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Die stillen Römer Roman von Lewin, Waldtraut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2015
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Die stillen Römer

Rom zur Zeit des Kaisers Augustus, Stadt der Verzweiflung und der Hoffnung. Hier kreuzen sich die Lebenswege von vier jungen Menschen. Da ist das Mädchen Tabea, das drei alte Weiber die Kunst lehren, den Körper zu verkaufen. Und da ist der Bauer Mamercus, der sein Leben einem grausamen Kult weihen muss, weil sein Dolch den Senator Spurius Cotta verfehlte. Da ist der Sklave Pamphilus, der die ihn prügelnde Herrin liebt und flieht, ehe er daran zerbricht. Und da ist Manius, der Sohn der angesehenen Familie der Arruntier, der die geheimnisvollen Beziehungen seines Hauses zu einer stummen Weberin im verrufensten Viertel entdeckt. Sie alle leben in Rom, sie alle sind Rom, diese Stadt des wilden Mordgeheuls in den Arenen und der stummen Opfer in den stillen Gassen. Der Leser von Lewins Roman 'Die Ärztin von Lakros' wird sich freuen, von dem tragischen Schicksal der Insel und ihrer Bewohner zu erfahren. INHALT: I. VORLAND. Die Kinder Die Geschwister Sklavenbalg Königssohn Perspektiven II. RÖMISCHE HÜGEL. Bretter übern Schlamm legen Grenzen Spielereien III. SUBURA. Wir ziehen ein Die stille Gasse Im Schutz der Kleinen Götter Die Parzen Bekenntnisse Arena, Arena Die Schöne Der schwarze Fluss Das zerbrochene Götterbild IV. HARTE MAUERN. Wir versuchen zu leben Alltägliches Des Morgens sind sie heiter Vom Schweigenden Heros Spielzeug Balsam wird verweigert Die harten Mauern Morgenstunde V. NEUE RÄUME. Lichter Schatten, dämmrige Helle Zuversicht Der Pfiff Wartezeiten Sie wird gefüttert Die Weisen Er schickt Botschaft Der Besucher VI. GÄRTEN ZWISCHEN WÜSTENEIEN. Die Königin Fest am helllichten Tage Die weiße Toga Der lakrische Teppich Sie muss sich erinnern VII. OFFENER SÜDEN. Unterwegs Demütiges Italien Die Höhle Der dunkle Trank Die Reise VIII. NÖRDLICHE BERGE. Speise der Götter Muränenzüchter Der Kuhprozess Die Speise der Götter Die lügenden Dichter Die Art und Weise, Geschichte zu machen IX. NEMISEE. Der Goldene Zweig Waldkönig Der Götterjüngling Die Hetzjagd X. DER PARK ALTEN STILS. Erinnerung und Vergessen Bitten an eine alte Dame XI. WÜSTENSTAUB. Wir steigen auf und stürzen ab Der Auftrag Paradiesesgarten Das Volk ist das Gras XII. DIE REISSENDEN KATARAKTE. Abschiednehmen Der Weg nach Haus Vermächtnis Eine Art, Abschied zu nehmen XIII. AM RAND DES STRUDELS. Atemholen XIV. ABENDLICHE LANDSCHAFT. Die Teppichweber geboren in Wernigerode (Harz), Studium der Germanistik, Latein und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin (Ost) sowie der Freien Universität Berlin (West). 1961 bis 1973 Dramaturgin am Landestheater Halle im Team von Generalmusikdirektor Horst-Tanu Margraf, Regisseur Heinz Rückert und Bühnenbildner Rudolf Heinrich. In dieser Zeit Bühnenfassungen und Übersetzungen von 16 Händel-Opern aus dem Italienischen. 1973 bis 1977 Dramaturgin und Opernregisseurin am Volkstheater Rostock. Erster Roman "Herr Lucius und sein schwarzer Schwan", erschienen 1973 beim Verlag Neues Leben, Berlin. Seit 1977 freiberuflich. Seitdem ca. 60 veröffentlichte Buch-Titel, darunter 12 gemeinsam mit Tochter Miriam Margraf, über 20 Hörspiele für Kinder und Erwachsene, Reisebücher, Filmdrehbücher, Libretti für zwei Rockopern, Publikationen in Zeitschriften, Anthologien, Periodika, Rezensionen und Feuilletons in Tageszeitungen. Auszeichnungen 1970 Händelpreis der Stadt Halle 1978 Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste der DDR 1988 Nationalpreis der DDR

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 553
    Erscheinungsdatum: 02.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956554421
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1973 kBytes
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Die stillen Römer

'Sie haben mich erwischt', sagt er, noch immer atemlos, 'und ich war so dumm, hierherzurennen. Ist Tabea da? Nein? Der Junge auch nicht? Gut. Geh nach oben und riegle dich ein. Du weißt von nichts.' Erste Schläge gegen die Tür und in der Gasse Stimmengewirr. Sie lauscht mit hochgerecktem Kopf. 'Geh', drängt er und umwickelt sich den linken Arm mit dem Mantel. 'Das ist kein Spaß.' Sie schüttelt den Kopf. Zu seinem Entsetzen ist in ihren Augen jener wache Ausdruck, wie ihn Kämpfer in höchster Gefahr haben. Und da hat sie auch schon sein Handgelenk ergriffen und zerrt ihn hinter sich her die Stiege empor. Ich könnte mich ja wehren und sie abschütteln. Aber ich tu's nicht. Verfluchte Hoffnung, dies dreckige bisschen Leben doch noch zu erhalten. Er stolpert ihr nach, in den hinteren Raum, und sie reißt den Vorhang beiseite, zerrt ihn auf die morsche hölzerne Balustrade, weist auf den ebenso zerklüfteten Balkon des Nachbarhauses. 'Springen?' Sie nickt. Er lehnt an der Mauer, keuchend, verstört. 'Verlang das nicht, Stumme. Vielleicht kann ich rennen, aber nicht klettern. Ich bin kein Marder. Ich fürchte mich vor der Tiefe. Lieber kämpfen und sterben. Lass mich.' Da steht sie schon auf dem Sims, rafft ihr Kleid und springt hinüber, mit einer so wundersamen Leichtigkeit, als sei sie beflügelt. Es sieht nicht weiter schlimm aus. Von dort reicht sie ihm, sich weit vorbeugend, ihre Hand, und er greift zu, folgt ihr. Der morsche Balkon bebt unter ihnen. Er sieht sie an, und das Leuchten in ihren Augen verwirrt ihn und treibt ihn zum Äußersten, zu dieser wahnsinnigen oder auch göttlichen Tollheit, die Menschen zu unmöglichen Taten begeistert. Denn es geht weiter. Sie lässt seine Hand nicht mehr los, oder nur, wenn sie ihm vorausturnt. Mit unbeirrbarer Sicherheit, als sei sie diesen Weg bereits tausendmal gegangen, führt sie ihn durch fremde Hausflure, über Balustraden und hölzerne Geländer, über mehrere Dächer kletternd, springend, laufend. Mit dem Instinkt einer Baumkatze findet sie den Weg, und immer die Hand, diese für ihn ausgestreckte Hand, sie voran, wo er allein verzagen würde, schnell und kühn und gespannt wie eine Bogensehne. Was für eine Frau. Er folgt ihr in einer Art Betäubung, einem wilden Taumel, gemischt aus Furcht und Glück. Unten lärmt es noch immer. Ein Getöse, als sei ganz Rom hinter ihm her. Auf einem Mauervorsprung über einem Innenhof verschnaufen sie, atemlos nun beide. Sie sieht ihn an. 'Der Senator Spurius Cotta', sagt er hastig. Und dann voll Zorn: 'Was starrst du? Ich weiß, dass es ein guter Mann war, Stumme. Ich bin ein Mörder für Geld, und sie zahlen sehr gut. Übrigens scheint er zu leben. - Sieh mich nicht so an. Ich habe dich nicht aufgefordert, mit mir über die Dächer zu springen. Ich bin nur so dumm gewesen, in dein Haus zu laufen, das ist alles.' Als Antwort fasst sie wieder seine Hand, zieht ihn weiter. Und dennoch scheint es vergebens. An einer Dachkante balancierend, werden sie aus der Gasse entdeckt. Ein vielstimmiges Johlen dringt herauf, dann fliegen Steine. Sie pressen sich an den Mauervorsprung, Hand in Hand, ziehen Kopf und Schultern ein. 'Wenn ich runterspringe, kannst du unbehelligt zurück', sagt er mühsam. 'Es ist ja doch alles sinnlos.' Ihre Hand ist warm und fest. Sie tasten sich rücklings an einer Kante entlang, schwingen sich über eine Balustrade, laufen geduckt eine Schräge hinauf, wieder springt sie, ohne ihn loszulassen. Nicht hinuntersehen, wenn ich abstürze, ziehe ich sie mit. Wo sind wir? In ihm und um ihn rauscht die Brandung der Stimmen derer, die ihm ans Leben wollen. Wohin laufen wir außer in den Tod? Es geht eine Leiter hinauf, sie bedeutet ihm, diese hinter ihnen nachzuziehen. Das Dach irgendeines öffentlichen Gebäudes wohl, Zierrat ragt über den Giebel, Statuen an den Ecken. Sie werfen sich zu Boden, keuchend, halb tot. In Sicherheit? Vielleicht. Offenbar haben die unten ihre Spur verloren, aber das Getöse geht weiter. Die St

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