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Die Nadel Roman von Follett, Ken (eBook)

  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Nadel

April 1944. Die Invasion steht unmittelbar bevor. Um den Deutschen eine Landung bei Calais zu suggerieren, haben die Briten mit Gummipanzern, Pappflugzeugen und potemkinschen Kasernen das größte Täuschungsmanöver aller Zeiten in Südostengland inszeniert. Diese Geisterarmee ist so geschickt in das Funk- und Meldesystem der alliierten Streitkräfte eingewoben, dass selbst Canaris' Abwehrapparat sie für echt hält. Denn was Canaris nicht weiß: Seine Spione in England sitzen hinter Gittern und funken nur Spielmaterial - bis auf einen: Henry Faber, genannt 'die Nadel'.

Lange vor dem Krieg nach England eingeschleust, hat er es verstanden, unentdeckt zu bleiben. Und ihm gelingt das Unmögliche: Er kommt den Engländern auf die Schliche und enttarnt das Unternehmen 'Fortitude'. Aber das Schwierigste steht ihm noch bevor: Er muss sein Beweismaterial in die Hände des deutschen Generalstabs bringen. Sein Fluchtweg quer durch Großbritannien wird zur blutigen Spur ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700601
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Storm Island
    Größe: 4034 kBytes
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Die Nadel

ERSTER TEIL - KAPITEL 1

E s war der kälteste Winter seit fünfundvierzig Jahren. Die Dörfer waren eingeschneit, und die Themse war zugefroren. An einem Tag im Januar verspätete sich der Zug von Glasgow nach London sogar um 24 Stunden. Der Schnee und die Verdunklung ließen das Autofahren immer gefährlicher werden: Die Zahl der Unfälle verdoppelte sich, und die Menschen erzählten sich Witze darüber, daß es gefährlicher sei, mit einem Austin Seven nachts durch Picadilly zu fahren, als mit einem Panzer durch den Westwall zu stoßen.

Als der Frühling endlich kam, war es herrlich. Sperrballons trieben majestätisch am hellen, blauen Himmel, und Soldaten auf Heimaturlaub flirteten mit Mädchen in ärmellosen Kleidern auf den Straßen von London.

London wirkte kaum wie die Hauptstadt eines Landes, das sich im Krieg befand. Natürlich gab es Anzeichen dafür. Henry Faber, der mit dem Rad von Waterloo Station nach Highgate fuhr, bemerkte sie: Haufen von Sandsäcken vor wichtigen öffentlichen Gebäuden, Anderson-Schutzräume in den Gärten der Vorstädte, Propagandaplakate über Evakuierung und Luftschutz. Faber fielen diese Dinge auf - er war weit aufmerksamer als ein durchschnittlicher Eisenbahnangestellter. Er sah Scharen von Kindern in den Parks und schloß daraus, daß die Landverschickung ein Fehlschlag gewesen war. Ihm entging nicht die Zahl der Autos, die trotz der Benzinrationierung auf der Straße fuhren, und er las, welche neuen Modelle die Autofirmen ankündigten. Faber wußte, was es bedeutete, daß Arbeiter zur Nachtschicht in die Fabriken strömten, in denen wenige Monate zuvor die Tagschicht kaum genug zu tun gehabt hatte. Vor allem beobachtete er die Truppenverschiebungen per Eisenbahn: Alle Papiere gingen über sein Büro. Daraus ließ sich eine Menge erfahren. Heute hatte er zum Beispiel einen Stoß Formulare abgestempelt, die ihn vermuten ließen, daß eine neue Expeditionsstreitmacht zusammengezogen wurde. Er war sich recht sicher, daß sie aus rund hunderttausend Mann bestehen und für Finnland bestimmt sein würde.

Es gab Anzeichen, ja, aber das Ganze hatte etwas Komisches an sich. Im Radio machte man sich über den Bürokratismus der Kriegsverordnungen lustig, in den Luftschutzbunkern wurde gemeinsam gesungen, und modebewußte Frauen trugen ihre Gasmasken in eigens von Modeschöpfern entworfenen Behältern. Man unterhielt sich über den Sitzkrieg. Er überstieg, wie ein Kinofilm, die eigene Erlebniswelt, war aber zugleich trivial. Und bislang hatte sich noch jeder Fliegeralarm als blinder Alarm erwiesen.

Faber sah die ganze Sache anders - aber er war auch ein ganz anderer Mensch.

Er bog mit seinem Rad in die Archway Road und beugte sich ein wenig vor, um die Steigung besser zu bewältigen; seine langen Beine pumpten so unermüdlich wie die Kolben einer Lokomotive. Für sein Alter war er sehr fit. Er war neununddreißig, was er allerdings verschwieg; er log fast in allem, um sich nicht unnötig zu gefährden.

Faber begann zu schwitzen, während er den Hügel nach Highgate hochstrampelte. Das Haus, in dem er wohnte, war eines der am höchsten gelegenen Londons, deshalb hatte er es sich ausgesucht. Es war ein viktorianischer Ziegelbau am Ende einer Terrasse von sechs gleichartigen Bauten. Die Häuser waren hoch, schmal und finster - wie der Geist der Männer, für die sie gebaut worden waren. Jedes besaß drei Stockwerke und ein Untergeschoß mit einem Dienstboteneingang. Für das gehobene Bürgertum des 19. Jahrhunderts war ein Dienstboteneingang unverzichtbarer Bestandteil, selbst wenn man keine Diener hatte. Faber war zynisch, w

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