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Die Parfümerie der Liebe Roman von Pradas, Núria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Die Parfümerie der Liebe

Eine große Liebe, eine Bestimmung und ein Duft, der alles verändert ... Als Pablo nach dem Tod seiner Eltern ins französische Grasse zieht, ahnt er noch nicht, wie sehr dies sein Leben verändern wird. Fasziniert beobachtet er, wie in der Stadt der Düfte Parfüms aus unzähligen Rosen- und Lavendelblüten entstehen, mit denen sich Frauen auf der ganzen Welt schmücken. Er beginnt eine Lehre als Parfümeur und verliebt sich in Claudine, deren Vater die größte Parfümfabrik im Dorf besitzt. Doch Claudines Eltern halten die Liebschaft für unstandesgemäß und schicken ihre Tochter nach Paris. Mit gebrochenem Herzen stürzt Pablo sich in die Arbeit, doch Claudine kann er einfach nicht vergessen ... Núria Pradas stammt aus Barcelona. Sie arbeitete zunächst als Lehrerin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. "Die Kleidermacherin" ist eine Hommage an ihre Stadt, deren jüngere Geschichte sie zu neuem Leben erweckt. Der Roman entstand in engem Austausch mit dem luxuriösen Modehaus Santa Eulalia in Barcelona, das 1843 gegründet wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641243258
    Verlag: Penguin Verlag
    Originaltitel: El aroma del tiempo
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Die Parfümerie der Liebe

Der Tod des Vaters

Barcelona, Februar 1916

1

Auf den Gesichtern der vier Sargträger lag der müde Ausdruck dessen, der das Gewicht des Todes auf den Schultern spürt. Vorneweg ging mit hängendem Kopf der kleine Pablo und drehte seine Mütze in den Händen wie ein Spielzeug, das letzte Spielzeug seiner Kindheit. An seiner Seite schritt Enric, ein etwas größerer und kräftigerer Junge im selben Alter, und hinter ihnen kam dann Quimeta, Enrics ganz in Schwarz gehüllte Mutter, dicht gefolgt von Pater Bernat. Sie wurden von ein paar Nachbarn begleitet, groß war die Gruppe aber nicht. Wie schwarze Schatten schleppten sie sich in Hortas Morastlandschaft traurig mit schweren Füßen und Herzen voran.

Nach der Totenmesse würde der kleine Trauerzug von der Sant-Joan-Kirche aus noch ein ziemliches Stück bis zum Friedhof zurücklegen müssen, der weitab des Viertels lag.

Dort würde man Ramiro Soto zur letzten Ruhe betten, neben seiner Ehefrau Marie, die noch nicht lange im Jenseits auf ihn wartete. Beide hatten diese Welt viel zu früh verlassen.

Nach der Beerdigung würden dann alle den Waisenjungen dorthin zurückbegleiten, von wo sie aufgebrochen waren: zur Carrer d'Aiguafreda, der Straße der Wäscherinnen.

Der Tag war düster und schwül.

Als Ramiros Sarg aus dem Haus getragen wurde, hatten dunkle Wolken die Sonne mit einem finsteren Schleier verdeckt, so als wollte auch der Morgen Trauerkleidung anlegen.

Es war ein trauriger Tag.

Die Straßen waren leer, und an den Geschäften waren zum Zeichen der Trauer die Rollläden heruntergelassen.

Als das Grüppchen die Baixada del Mercat entlangging, schaute Pablito, der bis dahin zu Boden gestarrt hatte, einen Moment auf. Wie sonderbar ihm die Stille erschien, die ihm in den Ohren dröhnte und ihn der üblichen Alltagsgeräusche beraubte! Vor den Geschäften und Werkstätten standen ein paar Frauen und Männer, die sich von seinem Vater auf dessen letzter Reise verabschieden wollten.

Pablo sah aus dem Augenwinkel Mundeta aus der Bäckerei und Senyora Ramona aus der Kurzwarenhandlung das Kreuzzeichen machen. Und bevor er den Blick wieder senkte, erkannte er noch Manel aus dem Gemüseladen und den Apotheker Oliveres, die mit hängendem Kopf in der Tür ihrer Geschäfte standen und zur Respektsbekundung die Mütze abgenommen hatten.

Sein Freund Enric legte ihm tröstend den Arm um die Schultern und lächelte ihm aufmunternd zu. Pablito zog die Nase hoch.

Was ihn hier umgab, war bisher der Schauplatz seiner Kindheit gewesen. Ein Ort zum Spielen, am dem sich die Leute vor die Tür setzten, um frische Luft zu schnappen, bis sie dann irgendwann hastig Stühle und Kinder zurück ins Haus bringen mussten, weil die Wäscherinnen ihre Bottiche ausleerten und schmutzige Seifenlauge die Straße entlanglief. Das Waschwasser brachte das Gelächter der Kleinsten und heimliches Herumspritzen mit sich, auf das dann leider irgendwann Schelte und Ohrfeigen folgten.

Der Junge dachte so bei sich, dass dies alles nun vorbei sein würde, davongetragen vom Regen, der jetzt im Viertel gegen die Fensterscheiben prasselte. In diesen Pfützen würde nur die Melancholie planschen.

Wie große schwarze Vögel breiteten nun die Regenschirme ihre Flügel aus.

Obwohl der Pfarrer dem kleinen Pablo den seinen anbot, wollte sich der Junge aber nicht darunter flüchten. Der Regen kam ihm gerade recht, er schien ihn von außen reinzuwaschen, während ihn die Trauer innerlich noch ganz schwindelig werden ließ, ihm im Bauch und in den Augen stach.

Ein Schluchzen brannte in seiner Kehle, und Pablito öffnete den Mund, damit die Regentropfen es hinwegwuschen. Er schluckte Regentropfen und Schluchzen einfach runter.

Und dabei verwandelten sie sich in Wut, in nagenden schwarzen Zorn, der ihn zu ersticken drohte. So etwas hatte Pablito noch nie erlebt, schließlich war er erst elf Jahre alt und damit eigentlich noc

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