text.skipToContent text.skipToNavigation

Die Nonnensusel, Ein Bauernroman aus dem Pfälzischen Wasgau von Becker, August (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
1,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Nonnensusel, Ein Bauernroman aus dem Pfälzischen Wasgau

August Becker ( 27. April 1828 in Klingenmünster, 23. März 1891 in Eisenach) war ein deutscher Schriftsteller. Mit seinem ursprünglich als Reiseführer geplanten Buch Die Pfalz und die Pfälzer (1857) gilt er als einer der Begründer der pfälzischen Volkskunde. "Die Nonnensusel" von August Becker beschreibt das historische Landleben, die politischen Verhältnisse sowie das Gesellschaftsleben der damaligen Zeit. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 373
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956769740
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 532kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Nonnensusel, Ein Bauernroman aus dem Pfälzischen Wasgau

Das stille Dorf

Einleitung

Weniger bekannt als das goldene Weinland an der Haardt ist dessen südliche Fortsetzung gegen das Elsaß hin, die Landschaft an der Grenze von Landau bis Weißenburg. In den Chroniken des späten Mittelalters wird sie als "Niederer Wasgau" bezeichnet: Den Pfälzern gilt sie als das Oberland, die "Alte Welt", wo sich noch viel ursprüngliches Volkstum bewahrt hat. Aus der Rheinebene zwischen Queich und Lauter zum Wasgenwald hinansteigend, schloß die Landschaft das frühere Gebiet der am Fuß der Vogesen vom fränkisch-austrasischen König Dagobert gestifteten Abteien Klingenmünster und Weißenburg ein.

Es ist eine schöne Landschaft, reich gesegnet vom Rheinstrom bis zum Saum des Gebirges, dessen vorderer Kamm die tiefen Forsten der Weißenburger Mundat und des Abtswaldes von Klingenmünster trägt.

Von Kastanienbäumen umrauscht, von Reben umsponnen, rückt der alte Vogesus etwas weiter in die Rheinebene vor. Hohe angebaute Hügelwellen bilden von klaren Bächen bewässerte Gründe, die ihren Talcharakter bis in die Nähe des Stromes bewahren. Hier ist jedes Dorf in der grünen Bergwiege eine kleine idyllische Welt für sich; die üppigen Weinlauben, die mächtigen Kronen der Walnußbäume und Edelkastanien geben ihr einen fast südlichen Charakter.

Am anmutigsten entfaltet sich die Mitte dieser Landschaft, das Klingbachtal, durch das von der Hauptbahn aus ein Postomnibus bis in meinen Geburtsort führt. Wer aber eine besondere Fußwanderung antreten will, steige in Bergzabern aus dem Zuge der hier endenden Zweigbahn, und wandere hügelauf, hügelab nordwärts nach dem von den Ruinen Landeck, Madenburg und Neukastel überragten Flecken Klingenmünster. Es ist nur eine Stunde Weges durch Weinberge, kastanienumschattete Hohlwege, Fruchtfelder und Wiesengründe.

Viel tausendmal bin ich diese Straße hin und her gewandert; in jungen Jahren täglich zweimal mit dem Schulränzel auf dem Rücken, um in der Heimat des kräuterkundigen Tabernaemontanus, wo schon die Römer ihre Bergschenken hatten, in das Idiom Cäsars und Xenophons eingeweiht zu werden. Von jeder Höhe, über welche die Straße führt, hatte ich den Anblick des blauen Schwarzwaldes, der, aus dem dunklen Grenzforst der Rheinebene aufsteigend, den Horizont als hohe Gebirgsmauer abschließt. Die Goldammern auf den Schlehdornzweigen, die schnurrende Wachtel am Wiesengraben, der schmetternde Buchfink auf dem Mandelbaum, der oft schon unter Schneeflocken seine Blütenpracht in den kahlen Reben entfaltete, waren mir vertraute Erscheinungen. Kaum bückte ich mich mehr nach den Walnüssen im Straßenstaub, oder im falben Herbstlaub der Hohlwege nach den geplatzten Stachelhülsen der Edelkastanien, die man hier "Kästen" heißt.

Im übrigen waren mir alle Obstbäume am Wege alte Bekannte; insbesondere ein schöner Apfelbaum, der mir schon beim Durchschreiten der langen Dorfgasse von Pleisweiler von ferne gastlich entgegenwinkte. Dieser Apfelbaum, der mich so oft durch seinen Schatten und seine Frucht erquickt hat, stand bei der steinernen Ruhebank zwischen den einander benachbarten Dörfern Pleisweiler und Oberhofen, die politisch und kirchlich eine Gemeinde bilden, in der Nähe eines zertrümmerten Kruzifixes auf einer dornumrankten, moosgrauen Weinbergsmauer, aus deren Spalten mich jedesmal eine goldgrüne Eidechse geheimnisvoll anäugte, wenn ich den gefallenen Sommerapfel von der Straße aufhob. Zuleide konnte ich dem zutraulichen Tierchen nichts tun: denn der Kindermund wußte davon zu erzählen, daß Eidechsen dem Menschen gegen böse Schlangen warnend und helfend beistehen. Scheu zog sich das Geschöpf mit den Märchenaugen nur dann völlig zurück, wenn ich der Gastlichkeit des Apfelbaumes durch einen gutgezielten Steinwurf zu Hilfe kam; darin hatte ich viel Übung, aus bloßer Hand und mit der Schleuder, die ich stets mit mir führte.

Es war ein heißer Nachmittag im Spätsommer. Kein Lüftchen regte sich. Schon aus

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen