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Die Stadt am Ende der Welt Roman von Mullen, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2020
  • Verlag: DuMont Buchverlag
Die Stadt am Ende der Welt -50%1
eBook (ePUB)

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Die Stadt am Ende der Welt

Wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu schützen? Tief in den Wäldern des Staates Washington liegt die Holzfällerstadt Commonwealth. Charles Worthy hat sich mit der Gründung der Stadt und ihren gesellschaftlichen Idealen fernab von Ausbeutung und Unterdrückung einen Lebenstraum erfüllt. Doch sein Traum ist in Gefahr: Gerade als sich der Erste Weltkrieg seinem Ende zuneigt, bricht die todbringende Spanische Grippe aus. Die Bewohner von Commonwealth sind entschlossen, sich mit strenger Quarantäne zu schützen. Zügig werden Grenzposten gesetzt, Warnschilder ausgehängt und an der einzigen Zugangsstraße bewaffnete Wachen aufgestellt. Als Philip Worthy, der Adoptivsohn des Stadtgründers, mitansehen muss, wie ein halb verhungerter Soldat erschossen wird, um ihn am Betreten der Stadt zu hindern, ist er tief erschüttert. Wenig später vor die gleiche Situation gestellt, trifft er eine andere Entscheidung - und neben der Angst vor der Außenwelt wächst bald schon die Furcht vor dem Feind im Innern. Thomas Mullen erzählt in seinem hellsichtigen und mitreißenden Roman von Moral in Zeiten der Krise, von einer Gesellschaft, der die Solidarität abhanden zu kommen droht ? aber auch von Hilfsbereitschaft, Hoffnung und Mitgefühl. »In seinem außergewöhnlichen Debüt verwebt Mullen geschickt verschiedene Handlungsstänge - darunter eine ergreifende Liebesgeschichte - und beschwört eine unvergleichliche Atmosphäre herauf. [...] Dieser Roman hallt noch lange nach.« People Magazine So düster und unheimlich wie Camus' >Pest
Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren. 2006 erschien sein Debütroman >Die Stadt am Ende der Welt<, der von der Zeitschrift USA Today als »Bester Debütroman des Jahres« und von der Zeitung Chicago Tribune als eines ihrer »Books of the Year« benannt wurde. Bei DuMont erscheint außerdem seine von Publikum und Presse gefeierte >Darktown<-Trilogie, die nach >Darktown< (2018) und >Weißes Feuer< (2019) mit >Lange Nacht< (2020) ihren Abschluss findet. Thomas Mullen lebt mit seiner Familie in Atlanta.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 14.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832170592
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Größe: 1909 kBytes
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Die Stadt am Ende der Welt

KAPITEL 1

Die Straße nach Commonwealth war lang und wenig einladend, hinter Timber Falls zog sie sich etliche Kilometer durch den Nadelwald, in dem die Bäume höher und höher wuchsen, als versuchten sie die Sonne zu erreichen, die sie mit ihren spärlichen Strahlen zu necken schien. Über der steinigen Straße ragten Douglasien auf wie feindliche Armeen, die einander, durch einen Abgrund getrennt, gegenüberstanden. Sogar Reisende, die um ihre eigene Bedeutungslosigkeit wussten, fühlten sich auf diesem unnatürlich düsteren Abschnitt der Straße besonders demütig und klein.

Nach ein paar Kilometern durch den Wald machte die Straße eine Rechtskrümmung, und die Bäume wichen ein wenig zurück. Braune Erde und gelegentliche Baumstümpfe deuteten darauf hin, dass hier erst vor kurzem mühevoll eine Lichtung in den Wald geschlagen worden war. Sie erstreckte sich über sanft ansteigendes Gelände, und am Fuß der Anhöhe blockierte ein frisch gefällter Baum die Straße. Auf dessen dicke Borke hatte man ein Schild genagelt: eine Warnung für nicht existierende Reisende, ein stummer Schrei in die taube Wildnis.

Auf dem kahlen Hügel frischte der Wind auf und trug den Geruch von Millionen Douglasien und Kiefern heran. Philip sog scharf die Luft ein.

»Kalt?«, fragte Graham.

»Geht schon.«

Graham machte eine Geste in Richtung Stadt. »Du brauchst eine wärmere Jacke, hol dir eine.«

»Ich bleibe hier.«

»Wie du willst«, meinte Graham mit einem verhaltenen Lächeln. Dass Philip fror, war unverkennbar, was bei der dünnen Jacke und den Khakihosen - typische Bürohengst-Klamotten - auch kein Wunder war. Graham hingegen trug seinen üblichen blauen Overall und einen dicken Wollmantel.

»Glaubst du, dass es schneit?« Philip Worthy war sechzehn und groß, wobei er kleiner wirkte, weil er hinkte. Auch besaß er keine so kräftige Statur wie die meisten Männer in dieser Stadt, in der vor allem Holzfäller und Sägewerksarbeiter lebten.

»Nein, es wird nicht schneien.«

Der fünfundzwanzigjährige Graham verkörperte in vielerlei Hinsicht das, was Philip werden wollte: stark, auf eine stille Art klug, Herr in seinem Haus. Während Philip das Gefühl hatte, höflich und unterhaltsam sein zu müssen, damit er bei anderen beliebt war, schien Graham stets nur das Nötigste zu sagen und wurde trotzdem respektiert. Mittlerweile kannte Philip ihn zwei Jahre, aber er hatte noch immer nicht herausgefunden, wie er das zuwege brachte.

»Ist kälter, als ich dachte«, sagte Philip. »Das kann bedeuten, dass es bald schneit.«

Graham verstand die Angst seines Kameraden vor Schnee. Er schüttelte den Kopf. »Es ist zwar kalt, aber zu früh für Schnee. Wir haben ja erst Oktober.«

Fröstelnd zog Philip die Schultern hoch und nickte.

Graham legte sein Gewehr auf den Boden und zog seinen Mantel aus. »Komm, zieh den an.«

»Nein, wirklich, mir geht's gut. Ich möchte nicht, dass du ...«

»Zieh schon den verdammten Mantel an«, beharrte Graham grinsend. »Ich hab sowieso mehr Fleisch auf den Rippen als du.«

»Danke.« Auch Philip legte sein Gewehr hin und achtete dabei darauf, dass die Mündung von Graham weg zeigte. Der Mantel war ihm zu groß, seine Hände verschwanden fast in den Ärmeln. Mochte er darin auch ein bisschen komisch aussehen, sparte er sich so doch die Handschuhe. Ein Gewehr würde er damit nicht halten können, aber das schien ihm kein Problem zu sein, weil er es vermutlich ohnehin nicht brauchen würde.

»Was meinst du, wer das in diesem T-Modell am Sonntag war?«, fragte Philip.

»Keine Ahnung.« Keiner der beiden hatte am Sonntag Wachdienst gehabt, als zwei andere Posten gesehen hatten, wie ein funkelnagelneuer Ford unmittelbar bis vor den querliegenden Baumstamm fuhr. Der Wachposten war zu weit weg gewesen, um den Fahrer näher in Augenschein zu nehmen, der nicht aus seinem Automobil ausstie

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