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Die Sommer, die wir hatten von Young, Louisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.04.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Sommer, die wir hatten

Italien, Anfang der dreißiger Jahre. Tom arbeitet als Korrespondent einer englischen Zeitung in Rom. Die Liebe zu seiner Kindheitsfreundin Nenna hat ihn erneut in das von Mussolini beherrschte Italien geführt. Die friedliche Zeit ihrer Urlaube, die gemeinsam verbrachten Sommer mit den Familien und das Umherstreifen in der lichtdurchfluteten Stadt sind lange vorbei. Das aufkommende Unheil wirft seinen Schatten voraus.
Verzweifelt versucht Tom, Nenna aus den Klauen der politischen Propaganda und ihres verblendeten Vaters zu befreien. Die Gefahr, die ihnen als Juden vom Faschismus droht, ist noch nicht offensichtlich. Ein Verrat zwingt Tom, das Land zu verlassen und nach London zurückzukehren. Aber Tom will seine Liebe nicht aufgeben. Er setzt alles daran, Nenna zu retten. Koste es, was es wolle.

Louisa Young hat jahrelang als Journalistin gearbeitet, u. a. für Marie Claire und Guardian. Sie lebt mit ihrer Tochter in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 07.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843715065
    Verlag: Ullstein
    Originaltitel: Devotion
    Größe: 2906 kBytes
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Die Sommer, die wir hatten

2. KAPITEL

Auf dem Weg nach Rom, Sommer 1928

Während sie durch Frankreich fuhren, blickte Tom aufmerksam aus dem Fenster und hielt Ausschau nach Überresten aus dem Krieg: Panzer oder Flugzeugwracks wie seins in Locke Hill. Doch er hatte kein Glück, und so sah er einfach zu, wie sich vor seinen Augen der Norden in den Süden verwandelte, Kohlfelder in Weinberge, Apfelbaumwiesen in Olivenhaine, Grün in Gold. Irgendwo in den Alpen hielt der Zug für eine Stunde, und er sprang hinaus, sog die Luft ein, ließ seine Augen auf den kristallinen Fernen ruhen. Kitty und Nadine folgten ihm; zusammen wanderten sie einen Pfad hinunter und fanden eine Wiese mit wilden Erdbeeren, schneebedeckten Bergen dahinter und einem kalten Bach für ihre Füße. Über ihnen kreiste langsam ein kleiner schwarzer Strich. Ein Adler, dachte er. Wie hoch? Höher als ein Flugzeug? Er wünschte, Riley wäre hier.

Kitty sah ihn auch und rief, dass Peter der Adler gefallen würde.

»Sei nicht dumm«, sagte Tom automatisch. »Peter gefällt gar nichts.«

Kitty kreischte, als sie ihre Zehen in den Bach hielt, deshalb zog Tom sie erneut auf. Nadine sagte: »Sei nett zu ihr, Tom«, wie sie es immer tat, und bespritzte ihn mit dem eisigen Wasser, so dass er auch kreischte. Der Pfiff des Zugschaffners hallte zu ihnen hinunter, und sie schnappten sich ihre Schuhe und liefen wieder hinauf zum Bahnsteig, atemlos und fröhlich.

Sobald sie über die Grenze ins Piemont gefahren waren, verkündete Tom: »Hier ist etwas anders«, obwohl die Ziegen und die Berge genauso aussahen wie zuvor und unter demselben blauen Himmel lagen. »Es ist anders«, beharrte er.

Die Berge verschwanden hinter ihnen. In Mailand stiegen sie um und ratterten weiter, immer weiter, klebrig, metallisch, schmuddelig, nach Südwesten: die Küstenebene, das Meer hinter Pinienparaden, bleiche Kühe mit ausladenden, seltsam geformten Hörnern. Es dauerte den ganzen Tag.

Am sonnigen Abend kamen sie an. Nadine rutschte auf ihrem Sitz hin und her und zeigte auf Kirchen und Aquädukte, Ruinen und Piazzas, Orte, die sie von ihrer Hochzeitsreise neun Jahre zuvor kannte. Tom starrte hinaus, schlagartig erfüllt von einer brennenden Eifersucht; er wollte das Abenteuer, das sie und Riley erlebt und das Wissen, das sie erworben hatten. Und dann tauchte direkt vor dem Zugfenster wie ein riesiger Heißluftballon, der abrupt vor ihnen landete, die Kuppel des Petersdoms auf und verschwand wieder, so dass der Blick über Dächer und Brücken und die alte Welt glitt. Und die Hitze! Er schwitzte in seinem englischen Tweed. Er war verzaubert.

Ein Taxi fuhr sie vom Bahnhof am Fluss entlang, vorbei an halb verfallenen Bögen und dicken Säulen und hohen steinernen Durchgängen, die in schattige Innenhöfe führten, vorbei an Eseln und Bauern und Geistlichen und zahllosen kühnäugigen dunklen Leuten. Tom sog alles in sich auf. Er kurbelte die Scheibe hinunter. Es roch nach heißen, staubigen Eseln, nach siedender Brühe, nach in Öl gebratenem Knoblauch, obwohl er nicht wusste, was er da roch. Das Licht lag golden auf dem weißen Stein. Stimmen riefen, brüllten, plauderten in fremden und verlockenden Rhythmen: Aoh!, hörte er, Aoh! Als sie schließlich ankamen, fühlte er sich wie ein großer Hund, der es kaum erwarten konnte, aus dem Taxi zu kommen und in dieser Stadt zu sein.

Jeder der drei würde im Handumdrehen dem Zauber Roms verfallen, aber Tom erwischte es am heftigsten.

Sie befanden sich auf einer Piazza, auf einer Insel im Fluss, mitten in dieser Stadt, die wie ein lebendig gewordenes Gemälde wirkte, ganz anders als alle anderen Orte, die Tom bisher gesehen hatte. Er bebte förmlich.

Als sie hielten, blieb sein Blick an einem Mann hängen, der am anderen Ende der Piazza an der Flussmauer lehnte. Der Mann würde jedem auffallen. Er strahlte eine natürliche Extravaganz aus, als wäre er e

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