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Die Prinzen von Queens Roman von Burgess, Matt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Prinzen von Queens

Eine große Willkommensparty mit Hundekampf soll die Wogen zwischen Alfredo und seinem Bruder José glätten. Denn der kommt aus dem Knast und hat allen Grund, sauer auf Alfredo zu sein. Nur hat Alfredo leider noch keinen Hund und außerdem einen russischen Mobster im Nacken, der auf Rache sinnt. Alfredo Batista hat ein kleines Problem. Na ja, eigentlich einen Haufen großer Probleme. Denn sein Bruder José wird aus dem Gefängnis entlassen. Ein Grund zur Freude, meint man, aber das täuscht. Denn da war dieser Überfall, den Alfredo und José gemeinsam durchziehen wollten. Nur daß Alfredo plötzlich hyperventilierte und im letzten Moment ausstieg - kurz bevor sein Bruder festgenommen wurde. Statt jetzt also mit José im Knast zu sitzen, läuft Alfredo frei herum, und jeder denkt, er hätte seinen eigenen Bruder ans Messer geliefert. Da hilft es auch wenig, daß Josés Ex Alfredos Kind unterm Herzen trägt. Und deswegen ist es keine gute Nachricht, daß José nach Hause kommt ... Matt Burgess wuchs in Jackson Heights, Queens, auf und studierte am Dartmouth College und an der University of Minnesota. Er lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 381
    Erscheinungsdatum: 12.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518752401
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Dogfight, A Love Story
    Größe: 1657 kBytes
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Die Prinzen von Queens

Teil 1

1
Kleine runde Pillen

Mitten in Alfredo Batistas Hirn steht ein großer grauer Aktenschrank, der häufig geöffnet wird. Die Schubladen sind tief, die Hängemappen prall gefüllt mit einem Leben voller bedauerlicher Augenblicke. Irgendwo ganz hinten steckt eine Liste der Frauen, die er nie um ihre Telefonnummer gebeten hat. Dann die der aufgelaufenen Schulden. In der untersten Schublade, in separaten Mappen, die Dinge, die er nie gelernt hat: Auto fahren, einen Knuckleball werfen, nur mit der Zunge einen Knoten in einen Kirschstiel machen. Was noch? In der obersten Schublade findet sich ein Akte, die den Abend dokumentiert, an dem er das Spiel der Mets in der Annahme, der Run-Rückstand sei unaufholbar, frühzeitig verlassen hatte. Dort hängt auch die Warum-habe-ich-kein-Kondom-benutzt-Mappe. Und die überraschend dünne Verbrechen-an-meinem-Bruder-Mappe. Alfredo ist erst neunzehn, und bereits jetzt quillt der Schrank über vor Akten, von denen keine Staub ansetzt, denn in jede wird routinemäßig Einsicht genommen. Als Anlass genügt ein beiläufiges Wort, ein Gesicht im Vorbeigehen, und schon kommt eine Erinnerung hoch, geht eine Schrankschublade auf. Ein Bibliothekar für interkranielle Forschungen (Alfredo stellt ihn sich bebrillt, mit ausgefransten Hosenaufschlägen und Schuppen auf den Schultern vor) watschelt zu der offenen Schublade, zieht die richtige Akte heraus und leitet sie an die personell gut ausgestattete und effizient geführte Abteilung für Bedauern weiter. Dort betrachtet Alfredo die Mappe eingehend, er kann nicht anders. Er rekonstruiert die mit der Begebenheit verbundenen Sinneseindrücke. Mit krankhafter Akribie geht er durch, was gesagt und, natürlich, was nicht gesagt wurde. Verkettet die Ereignisse erneut.

Eine neue Akte muss angelegt werden. Sie wird mit dem heutigen Datum versehen, 14. Juni 2002, darüber kommt in klotzigen Großbuchstaben ein Name: SHIFRIN, VLADIMIR.

"Wer ist Vladimir Shifrin?", sagt Alfredo.

Winston, ein dunkelhäutiger Haitianer mit langen, feingliedrigen Fingern, zieht den Schirm seiner Spiderman-Kappe tief ins Gesicht, schaut über die Schulter, senkt die Stimme zu einem konspirativen Wispern. "Soweit ich weiß", sagt er, "ist Vladimir ein Drogendealer."

"Deshalb rufst du mich an?", sagt Alfredo. "Weckst mich? Schleppst mich hierher?"

Sie sitzen eng nebeneinander auf einer Holzbank im Travers Park, Jackson Heights. In Queens gibt es noch andere Parks wie den Astoria Park oder Flushing Meadows, in denen man unter einem Baum dösen oder die Nase in trompetenförmige Blumen stecken kann. Diese Parks bezeichnen die Reiseführer möglicherweise als idyllisch. Man kann dort sogar Gras aus der Erde rupfen. Aber hier in Jackson Heights sind Parks wie der Travers Asphaltparks, geteerte Spielplätze. Hier gibt es keine Blumen oder Schmetterlinge, was allerdings niemanden abschreckt.

Es ist gerade zwei Uhr nachmittags - ein schöner, für die Jahreszeit ungewöhnlich kühler Freitag im Spätfrühling - und der Travers ist rappelvoll. Alle sind da. Mit Kind und Kegel. Es wird Fußball gespielt, Hand-Ball, Versteinern, Skilo und Skully. Man muss sich nur umschauen. Männer ohne Hemd spielen Basketball ohne Netz. Ein Vater macht Fotos von seiner kleinen Tochter, eine Chinesin tanzt zu den wasserartigen Rhythmen des Tai Chi, Teenager luchsen dem Nachbarschaftstrottel Zigaretten ab, Bienen, besoffen vor Vergnügen, schwärmen am Boden der Abfalleimer. Die Schaukeln quietschen. Ein alter Jude, Max Marshmallow, ein Freund von Alfredo, setzt einen anderen alten Juden schachmatt, aus dessen Körper alle Luft entweicht wie aus einer geplatzten Tüte Chi

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