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Die Schwestern von Marienfehn Roman von Steinbach, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2020
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)

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Die Schwestern von Marienfehn

Eine Frau zwischen altem Handwerk und neuem Glück. 1968 - die junge Hannah Brook steht vor den Trümmern ihrer Träume: Carl, die große Liebe ihres Lebens, heiratet ausgerechnet ihre Ziehschwester Rosie. Und obwohl Hannah im geteilten Berlin gerade ihre ersten Schritte als Journalistin gemacht hat, muss sie - als einzige Unverheiratete der Familie - in der alten Heimat im Emsland ihren erkrankten Vater pflegen. Gegen große Widerstände übernimmt sie die Leitung der Feinbrennerei Brook und arbeitet sich in Destillierkunst und Getreideanbau ein. Es gelingt ihr, das das Familienunternehmen zu retten, indem sie die traditionelle Handwerkskunst neu belebt und den Alten Korn, hochwertigen Schnaps, der in Holzfässern reift, produzieren lässt. Doch dann begegnet sie Carl wieder, den sie nie vergessen hat ... Die Geschichte eines spannenden alten Handwerks - der Schnapsbrennerei auf den alteingesessenen Familienbauernhöfen auf dem Land.

Jan Steinbach, geboren 1973, ist das Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers, der bei einer Reise an die Ostsee seine Leidenschaft für Lübeck und Travemünde entdeckte. Inspiriert von Marzipan und Weihnachtszauber entstand die Idee für diese weihnachtliche Liebesgeschichte.

Bei Rütten & Loening erschienen zuletzt "Willems letzte Reise" und "Das Café der kleinen Kostbarkeiten".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 20.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841219664
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 2296 kBytes
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Die Schwestern von Marienfehn

Kapitel 1

Heute

M it den warmen Strahlen der Septembersonne im Gesicht und dem einsamen Schrei eines Moorvogels in der Ferne betrachtete sie lange und nachdenklich den Ort, an dem sie sterben würde.

Das alte Sandsteinhaus lag umgeben von uralten Eichen am Rande des Moors. Ein protziger Kasten mit rußigen Zinnen und einer Marienstatue, die starr und abweisend von der Fassade auf das Kommen und Gehen der Menschen herabsah. In den hohen Sprossenfenstern spiegelte sich der Herbsthimmel, Mücken tanzten in der warmen Luft, und ein weiches Licht gab allem einen unwirklichen Schimmer.

Seltsam, dass es ausgerechnet hier geschehen würde, dachte sie. In diesem Haus am Moor, vor dem sie sich als Kind ein wenig gefürchtet hatte. Es war im Laufe der Zeit vieles gewesen: Krankenhaus, Soldatenlazarett, Teil der Gemeindeverwaltung, Lagergebäude und schließlich ein verbarrikadiertes Geisterhaus. Bis es von Grund auf saniert und erweitert worden war, um das katholische Seniorenheim von Marienfehn zu beherbergen. Ihr neues Zuhause, in das sie heute einziehen würde.

"Ich verstehe dich nicht, Tante Hanna", sagte Benedikt mit bitterem Unterton. "Wirklich nicht."

"Ich weiß nicht, was du meinst. Komm, hilf mir mal. Ich bin nicht gut zu Fuß heute. Mein Bein will nicht so recht."

"Du weißt genau, was ich meine." Er reichte ihr den Gehstock, auf den sie sich stützte. "Deinen Umzug. Dass du wirklich hier leben willst. Das ist kein Ort, an den du gehörst. Doch nicht du."

"Ach, Benedikt. Lass uns nicht wieder von vorn anfangen. Das bringt doch nichts."

"Ich meine nur. Das soll ja nicht heißen, dass ich dir nicht gern beim Umzug helfe. Ich finde einfach ... Das ist nicht in Ordnung, Tante Hanna. Auch wenn alle so tun, als wäre es das."

Sie schenkte ihm ein schiefes Lächeln. Zu sagen, er sei zu jung, um das zu verstehen, hatte sicherlich wenig Sinn. Er war nicht mehr der kleine Junge von einst. Inzwischen war er zu einem gut aussehenden Mann gereift, der anpacken konnte und handwerklich geschickt war. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit verging. Doch ihr Großneffe, das Nesthäkchen ihrer Familie, würde in ein paar Monaten achtundzwanzig werden.

"Ich weiß auch gar nicht, wie du so ruhig bleiben kannst", insistierte er. "Es ist falsch, dass du im Heim leben sollst. Mich macht das total wütend."

"Jetzt lass doch, Benedikt. Bitte."

Sie wollte diesen Umzug ebenso wenig wie er, doch diesen Kampf hatte sie längst verloren. Es hatte keinen Sinn, sich gegen die Niederlage zu wehren. Hanna fühlte sich alt und zerbrechlich, wenn sie nur daran dachte.

"Dein Altenteil auf dem Hof steht dir zu. Man kann dich doch nicht einfach abschieben. Das darfst du dir nicht gefallen lassen."

"Benedikt. Wir werden nicht wieder von vorn anfangen."

"Ich finde nur, du hast etwas Besseres verdient. Du solltest ..."

"Es ist meine Entscheidung", sagte sie im Tonfall ihrer lang erprobten Autorität. "Ich habe entschieden, hierherzuziehen. Keiner sonst. Hörst du? Es ist meine eigene Entscheidung."

Das brachte ihn zum Schweigen. Mürrisch nahm er einen der Umzugskartons und stapfte entschlossen auf das Gebäude zu. Sie schüttelte den Kopf. Was sollte sie denn machen? Als hätte sie eine Wahl gehabt. Er hatte recht mit dem, was er sagte. So traditionsbewusst waren die Menschen in Marienfehn noch, um zu wissen, dass es ein absolutes Unding war, wenn die ehemalige Besitzerin der Brennerei sich in einem Apartment im Seniorenheim wiederfand. Aber das half keinem weiter.

Sie stützte sich auf ihren Gehstock und blickte zum Sandsteingebäude. Alles war liebevoll restauriert worden, doch ein Hauch der Düsternis von einst umgab es noch, trotz der modernen Anbauten und der hübschen Parkanlagen.

Als ihr Großneffe zurückkehrte, um den letzten Karton zu holen, schien sein Ärger bereits verflogen. Er trat neben Hanna.

"Es ist ja gan

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