text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Schwester Roman von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.08.2011
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Schwester

Der Zufall führt die beiden zusammen: den Erzähler und den berühmten Pianisten Z.In einem Kurort in den transsilvanischen Bergen begegnen sie sich. Es ist Weihnachten, und eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft verbringt die Feiertage in einem kleinen Gasthof. Schockiert müssen die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass sich ein elegantes Liebespaar gemeinsam das Leben genommen hat. Tief betroffen vertraut der Pianist dem Erzähler ein Manuskript an, aus dem wir von seiner eigenen großen Liebe erfahren - einer Liebe, die ihn seine Bestimmung finden ließ, für die er aber einen hohen Preis bezahlen musste. Vor dem Hintergrund eines fernen Krieges erzählt Sándor Márais dunkel funkelnder Roman von einer unerfüllten Liebe, deren Schmerz unerhörte Folgen hat.

Sándor Márai, 1900 bis 1989, gehörte zu den gefeierten Autoren Europas, bis er 1948 mit seiner Emigration nach Italien und in die USA in Vergessenheit geriet. Mit der Wiederentdeckung des Romans "Die Glut" wurde er 1998 weltweit gelesen und als einer der bedeutendsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts erkannt. Der Niedergang des europäischen Bürgertums zählt zu seinen wichtigsten Motiven.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 22.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492953702
    Verlag: Piper
    Originaltitel: A nover
    Größe: 1687 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Schwester

1. Dies ist mein Versuch aufzuzeichnen, was ich in jener eigenartigen Weihnachtsnacht erlebt habe. Wir schrieben damals das dritte Weihnachten im Zweiten Weltkrieg. Die Zeit vergeht, und die Tage und Nächte, die auf diesen Weihnachtsabend folgten, brachten noch viel Leid und Elend über uns. Dennoch blieb mir die Erinnerung an diese Begegnung im Herzen und im Bewusstsein lebendig. Die Nachrichten, die von der Zerstörung ganzer Städte kündeten, der Zweifel und die Beklemmung, die zu dieser Zeit vielen Menschen das Herz mit Sorge um die Zukunft füllten, all das viele Unglück von übermenschlichem Ausmaß war nicht grausam und wirkungsvoll genug, um in meinem Bewusstsein die Erinnerung an diese Begegnung auszulöschen. Was ich erfuhr, offenbarte nicht das Schicksal von Völkern und Erdteilen, sondern nur das eines einzelnen Menschen. Aber die Macht des Schicksals kann einen einzelnen Menschen genauso treffen wie ein ganzes Volk. Natürlich war es der Zufall, der diese weihnachtliche Begegnung arrangierte, wie alle wesentlichen und überraschenden menschlichen Situationen. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass im Winter, wenn das Badeörtchen verlassen ist, in einer billigen Pension im Jagdhausstil ohne jeglichen zeitgenössischen Komfort, Z. mein Zimmernachbar sein würde. Der berühmte Z., der große Musiker, der noch wenige Jahre zuvor in den Konzertsälen der Weltstädte von einem internationalen Publikum gefeiert worden war. Unsere Begegnung erschütterte mich zutiefst, denn der Mann, der in dem aus rohem Kiefernholz gezimmerten Speiseraum der kleinen Pension im siebenbürgischen Hochgebirge vor mich trat, war nur noch ein Schatten des berühmten Mannes, dessen Name noch vor nicht allzu langer Zeit einer der ersten in der Welt der Musik war. Als lebendiger Beweis für die Vergänglichkeit von Ruhm und Ehre hätte mich seine Erscheinung betroffen gemacht, wenn Z.s Art und Benehmen mich nicht im Augenblick unserer Begegnung davon überzeugt hätten, dass dieser Mann sein schweres Schicksal nicht nur mit großer Geisteskraft, sondern auch mit Ruhe und Heiterkeit trug. Das Unglück hatte ihn weder verletzt noch erniedrigt oder gebrochen. Er war ruhig geblieben, und dieser Ruhe fehlte jeglicher Trotz; er spielte nicht den gekränkten Coriolan, den barbarische Kräfte aus seiner wahren Heimat, der geheimnisvollen Provinz der Musik, vertrieben hatten. Diese sonderbare Ruhe spiegelte sich in seinem Blick wie der sanfte Strahl eines inneren Lichtes. Im ersten Augenblick des Wiedersehens schlug er - mit dem Instinkt des Musikers - einen Ton an, der mich beruhigte und mir sagte, dass ich hier einem Mann gegenüberstand, der sich seines Schicksals vollkommen bewusst war und es trug, ohne aufzubegehren, und dass mich nichts dazu berechtigte, ihn zu bemitleiden. Die ruhige Würde seines Wesens, seine sanfte und ernste Menschlichkeit beruhigten und zwangen mich zugleich zu einer unwillkürlichen Zurückhaltung. Ich spürte, dass ich seine Einsamkeit und sein bescheidenes Verhalten, das jede Anteilnahme zurückwies, achten musste, dass ich nicht das Recht hatte, sein seelisches Gleichgewicht zu stören, indem ich ihn aus Höflichkeit bedauerte. Márai ist nicht konsequent bei der Benennung des Zeitpunktes, später spricht er vom vierten Weihnachten. All das spürte ich bereits im Augenblick unserer Begegnung - aber in meiner Erinnerung wurde mein Taktgefühl in den folgenden Tagen hart auf die Probe gestellt. Die Bergpension bot dazu hervorragend Gelegenheit: Morgens, mittags und abends trafen wir uns in dem einzigen Gemeinschaftsraum, dem tannenduftenden Speisezimmer, am Bauernofen, wo sich die wenigen Gäste im nicht gerade blendenden Lichtkegel der Petroleumlampe um den runden Tisch einfanden, um mit Lesen, Kartenspielen, Gesprächen und Quälen des batteriebetriebenen Radios die Zeit totzuschlagen. Denn die sonderbare Größe Zeit erwies sich hier auf dem Gipfel des Berges als gefährlicher Gegner: Seit Tagen ging ein sta

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen