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Die Maske von Nakamura, Fuminori (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2018
  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Die Maske

Die mächtige japanische Kuki-Familie folgt einer menschenverachtenden Tradition: Der jeweils jüngste Sohn wird dazu erzogen, das Böse über die Menschheit zu bringen. Und so erhält Fumihiro eine Ausbildung, deren Ziel Zerstörung und Unglück ist, so viel ein einzelner Mensch nur vermag. Doch er hat andere Pläne: Fumihiro liebt das Waisenmädchen Kaori und will sie beschützen - und damit wird sein eigener Vater zu seinem schlimmsten Feind. Fuminori Nakamura, geboren 1977 in Tokai, studierte Öffentliche Verwaltung und Staatsverwaltung an der Universität Fukushima. 2002 erschien sein Debüt Ju Der Revolver

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 28.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257608724
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Aku to Kamen no Ruru
    Größe: 882 kBytes
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Die Maske

Teil 1 Vergangenheit

1

" W as ich dir zu sagen habe, wird für dein Leben von großer Bedeutung sein."

Ich war elf, als mein Vater mich in sein Arbeitszimmer rief. Er trug einen schwarzen Anzug und sank schwer in das weiche Ledersofa - er war ein alter Mann, und das Stehen machte ihn müde. Durch einen Spalt im Vorhang schien die untergehende Sonne. Im orangefarbenen Gegenlicht war Vaters Gesicht nur als Silhouette zu erkennen. Ich umklammerte ein ferngesteuertes rotes Auto, an dessen Rädern noch Dreck klebte, und fühlte mich klein und verloren in dem großen, kalten Raum. Es roch nach Alkohol, als Vater weitersprach.

"Es geht um deine Erziehung. Was nicht bedeutet, dass ich mir große Hoffnungen mache. Ich will ein Geschwür in diese Welt setzen. Unter meiner Obhut wirst du zu diesem Geschwür heranwachsen. Ein Stachel des Bösen, sozusagen."

Ich konnte seine Gesichtszüge nicht sehen, aber es war unwahrscheinlich, dass er grinste oder sonst eine Miene verzog. Wie immer muss sein Blick starr und ausdruckslos gewesen sein.

"Meine anderen Kinder sind bereits erwachsen und geachtete Mitglieder der Gesellschaft. Und zwar deshalb, weil sie ungebeten in diese Welt kamen und ihren eigenen Weg gehen konnten. Dich aber habe ich mit einer bestimmten Absicht gezeugt. Als ich schon über sechzig war. Das hat in meiner, nein unserer Familie eine gewisse Tradition."

Das Gegenlicht blendete mich noch immer.

"Mit 'Geschwür' meine ich etwas, das die Welt ins Unglück stürzt. Jeder soll sich wünschen, niemals in diese Welt hineingeboren worden zu sein, oder zumindest denken, dass es hier nichts Gutes mehr gibt."

Es klopf te an die Tür. Auf Vaters Wink hin trat eine junge Hausangestellte ein. Ihre Augen waren groß und klar, der Nasenrücken schlank, die Lippen schmal. Vermutlich war sie genau sein Typ. Auf unserem Anwesen waren mindestens sieben von ihnen beschäftigt. Sie flüsterte ihm etwas zu, und er nickte. Sie solle sie hereinbringen, grummelte er. Die Hausangestellte ging leise aus dem Zimmer.

"Das jüngste Beispiel findet sich in der Taish -Zeit, vor fast achtzig Jahren. Als unser Vorfahre die sechzig überschritten hatte, nahm er diesen Brauch wieder auf - den Brauch, der Welt ein Geschwür zu hinterlassen. Er schien zu spüren, dass sein Leben sich dem Ende näherte, die Welt aber nicht mit ihm enden würde. Das konnte er nicht akzeptieren. Schließlich hatte er immer alles bekommen, was er wollte, und war arrogant, so wie ich es auch bin. Wenn er denn sterben musste, sollte auch alles andere zugrunde gehen. Am 18 . Juni 1915 brachte eine junge Frau sein Kind zur Welt. Ein Kind, das eine negative Kraft sein und überall Unglück säen sollte. Es sollte Menschen das Leben zur Hölle machen, so dass sie am Ende glaubten, das Leben hätte keinen Sinn. Und die Saat fiel auf fruchtbaren Boden. Auf dem Sterbebett, heißt es, hätte sich der alte Mann nicht mehr vor dem Tod gefürchtet. Er sei zuversichtlich gewesen, dass die vom Geschwür befallenen unglücklichen Menschen ihrerseits Unglück verbreiten und sich immer mehr Geschwüre bilden würden, wie endlos überquellender Schaum. So würde die Welt langsam, aber sicher für ihr eigenes Ende sorgen. Er war stolz darauf, eine Kreatur gezeugt zu haben, die auch nach seinem Tod, an seiner statt, das Leuchten der Welt in rabenschwarze Dunkelheit verwandeln würde. Noch bevor er starb, erfuhr der Alte vom Ausbruch des Pazif ikkriegs. Sein Geschwür hatte damit nichts zu tun, beging aber als hochrangiger Offizier alle denkbaren Greueltaten - derart teuflisch, dass Gott die Augen verschloss."

Die Tür öffnete sich, und ein Mädchen betrat den Raum, das ich noch nie gesehen hatte. Ich spürte einen kalten Luftzug. Sie kam auf dünnen Beinen näher, und die schräg einfallenden Lichtstrahlen ergossen sich über ihr

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