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Die stürmischen Jahre Die Chronik der Familie Cazalet, Roman von Howard, Elizabeth Jane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.07.2019
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)

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Die stürmischen Jahre

'So vollendet, elegant und kultiviert, wie es ihre vielen Verehrer erwarten dürfen.' Julian Barnes Clary und Polly wird es zu eng in Sussex, wie ihre Cousine Louise zieht es sie nach London. Gemeinsam leben sie ihren Traum von Unabhängigkeit: Sie teilen sich eine Wohnung, lernen Stenografie und Maschineschreiben und bieten den Schwierigkeiten in der zunehmend kriegsmüden Hauptstadt mit jugendlichem Schwung die Stirn. Die eigensinnige Louise wiederum entscheidet sich zur Überraschung aller für die Ehe - ihr Eintritt in die High Society. Schon bald allerdings muss sie erfahren, was es bedeutet, in Kriegszeiten nicht nur Mutter, sondern auch die Gattin eine ehrgeizigen Marineoffiziers zu sein. Elizabeth Jane Howard wurde am 26. März 1923 in London geboren. Sie arbeitete als Schauspielerin und Modell, bevor sie 1950 ihren ersten Roman, The Beautiful Visit

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 19.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423435666
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Taschenbücher 14757
    Originaltitel: Confusion
    Größe: 2051 kBytes
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Die stürmischen Jahre

POLLY

MÄRZ 1942

S eit einer Woche hatte niemand den Raum betreten. Das Kattunrollo vor dem Fenster, das nach Süden auf den vorderen Garten hinausging, war herabgelassen, pergamentfarbenes Licht füllte die kalte, stickige Luft. Polly trat zum Fenster und zog an der Kordel, das Rollo schnellte nach oben. Ein helleres, kühles Grau flutete ins Zimmer - heller noch als der stürmische Wolkenhimmel. Einen Moment blieb sie dort am Fenster stehen. Osterglocken blühten grüppchenweise unter der Araukarie in Erwartung des Märzwetters, das ihre entsetzliche Fröhlichkeit ertränken und zerstören würde. Sie ging zur Tür und drehte den Schlüssel im Schloss. Eine Störung welcher Art auch immer wäre unerträglich. Sie würde aus dem Ankleidezimmer einen Koffer holen, und dann würde sie den Kleiderschrank und die Schubladen der Rosenholzkommode neben dem Frisiertisch leeren.

Sie wählte den größten Koffer, den sie finden konnte, und legte ihn aufs Bett. Ihr war eingeschärft worden, Koffer nie aufs Bett zu legen, aber dieses war unbezogen und sah unter der Tagesdecke so flach und trostlos aus, dass es ihr gleichgültig erschien.

Doch als sie den Schrank öffnete und die Kleidungsstücke sah, die gedrängt an der unendlich langen Stange hingen, graute ihr plötzlich davor, sie in die Hand zu nehmen - sie hatte das Gefühl, als würde sie sich dann aktiv an dem unerbittlichen Abschied, dem Verschwinden beteiligen, das ganz allein vollbracht worden war, für immer und entgegen dem Wunsch aller, und das bereits vor einer Woche. Das war alles Teil ihrer Unfähigkeit, dieses "für immer" zu begreifen. Sie konnte sich durchaus vorstellen, dass jemand fort war, das Schwierige war, zu erfassen, dass diese Person niemals wiederkehren würde. Die Kleidung würde nie mehr getragen werden, und ohne Wert für die Person, der sie einst gehört hatte, konnte sie andere nur traurig stimmen - oder vielmehr einen anderen. Sie räumte die Sachen nur ihrem Vater zuliebe aus, damit die alltäglichen, elenden Habseligkeiten ihn nicht erinnerten, wenn er von der zweiwöchigen Reise mit Onkel Edward zurückkam. Wahllos nahm sie einige Bügel heraus, kleine Schwaden von Sandelholz stiegen auf und dazu der zarte Duft, den sie mit dem Haar ihrer Mutter verband. Da war das Kleid mit den grünen, schwarzen und weißen Blüten, das sie im vorletzten Sommer bei ihrem Ausflug nach London getragen hatte, der beige Tweedrock mit dem dazu passenden Mantel, der immer zu klein oder zu groß an ihr gewirkt hatte, das uralte grüne Seidenkleid, das sie nur angezogen hatte, wenn sie den Abend allein mit Dad verbrachte, die Jacke aus Prägesamt mit den Markasitknöpfen, die sie ihre Konzertjacke genannt hatte, das olivgrüne Leinenkleid, das sie getragen hatte, als sie mit Wills schwanger war - du meine Güte, das musste fünf Jahre alt sein. Es kam ihr vor, als hätte ihre Mutter wirklich alles aufgehoben: Kleider, die ihr nicht mehr passten, Abendroben, die sie seit Kriegsbeginn nicht mehr getragen hatte, ein Wintermantel mit Eichhörnchenkragen, den sie nie an ihr gesehen hatte ... Sie nahm alles heraus und legte es aufs Bett. An einem Ende hing ein zerschlissener grüner Seidenkimono über einem Goldlamékleid. Vage erinnerte sie sich, dass es eines von Dads überflüssigeren Weihnachtsgeschenken gewesen war, unendlich lange Zeit war das her; sie hatte es taktvoll den einen Abend getragen und danach nie wieder. Keines der Kleidungsstücke war wirklich hübsch, dachte sie traurig - die Abendgarderobe wirkte leblos durch das lange, unnütze Hängen, die Alltagskleider waren durch das viele Tragen fadenscheinig oder glänzend oder formlos geworden und auf jeden Fall das, was sie nicht sein sollten. Nichts kam für mehr als den Flohmarkt in Betracht, und genau das hatte Tante Rachel auch vorgeschlagen, "obwohl du alles behalten solltest, was dir gefällt, Polly, mein Schatz", hatte sie hinzugefügt. Aber sie wollte

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