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Die Reise der Amy Snow Roman von Rees, Tracy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Reise der Amy Snow

Als Baby wurde Amy Snow ausgesetzt. Mittellos und von allen gehasst wird sie auf dem noblen Hatville Court aufgezogen. Die schöne Tochter des Hauses, Aurelia Vennaway, ist Amys einzige Freundin und der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Als Aurelia jung stirbt, bricht Amys Welt zusammen. Aber Aurelia macht ihr ein letztes Geschenk: ein Bündel Briefe, das Amy auf Schatzsuche schickt. Einen Code, den nur Amy entschlüsseln kann. Am Ende erwartet Amy ein Geheimnis, das ihr Leben verändern wird. Amy Snow begibt sich auf eine Reise quer durch England.

Tracy Rees studierte in Cambridge und hat acht Jahre in einem Sachbuchverlag gearbeitet. Ihr Debütroman 'Die Reise der Amy Snow' wurde aus über tausend Einsendungen in einem Schreibwettbewerb als Gewinner ausgewählt. Sie lebt in South Wales, England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712637
    Verlag: Ullstein
    Originaltitel: Amy Snow
    Größe: 3501 kBytes
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Die Reise der Amy Snow

FÜNFUNDZWANZIG

Endlich ist etwas einmal ganz einfach. Ich brauche keine erschöpfenden Anstalten zu treffen, um die Adresse der Familie herauszufinden, die ich besuchen muss, und ich brauche auch nicht in meinen Erinnerungen zu kramen und längst vergessene Augenblicke zu sichten, als würde ich nach Rüsselkäfern im Mehl suchen. Über diese Familie weiß ich mehr als über all die anderen, denen Aurelia auf ihrer Reise begegnet ist. Es sind die Wisters aus Twickenham, um genau zu sein aus der Mulberry Lodge, Orleans Lane, Twickenham Meadows, Middlesex. Ich fand die Adresse exotisch, als ich sie oben auf Aurelias Briefen geschrieben sah.

Offenbar gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um nach Twickenham zu kommen: mit dem Omnibus, der Postkutsche oder mit dem Boot. Oder man fährt mit dem Zug nach Richmond und geht dann zu Fuß. Dies alles erfahre ich von der sehr informativen Mrs Woodrow, die nur zu gern über die Vor- und Nachteile jeder Reisemöglichkeit referiert.

Und so sitze ich nach einem flotten Spaziergang durch Straßen, die der Regen rein gewaschen hat, vor St. Paul's in der Kutsche und spähe durch das Fenster auf die riesige Kathedrale. Die gewaltige Fassade aus Portland-Stein ist geschwärzt und es steigt Dunst von ihr auf. Dampfend und brütend sitzt sie da, als sich die Frische des zeitigen Morgens verabschiedet.

Die Kutsche erinnert mich an eins der Pferde von Lord Vennaway: Sie ist genauso geleckt und gepflegt und mit glänzendem Messing und Leder herausgeputzt. Sie hat auch denselben Namen, Meteor, wie eines der Pferde von Lord Vennaway. Wenn auch dessen Meteor nicht kastanienbraun und schwarz war und keine roten Reifen hatte, so erinnert mich dennoch das eine an das andere, nämlich an Stolz, das Versprechen von Geschwindigkeit und die Ungeduld, sich auf den Weg zu machen.

Ohne zu zögern zahlte ich für einen Innenplatz. Der Gedanke, mich aufs Dach zu schwingen und schaukelnd und den Elementen ausgesetzt den Weg über Land zurückzulegen, bedürfte eines Abenteuergeistes, der bis jetzt noch in mir schlummert. Jedenfalls brauche ich nicht länger vorzugeben, nur über eine kleine Geldsumme zu verfügen, denn hier wird mich keiner kennen.

Nichtsdestotrotz sehe ich mich um, bevor ich einem hochgewachsenen Gentleman mit sehr blonden Haaren und sehr blauen Augen gestatte, mir beim Einsteigen zu helfen. Ich rechne zwar nicht damit, dass mir ein räuberischer Vennaway auflauert - aber der irrationale starke Instinkt, zu überprüfen, ob Gefahr droht, ist noch immer tief in mir verwurzelt.

Wir sitzen zu sechst eingezwängt in der Kutsche, darunter eine Gouvernante mit zwei jungen Schutzbefohlenen, beides Mädchen, eins mehrere Jahre älter als das andere. Ich stelle unweigerlich Vergleiche an und spüre ihn erneut, den Verlust von Aurelia. Dann gibt es den extrem rundlichen rotgesichtigen Herrn. Sein Bauch wölbt sich derart kugelig und lebendig, dass er fast droht, ganz von ihm Besitz zu ergreifen. Mir fällt dazu nur ein, dass ihm langsames Gehen sicherlich besser bekäme als das Holpern und Ruckeln einer Kutschfahrt. Dies jedoch über längere Strecken und jeden Tag.

Der letzte Passagier ist der Gentleman mit den goldblonden Haaren, der mir beim Einsteigen half, ein so fein gekleideter Mensch, wie mir auf Hatville keiner begegnet ist. Er trägt eine glänzende himmelblaue Krawatte, passend zu seinen Augen. Und er weckt in mir das Gefühl, das ich auch auf Hatville hatte: nämlich schäbig und schutzlos zu sein. Doch er ist äußerst zuvorkommend zu allen und bietet mir und der Gouvernante seine Hilfe in einem Übermaß an, wie die Sonne ihre Strahlen verteilt.

»Erlauben Sie mir, Ihnen meine Dienste anzubieten, sollten Sie Hilfe irgendwelcher Art benötigen«, sagt er zu mir, als wir Platz genommen haben. Er sitzt mir gegenüber und ich weiß nicht, wohin mit mir, so nah ist er. »Ich verstehe die delikate Lage einer allein reisenden Dame, doc

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