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Die Spur des Teufels Roman von Burnside, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2015
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Die Spur des Teufels

Michael Gardiner lebt mit seiner Frau zurückgezogen am Rande des schottischen Küstenortes Coldhaven. Eines Morgens liest er in der Lokalzeitung, dass sich seine Jugendliebe Moira umgebracht und ihre beiden kleinen Söhne mit in den Tod genommen hat - nur ihre Tochter Hazel ließ sie am Leben. Moiras Selbstmord lässt in Michael schlagartig Erinnerungen wach werden, die er lange Zeit verdrängt hat ... John Burnside, geboren 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags, dem Petrarca-Preis und dem Spycher-Literaturpreis. Sein Prosawerk erscheint auf Deutsch seit vielen Jahren im Knaus und im Penguin Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 16.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641170622
    Verlag: Knaus
    Originaltitel: The Devil's Footprints. A romance
    Größe: 774 kBytes
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Die Spur des Teufels

Le Reniement de Saint Pierre

E s war meine Mutter, die mich das Sehen lehrte. An manchen Tagen ging sie durch das Haus und gab vor, die Dinge nicht für das zu halten, was sie waren - die Möbel, die Büsche im Garten, die Mäntel im Flur -, damit sie ihre Schatten besser sehen konnte. Es war ein Spiel, aber eines mit ernstem Hintergrund, denn sie arbeitete mit Schatten: Schatten und Licht, Ergänzungen, nicht Gegensätze. Sie suchte Bilder in den Büchern ihrer Kunstsammlung aus und gab sie mir gelegentlich zum Anschauen, wies auf die Lichtquelle hin und zeigte mir, worauf ich bei den Schatten achten sollte, wie tief und dunkel einige waren, wie blass und unbestimmt andere, und dass sie alle - ein Gemeinplatz, gewiss, aber auch der Quell mancher Freude - ihre eigene, unterschiedliche, oft überraschende Farbe besaßen. Sie gab mir im eigentlichen Sinn keinen Kunstunterricht, machte mich aber auf das ein oder andere aufmerksam, das ich für selbstverständlich hielt, sei es in der realen Welt oder in einem Buch, und ein Schatten wurde sichtbar, ein Aspekt eines Gegenstandes oder einer Person, den ich bis dahin übersehen hatte. Eines ihrer Lieblingsbilder stammte von Georges de la Tour und zeigt den heiligen Josef, dem ein Engel erscheint: Josef ist neben einer brennenden Kerze eingeschlafen, der Kopf ruht in der Rechten, aus der Linken entgleitet ihm gerade ein Buch. Der Engel, der wie eine junge Frau aussieht, steht vor ihm, einen Arm angehoben, sodass er für den Betrachter die Kerze verdeckt, die einzige Lichtquelle, weshalb zwar Haar, Gesicht und die schwarzsilberne Schärpe, die der Engel um die Hüfte trägt, in Licht gebadet sind, wir aber nur die Flammenspitze der Kerze sehen können; und Josef selbst ist nichts als ein Spiel warmer Schatten von goldenen über braunen bis zu fast schwarzen Farbtönen. Auf der gegenüberliegenden Seite war Petrus verleugnet Christus von 1650 zu sehen, ein Bild, das einen furchtsam dreinschauenden, etwas ältlichen Mann in ebenjenem Moment zeigt, in dem sich seine Welt in nichts auflöst - und hier wird der dramatische Effekt dadurch erzielt, dass eine Kerze oder eine Laterne von einem der Soldaten verdeckt wird, die an einem Tisch würfeln und deren Haltung zugleich zwanglos und bedrohlich wirkt, die Mienen grobschlächtig und gierig, Männer, in deren Gesellschaft sich der alte Fischer offensichtlich unwohl fühlt. Der Effekt wird durch eine weitere verdeckte Lichtquelle verdoppelt, durch eine Kerze, die von einer Bediensteten gehalten wird und die, wie die Kerze bei der Erscheinung des heiligen Josefs, fast nicht zu sehen ist. Doch während die verborgene Lichtquelle im ersten der beiden Bilder das verzückte Gesicht des Engels erhellt, dient sie in Petrus verleugnet Christus nur dazu, die Hässlichkeit zu betonen, Petrus' Angst, entdeckt zu werden, vor allem aber die schiere Brutalität des Soldaten mit der roten Mütze.

Malcolm Kennedy starb in der Grube. Ich malte mir aus, wie er unterging, wie sich die Lungen mit dem schwarzen, öligen Wasser füllten, und ich fragte mich, ob ich die ganze Zeit schon gewusst hatte, dass es so kommen würde. Ich weiß darauf keine Antwort. Ich musste es gewusst haben, und ich musste es gewollt haben, doch war mir damals nicht klar, dass ich es darauf angelegt hatte. Ich wollte ihn bloß für das bestrafen, was mir von ihm angetan worden war, und als ich am nächsten Montag in der Schule die Neuigkeit hörte, war ich ehrlich überrascht. Zugleich fühlte ich mich völlig unschuldig. Und er tat mir nicht im Geringsten leid. Schließlich bedeutete er mir nichts. Ich hatte nicht einmal Angst, dass man mir auf die Schliche kommen könnte, zumindest nicht seitens der Behörden. Als sich die Nachricht verbreitete, dass er ertrunken war, wurde die Schule von einer merkwürdigen Welle der Erregung gepackt: Jemand, den wir kannten, war tot, und er war unter geheimnisvollen, tragischen oder au

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