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Die Methode Cortés oder die Kunst, Ängste zu überwinden - Band 1 von Giehl, Klaus M. G. (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Die Methode Cortés

Nach zwei Jahren Rosenkrieg ist der in den USA tätige Biologieprofessor Jakob Zucker mit den Nerven am Ende. In seiner Verzweiflung (und frei nach dem historischen Vorbild des Hernan Cortés', der seine Schiffe verbrannte, um sich für die Eroberung des Aztekenreichs zu motivieren, sprich, seine Ängste zu überwinden) wirft Jakob seine Forschungskarriere hin und kehrt nach Mainz in seine alte Heimat zurück. Er will einfach nur noch seine Ruhe und wieder Umgang mit den Kindern haben. In der Republik läuft es indes gar nicht gut für ihn: Die Trennung quält ihn, Probleme mit dem Sorgerecht schütteln ihn, die Kosten der Scheidung übermannen ihn, die des Unterhalts 'erwürgen' ihn, und mit dem Nachlass seiner Mutter kündigen sich Schwierigkeiten an. Von diesem Schlamassel in die Enge getrieben, beschließt er, mit seinem Segelboot zu fliehen und über die Weltmeere zu reisen. Eine wechselvolle Fahrt in ein neues Leben beginnt. Klaus Giehl, geboren in Nürnberg, studierte Jura und Medizin. Er war lange Zeit in der neurobiologischen Forschung an der University of Ottawa (Postdoc), der Universität des Saarlandes (Gruppenleiter) und dem University of Texas Southwestern Medical Center at Dallas (Assistant Professor) tätig. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Regulation neuronalen Überlebens durch Wachstumsfaktoren (v.a. Neurotrophine, GDNF) und Lipoproteinrezeptoren. Heute lebt er auf seinem Segelboot und schreibt Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 715
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748561279
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 623 kBytes
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Die Methode Cortés

I. DIE METHODE CORTÉS

1 "Meinmond"

Nein. Zwei Monde schienen nicht in meiner Welt. Hatte ich mich doch glatt von der Laterne da täuschen lassen. Da drüben schien kein Vollmond, da schien eine Laterne! Und sonst schien in dieser Nacht nur die wie ein Schiff am Horizont treibende Mondsichel.

Noch war die Sonne nicht aufgegangen, aber langsam, sacht, unaufhaltsam kündigte sie sich an, schob ihr Grau, ihr Violett, und endlich ihr Rot in den Horizont, und damit die Erinnerung an Cortés in mein Bewusstsein.

Wieso kam ich gerade jetzt auf Cortés? Weil er seine Schiffe verbrannte, sie verglühten, wie dieses Mondschiff in der Morgendämmerung verglühen würde? Weil die Entscheidung der Nacht, meinen letzten Traum jetzt wahr werden zu lassen, mich an den Tag erinnerte, der Cortés in mein Leben spülte?

Egal. Cortés war wichtig geworden für mein Leben und für die Brücke zum Neuen. Auf diese Brücke geschubst hatte mich Gonzalo, die spanische Glatze, mein alter Freund und beruflicher Ziehvater. Das musste Mitte achtundneunzig gewesen sein, als er sie mir erzählt hatte, diese Geschichte über Cortés. Den Schiffeverbrenner. Den Angstverbrenner. Den Traumverbrenner.

2 Cortés

Hernán Cortés war ausgezogen, Moctezumas Reich zu zerschlagen. Mit zwölf Schiffen. Eines für jeden Gott, dem die Azteken Menschen opferten. Aufgebrochen von Kuba, waren die Konquistadoren in einen Sturm geraten und an den Gestaden Yukatans eher gestrandet als gelandet. Doch wie durch ein Wunder hatte man sich wiedergefunden. Und schließlich, nach mühevoller Fahrt entlang der Küste, ging die Flotte an der Grenze des Aztekenreichs vor Anker. Dort, an einem öden Strand, saßen die Eroberer seit Wochen fest.

Cortés hatte sich eine Menge vorgenommen, aber es ging einfach nicht voran. Täglich empfing er Moctezumas Gesandte, ließ sich von ihnen preisen und beschenken, und verabschiedete sie höflich. Inzwischen hatte man sich fast gewöhnt an das Gepränge. Und je vertrauter es wurde, desto deutlicher wurde die Vorstellung von den Reichtümern der Azteken: Dort, in der Wildnis jenseits der Uferdünen, warte genau, wofür man gekommen sei. Gold. Unglaubliche Mengen Gold! - Doch Cortés wunderte sich:

Warum schickte Moctezuma all die Geschenke? Wollte er ihn verhöhnen? Oder waren die Gaben Köder, "diese fahlgesichtigen Neuankömmlinge" in ein Inferno zu locken, das die buntbefederten Krieger als "Willkommensgruß" im Landesinneren bereitet hatten?

Auch bei Cortés' Männern wucherten die tollsten Theorien. Und die Sorgen der Konquistadoren schienen sich miteinander zu verbünden: Man hatte Angst. Aber am Strand, in Reichweite der Kanonen, da sei es sicher. Also blieb man erst mal. Grund zur Eile bestehe schließlich nicht.

Cortés allerdings begann zu begreifen. Und ihm als vermutlich einzigem dieses verlassenen Haufens Spanier wurde klar, was diese Angst bedeutete:

Mit ihr ginge es nirgendwohin! Weder vorwärts noch zurück! Doch was sollten sie tun? Heimsegeln und dem König berichten, in der Ankerbucht sei nichts weiter zu finden gewesen und obendrein seien sie dieser unterwürfigen Unterhändler überdrüssig geworden? Oder sollten sie schauen, woher diese kamen, und sich in den Schlund eines Monsters wagen, das vielleicht noch grauenvoller war als das der eignen Phantasie?

Cortés sah ein, dass der Impetus zur Eroberung El Dorados in dem Moment, in dem man den ersten Fuß auf diesen Strand gesetzt hatte, verpufft war wie die Luft einer zerstampften Schweinsblase. Cortés ärgerte sich, indessen weniger über seine Männer, als über sich selbst: Über diese verdammte Angst, die ihm im Gedärm rumorte, und in de

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