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Die Pfeiler der Macht Roman von Follett, Ken (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2010
  • Verlag: Bastei Lübbe E-Books
eBook (ePUB)
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Die Pfeiler der Macht

Das Haus Pilaster, eine der angesehensten Bankiersfamilien Londons, wird insgeheim von der schönen Augusta beherrscht. Hinter einer Fassade der Wohlanständigkeit treibt sie rücksichtslos ihre ehrgeizigen Pläne voran, die schon bald das Fundament des Finanzimperiums erschüttern und die Pfeiler der Macht ins Wanken bringen.

Wird es Hugh Pilaster gelingen, den drohenden Ruin des Bankhauses abzuwenden und damit sein eigenes Lebensglück und das vieler anderer Menschen zu retten?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 621
    Erscheinungsdatum: 13.07.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838703381
    Verlag: Bastei Lübbe E-Books
    Originaltitel: A Dangerous Fortune
    Größe: 3707kBytes
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Die Pfeiler der Macht

Prolog

Mai 1866

An jenem Tag, an dem die Tragödie ihren Lauf nahm, standen alle Schüler der Windfield School unter Hausarrest und durften ihre Zimmer nicht verlassen.

Es war ein heißer Samstag im Mai. Normalerweise hätten sie den Nachmittag auf dem Rasen im Süden des Internats verbracht, wo die einen Cricket gespielt und die anderen ihnen vom schattigen Saum des Bischofswäldchens aus zugesehen hätten. Aber es war ein Verbrechen geschehen. Vom Schreibtisch Mr. Offertons, des Lateinlehrers, waren sechs Goldmünzen gestohlen worden, und alle Schüler standen unter Verdacht. Bis zur Entlarvung des Diebes mußten die Jungen in ihren Zimmern bleiben.

Micky Miranda saß an einem Tisch, in den schon Generationen gelangweilter Schulbuben ihre Initialen geritzt hatten, und blätterte in einer Regierungsbroschüre mit dem Titel Ausrüstung der Infanterie . Gewöhnlich faszinierten ihn die Abbildungen von Schwertern, Musketen und Gewehren, doch heute war es so heiß, daß er sich nicht konzentrieren konnte. Ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Tisches, sah sein Zimmergenosse Edward Pilaster von seinem Lateinheft auf. Er war gerade dabei, Mickys Tacitus-Übersetzung abzuschreiben. Mit einem tintenbeklecksten Finger deutete er auf die Vorlage und sagte: "Das Wort da kann ich nicht lesen."

Micky sah sich das Wort an. " Decapitated , enthauptet", sagte er. "Im Englischen das gleiche Wort wie im Lateinischen: decapitare ." Latein fiel ihm leicht, was daran liegen mochte, daß viele Wörter im Spanischen ganz ähnlich klangen. Spanisch war Mickys Muttersprache.

Edwards Feder kratzte wieder übers Papier. Von Unruhe getrieben, stand Micky auf und trat ans offene Fenster. Kein Windhauch war zu spüren. Sehnsüchtig sah er über den Stallhof zu den Bäumen hinüber. Am Nordrand des Bischofswäldchens lag ein verlassener Steinbruch mit einem schattigen Teich. Das Wasser dort war kalt und tief ...

"Komm, geh'n wir schwimmen", sagte er unvermittelt.

"Geht nicht", gab Edward zurück.

"Geht doch, wenn wir durch die Synagoge rausgehen." Die "Synagoge" war das Zimmer nebenan, das sich drei jüdische Schüler teilten. In Windfield wurde Religion undogmatisch unterrichtet, man tolerierte jeden Glauben, weshalb das Internat für jüdische Eltern ebenso akzeptabel war wie für Mickys katholischen Vater und Edwards Eltern, die sich zum Methodismus bekannten. Allerdings hatten jüdische Schüler - tolerante Schulpolitik hin oder her - immer unter einem gewissen Maß an Hänseleien zu leiden. "Wir steigen in der Synagoge durchs Fenster, springen aufs Waschhausdach, klettern auf der Giebelseite vom Stall runter und schleichen uns in den Wald."

Edwards Blick verriet, daß er Angst hatte. "Wenn du erwischt wirst, setzt's den Rohrstock!"

Der "Rohrstock" war ein harter Eschenknüppel, den Dr. Poleson, der Direktor, schwang. Zwölf schmerzhafte Hiebe waren die Strafe für Entweichen aus dem Arrest. Micky hatte die Prügelstrafe schon hinter sich - wegen verbotenen Glücksspiels -, und ihn schauderte allein bei dem Gedanken daran. Aber die Gefahr, heute erwischt zu werden, war nicht groß - wohingegen die Vorstellung, die Kleider abzustreifen und nackt ins Wasser zu springen, äußerst verführerisch war. Micky glaubte schon fast, das kühle Naß auf seiner verschwitzten Haut zu spüren.

Er betrachtete seinen Zimmergenossen. Der war nicht besonders beliebt hier: zu faul, um ein guter Schüler, zu plump, um sportlich zu sein, und viel zu eigensüchtig, um sich Freunde zu machen. Edwards einziger Freund war er, Micky, und Edward mochte es überhaupt nicht, wenn Micky mit anderen Jungen loszog. "Ich frag' mal Pilkington, ob er mitmacht", sagte Micky und ging zur Tür.

"Nein, laß das", widersprach Edward nervös.

"Warum denn nicht?" fragte Micky. "Du bist einfach viel zu feige."

"Ich bin nicht zu feige", behauptete Edward nicht sonder

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