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Die Salbenmacherin Historischer Roman von Stolzenburg, Silvia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Die Salbenmacherin

Als die sechzehnjährige Olivera aus Konstantinopel ihren Vater mit einer List dazu bringt, sie mit einem seiner Handelspartner zu verheiraten, ahnt sie nicht, welche lebensverändernden Folgen dies haben wird. Schon bald nimmt sie Abschied von der Heimat und bricht mit ihrem Gemahl auf zu einer langen Reise ins ferne Tübingen. Dort angekommen stößt sie nicht nur auf das Misstrauen der Einheimischen, auch ihr Liebster scheint sich mehr und mehr zu verändern. Es dauert nicht lange, bis Olivera herausfindet, dass er ein furchtbares Geheimnis hütet. Ihre Entdeckung bringt nicht nur sie in höchste Lebensgefahr ...

Dr. phil. Silvia Stolzenburg studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Tübingen. Im Jahr 2006 promovierte sie dort über zeitgenössische Bestseller. Kurz darauf machte sie sich an die Arbeit an ihrem ersten historischen Roman. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als freiberufliche Englischdozentin und Übersetzerin. Sie lebt mit ihrem Mann auf der Schwäbischen Alb, fährt leidenschaftlich Rennrad, gräbt in Museen und Archiven oder kraxelt auf steilen Burgfelsen herum - immer in der Hoffnung, etwas Spannendes zu entdecken.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 505
    Erscheinungsdatum: 05.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839247259
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 7378 kBytes
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Die Salbenmacherin

Kapitel 1

Konstantinopel, Juli 1408

"Das kann doch nicht sein Ernst sein, Yiayia !" Die sechzehnjährige Olivera spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen schoss. "Wie lange soll ich denn noch warten?"

Nur mit Mühe hielt sie sich davon ab, wie ein Kind mit dem Fuß aufzustampfen. Ungeduld und Empörung brodelten so heftig in ihr, dass sie meinte, fühlen zu können, wie ihre Gallensäfte überschäumten. Wütend starrte sie auf den Stößel in ihrer Hand hinab, den sie am liebsten mitsamt dem Mörser auf den Boden gepfeffert hätte. Warum konnte ihr Vater ihrem Wunsch nicht endlich nachgeben? Was hatte sie nur getan, um diese Ungerechtigkeit zu verdienen? Sie ließ den Stößel los und verschränkte die Arme vor der Brust.

"War ich nicht immer eine gehorsame Tochter?", fragte sie und wischte ungehalten die Tränen der Enttäuschung aus den Augen. Diese füllten sich jedoch umgehend wieder, was ihren Verdruss noch mehr steigerte.

"Hab noch ein Jahr Geduld, Kind", erwiderte die alte Frau, mit der sie seit Tagesanbruch in der Offizin - der Salbenküche - hantierte. "Er will nur das Beste für dich."

"Das Beste?", brauste Olivera auf. "Wenn er noch lange wartet, wird mich keiner mehr ansehen!" Ihre Stimme klang schrill in dem hohen Raum.

"Beruhige dich", ermahnte ihre Großmutter sie und stellte den Tiegel ab, in dem sie Populeon - eine Salbe aus Pappelknospen, Mohn und Rosenöl - gemischt hatte. "Du weißt doch, dass steter Tropfen den Stein höhlt." Ihr faltiges Gesicht verzog sich zu einem listigen Lächeln. "Und dein Vater ist kein besonders harter Stein." Sie säuberte sich die Hände an einem Tuch und trat auf ihre Enkelin zu. "Merke dir eines, mein Kind", sagte sie. "Wenn du einen Mann dazu bringen willst, etwas zu tun", sie hob den Zeigefinger, "dann umschmeichle ihn und gib ihm das Gefühl, dass es sein Einfall war." Der Zeigefinger wackelte hin und her. "Auf keinen Fall darfst du ihn so bedrängen, dass er denkt, er würde einem Weib nachgeben."

Olivera presste die Lippen aufeinander und stieß ärgerlich die Luft durch die Nase aus. Obwohl die Worte ihrer Großmutter sie eigentlich beruhigen sollten, schienen sie das Gegenteil zu bewirken.

"Alexia ist erst vierzehn und sie wird in einem Monat die Frau des Goldschmiedes", brummte sie.

Einige Augenblicke lang sah ihre Großmutter sie mit einem Lachen in den Augen an. Dann tätschelte sie Olivera die Wange und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Arbeit zu.

"Es nützt nichts, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht ändern kann", sagte sie und griff nach einem Glaskolben. "Die Arbeit wird dich auf andere Gedanken bringen." Mit diesen Worten zog sie eine Leiter heran und deutete auf eines der bis an die Decke reichenden Regale. "Deine Beine sind jünger als meine. Ich brauche Bärenklau und Wolfsmilch."

Obgleich Olivera bittere Widerworte auf der Zunge brannten, schluckte sie diese und tat, wie geheißen. Geschickt erklomm sie die Sprossen und angelte nach den hohen Tontöpfen, in denen das Gewünschte lagerte. Nachdem sie ihrer Großmutter noch dabei geholfen hatte, ein Feuer zu entzünden, kehrte auch sie zu ihrer Arbeit zurück und wog die Zutaten für eine Salbe gegen Sonnenbrand ab. Derweil sie eine Handvoll Lilienwurzeln abkochte, Bleiweiß, Mastix und Weihrauchharz mit etwas Campher und Schweinefett vermengte, gingen ihre Gedanken auf Wanderschaft. Ihre Großmutter hatte leicht reden! Geduld schien ein Allheilmittel der Alten zu sein! Sie schürzte die Lippen, während sie ihren Vater in Gedanken verwünschte. Wieso suchte er nicht endlich einen Bräutigam für sie? Sollte sie etwa ewig unter seinem Dach leben - als Tochter, ohne eigenen Rang und Namen? Sie stocherte so heftig in der zähen Masse herum, dass diese ein schmatzendes Geräusch von sich gab. Als eine Blase zerplatzte und etwas von dem Gemisch auf ihrem Handrücken landete, verrieb

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