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Die Saiten des Lebens von Prior, Hazel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2019
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Die Saiten des Lebens

Ellie, Hausfrau, leidenschaftliche Spaziergängerin und Hobby-Poetin, stößt bei einem ihrer Streifzüge durch das Exmoor auf eine Scheune voller Harfen. Dort lebt und arbeitet Dan. Harfen zu bauen ist seine große Leidenschaft. Er liebt es, sich ganz dem Bau dieser Instrumente zu widmen und mit sich und der Welt alleine zu sein. Denn Menschen sind ihm oft ein Rätsel. Doch Ellie mag er auf Anhieb, weshalb er ihr spontan eine Harfe schenkt. Kurze Zeit später steht sie wieder vor seiner Tür. Sie könne das Geschenk nicht annehmen. Doch geschenkt ist geschenkt, die Harfe wird immer Ellie und nie jemand anderem gehören, sagt Dan. Er schlägt ihr einen Kompromiss vor: Sie kann die Harfe bei ihm unterstellen, wenn sie lernt, darauf zu spielen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 17.12.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959678896
    Verlag: HarperCollins
    Originaltitel: Ellie and the Harpmaker
    Größe: 1424 kBytes
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Die Saiten des Lebens

2.

Ellie

"Er hat dir eine geschenkt ?"

"Ja."

"Einfach so?"

"Ja, eigentlich schon."

Clive ließ seine Autozeitschrift sinken und richtete seine volle Aufmerksamkeit auf mich. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, zwischen ihnen bildeten sich zwei tiefe senkrechte Falten.

"Du nimmst mich doch auf den Arm."

"Nein", sagte ich und fügte bekräftigend hinzu: "Tue ich nicht."

"Er hat sie dir also angeboten, und du hast sie einfach genommen?"

"Ja, es war ... es war schwer, das Geschenk abzulehnen."

Das würde kompliziert werden. Ich konnte es mir selbst kaum erklären, geschweige denn jemand anderem. Deshalb war ich, bevor ich mich schließlich nach Hause traute, die letzte halbe Stunde durch Exmoor gekurvt und hatte immer wieder angehalten, um hinten ins Auto zu gucken und mich zu überzeugen, dass dort tatsächlich eine Harfe lag.

Unsere liebe, aber neugierige Nachbarin Pauline war draußen im Garten, deshalb verschwand ich sofort im Haus. Ich platzte in die Küche, drückte einen knappen Kuss auf den zurückweichenden Haaransatz meines Mannes, nahm den Wasserkessel, füllte ihn bis zum Rand, bespritzte mich dabei mit Wasser und stellte den Kessel beiseite. Dann gab ich einen Wirrwarr von Sätzen von mir, die albern und nichtssagend klangen. Ich lief rot an, merkte es und wurde noch roter. Dann lehnte ich mich debil grinsend an den Kühlschrank.

Clive schlug seine Zeitschrift zu und zog am Halsausschnitt seines Sweatshirts. "Entschuldigung, El, aber da frage ich mich als Erstes: Seit wann bitte kennst du diesen Mann?"

In Gedanken kehrte ich zu der seltsamen Begegnung zurück: das große offene Scheunentor, das mich angelockt hatte, der warme Duft des Holzes, das Licht, das auf die zahllosen Harfen fiel, die einsame Gestalt in ihrer Mitte. Der Mann hatte ein Werkzeug in der Hand gehabt, doch meine Erinnerung spielte mir bereits Streiche, ich konnte nicht mehr sagen, was es gewesen war. Zuerst hatte ich gedacht, da stände ein Alien. Der untere Teil seines Gesichts wurde von einer blauen Maske verdeckt, dazu trug er Ohrenschützer, wahrscheinlich zum Schutz vor Staub und Lärm. Doch kaum hatte er beides abgenommen, war ich erstaunt, wie gut der Mann aussah. Er war groß gewachsen und sehnig, mit zerzaustem dunklen Haar. Seine Haut war wettergegerbt, hatte aber gleichzeitig einen seltsam durchscheinenden Schimmer. Seine klassischen Gesichtszüge waren wie gemeißelt, als sei jede einzelne Partie mit viel Überlegung entstanden. Doch wirklich neugierig machten mich seine großen dunklen Augen. Solche hatte ich noch nie gesehen.

"Ich habe ihn heute Vormittag kennengelernt."

Clive war genauso perplex wie ich vor einer Stunde. Er beugte sich vor, sein Ausdruck schwankte zwischen Ungläubigkeit und Belustigung. "Das will mir nicht in den Kopf."

Ich lachte wie von Sinnen. Erklärungen trieben mir durch den Kopf, doch ich konnte keine in Worte fassen.

Clive richtete sich offenbar darauf ein, mich in die nächste Anstalt zu bringen.

"Schau sie dir doch mal an!", schlug ich vor. Wenn er die Harfe erst sähe, wäre er bestimmt ebenso begeistert wie ich.

Ich führte ihn nach draußen in die helle Kühle des Septembers. Nachbarin Pauline, stellte ich dankbar fest, war verschwunden. Der Wagen war nicht abgeschlossen. Ich öffnete die Heckklappe. Clive fielen fast die Augen aus dem Kopf.

"Ha!", rief ich halb ironisch, halb erleichtert. "Ich hab's mir also doch nicht eingebildet!"

Gut, dass wir einen Kombi haben, dessen Rückbank man umlegen kann. Ich trat zurück, damit mein Mann das Instrument gründlich in Augenschein nehmen konnte.

Die Harfe war aus goldrotem Holz (Kirsche, hatte Dan mir erklärt, passend zu meinen Strümpfen), das wunderschön glänzte. Der gewölbte Teil, den man an die Schulter lehnt, hatte eine wirbelartige Maserung. Ein angedeutetes keltisches Muster war in den geschwungenen Hals gea

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