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Die Seidentöchter Roman von Caboni, Cristina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Die Seidentöchter

Eine wundervolle Geschichte über Träume aus Samt und Seide und die Kraft, das eigene Schicksal zu verändern ... Camilla hat hochfliegende Träume von einer glitzernden Karriere in der Modewelt, doch als Marianne, ihre Ziehmutter, schwer erkrankt, beschließt sie, an ihrer Seite zu bleiben. Was wie eine Sackgasse erscheint, entpuppt sich als Neuanfang voll ungeahnter Möglichkeiten, denn Camilla findet wunderschöne, von Mariannes Mutter gefertigte Kleidungsstücke, die ihr Ungeahntes offenbaren. In den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts weiß die junge Caterina um ihr Talent fürs Schneidern und dass sie die Gabe hat, das Leben ihrer Kundinnen zu verändern. Ihr größter Wunsch wäre ein eigenes Unternehmen, doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihr ... Cristina Caboni lebt mit ihrer Familie auf Sardinien, wo sie Bienen und Rosen züchtet. Ihr Debütroman Die Rosenfrauen verzauberte die Leser weltweit und stand in Deutschland wochenlang auf der Bestsellerliste. Ihr zweiter Roman Die Honigtöchter, der auf ihrer Heimatinsel spielt, und Die Oleanderschwestern waren ebenfalls große Erfolge. Der Zauber zwischen den Seiten ist nun Cristina Cabonis viertes Buch, das in der faszinierenden Welt der Bücher spielt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 18.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641241148
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: La Stanza della tessitrice
    Größe: 2330 kBytes
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Die Seidentöchter

1

Alpaka. Weich und anschmiegsam, glänzend und angenehm auf der Haut zu tragen. Ein Stoff der Erinnerung, der die Sehnsucht nach der Kindheit weckt. Er wird aus dem Haar der Alpakas gewonnen, einer in den südamerikanischen Anden beheimateten kleinen Kamelart, und für Jacken, Pullover, Decken und Teppiche verwendet.

Das Gewebe war hauchfein, eine besonders hochwertige Shantungseide. Der Stoff erinnerte sie an das Blau des Winterhimmels, durchsichtig wie Glas, eiskalt und scheinbar endlos.

Camilla Sampietro strich sanft darüber. Die zahlreichen Schattierungen reichten von einem sanften Türkis bis zu einem intensiven Indigo, es war ein changierendes Feuerwerk. Beim Darüberstreichen spürte man die dezenten Strukturen des kostbaren Gewebes.

Mit den Fingerspitzen fuhr sie über die leicht raue Oberfläche, dabei hielt sie den Atem an wie jedes Mal, wenn sie etwas so Edles in den Händen hielt.

"Reine Seide. Dupionseide", sagte die junge Frau, die vor ihr stand.

Eindeutig wusste sie nicht, von was sie sprach, dachte Camilla. Aber das spielte keine Rolle. Wichtig war allein die Kundin, für die das Kleid bestimmt sein sollte. Sie hatte sich als Lucy Wong vorgestellt.

Eine Weile schwiegen beide, lediglich ihre Atemgeräusche waren zu hören.

"Glauben Sie, der Stoff reicht aus, um daraus ein Kleid für mich zu machen?", fragte Lucy schließlich zögerlich, jedoch mit hoffnungsvoller Stimme.

Das Kleid, das sie ganz vorsichtig auf den Ladentisch des kleinen Schneiderateliers gelegt hatte, in dem Camilla seit einem Jahr arbeitete, hatte ihrer Urgroßmutter gehört. Mit Tränen in den Augen erzählte sie, dass ihre Familie vor etwa hundert Jahren wegen der revolutionären Umwälzungen aus China geflohen sei, mit nichts außer ein paar Habseligkeiten, darunter ein Bündel mit dem Familienschmuck und diesem Kleid. Der Schmuck war längst verkauft, das Kleid hingegen gab es noch immer.

Ab und zu hatte es ihr Vater aus der parfümierten Schachtel genommen, in der es verwahrt wurde, und es ihr für einen kurzen Moment gezeigt, um es danach sogleich wieder behutsam in Seidenpapier zu wickeln und zurückzulegen. Aber seit ihr Vater tot war, verspürte Lucy den Wunsch, das Kleid ändern zu lassen und es selbst zu tragen, um auf diese Weise die Erinnerung an ihn ständig bei sich zu haben.

Als Camilla die junge Frau mit der eng an die Brust gedrückten Schachtel in den Laden hatte kommen sehen, war ihr auf der Stelle klar gewesen, dass es sich nicht um eine ihrer üblichen Kundinnen handelte, sondern dass es mit ihrem Anliegen eine besondere Bewandtnis hatte.

Eindeutig gehörte sie zu jener Sorte Frau, die nicht nur gut aussehen, sondern sich mit ihrer Kleidung gleichzeitig identifizieren wollten. Zum Beispiel mit einem umgearbeiteten Kleid, das einmal jemand anderem gehört hatte, einem geliebten Menschen. Eine Äußerlichkeit zwar, die allerdings eine tiefe innere Verbindung zum Ausdruck brachte.

"Das hängt vom Schnitt ab, doch ich denke schon, dass es möglich ist, daraus ein Kleid für Sie zu machen."

Der Stoff duftete dezent nach Sandelholz. Camilla hatte es gleich beim Auspacken bemerkt und war fasziniert gewesen, denn der Geruch erinnerte sie an den Garten aus ihren Kindertagen.

Sie lächelte die junge Frau an. "Das Kleid ist in einem hervorragenden Zustand, keinerlei Beschädigungen bis auf den Kragen."

Mit dem Zeigefinger fuhr sie fast andächtig über die Stickereien, die typisch waren für Kleider aus der Spätzeit der Mandschu-Dynastie: Orchideen, das Symbol der Schönheit und der Fruchtbarkeit, dazu Hunderte von Schmetterlingen, die Glück bringen sollten, sowie kupfer- und goldfarbene Fäden, die den Saum des Kragens und der Ärmel durchzogen.

Der Stoff kam Camilla vor wie ein Gemälde, ein Kunstwerk aus Farben und Formen. Sie konnte den Blick kaum von dem Kleid abwenden, so überwältigt war sie von seiner Anmut, seiner Frische und der Kraft, die

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