zeigte hinter Scheiben von bescheidener Größe eine Ausstellung von sinnig geordneten Produkten ferner Länder und Völkerschaften, als da sind: einige Glasschalen voll grünlich-grauer Früchte des berühmten arabischen Kaffeestrauches; gelbe Kistchen, worauf für jedermann, der nur einigermaßen in der chinesischen Sprache und Schriftkunde bewandert war, mit großen Buchstaben deutlich zu lesen stand, dass darin der allerechteste Kaisertee enthalten; daneben Körbe mit jenen für jugendliche Phantasien gefährlichen getrockneten Früchten, die unter dem Namen Korinthen, Rosinen von Málaga und Feigen von Smyrna in den Handel kommen, und ferner eine kleine Pyramide der goldensten Äpfel von Siena. Neben diesen lachenden Produkten des Pflanzenreichs ferner Zonen zeigten sich die weit weniger idealen Gestaltungen, womit das Tierreich in solch einem Laden vertreten zu sein pflegt, so namentlich der unpoetische Hering, der hässliche Laberdan und der holländische Käse. Auch erblickte man symmetrisch in den Ecken aufgestellte Bündel jener dünnen irdenen Pfeifen, aus welchen der sanfte und vorsichtige Mynheer zu rauchen, ohne sie zu zerbrechen, das Geheimnis besitzt, und dazu Tabakpakete mit dem berühmten dreifach bekreuzten Wappen der Stadt Amsterdam; welche drei Kreuze ohne Zweifel von irgendeinem deutschen Kaiser oder Potentaten, der sich zu irgendeiner Zeit in irgendeinen Handel mit Holländern einließ, schließlich hinter ihnen her gemacht worden und alsdann zum ewigen Andenken in das Wappen der Hauptstadt gesetzt sind.

Alle diese Gegenstände deuten hinreichend an, dass sich in unserm Hause ein Spezereigeschäft befand, und das Geklingel der Tür, welches sich oft genug, besonders im Laufe der Vormittagsstunden, darin hören ließ, bekundete, dass der Laden ein ziemlich besuchter war - wie das denn auch nicht wohl anders sein konnte bei der guten Lage zwischen Gassen und Gässchen inmitten der Stadt, und obendrein ganz zu ebener Erde, durchaus gleich mit dem Straßenpflaster und ohne jede Treppe - ein wesentlicher Vorteil, lieber Leser, bei allen Spezereigeschäften, Bierstuben und ähnlichen Läden, wie du vielleicht, wenn du nicht selbst in etwas "machst", noch nicht gewusst hast ... ein vielgeplagtes Küchenmädchen, das den Tag über genug in und außer dem Hause umherzurennen hat, liebt es nicht, ausgetretene glatte Treppenstufen zu erklimmen, um des Herings habhaft zu werden, nach welchem die Gebieterin spät nach der Abendsuppe noch ein Gelüsten bekommt, und noch weniger liebt es der intelligente nach einem Lot Kaffee ausgesandte Knabe, der bereits durch derartige minder wichtige Missionen in der Haushaltung nützlich gemacht wird.

Es war um diejenige Zeit des Jahres, wann die Tage nach der Versicherung des Kalendermanns kürzer zu werden beginnen als die Nächte, an einem feuchten, nebelerfüllten Abende, als ein hoch und kräftig gebauter junger Mann, in

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