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Die Stunde der Liebenden Roman von Foley, Lucy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.10.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Die Stunde der Liebenden

Vom alten England in die Straßencafés von Paris, über das in der Augusthitze flirrende Korsika bis ins pulsierende New York führt uns diese fesselnde Familiensaga. Sie erzählt von der Macht der wahren Liebe über Jahrzehnte, Kontinente und Generationen hinweg - und davon, wie Herzen und Familien gerade dann miteinander vereint werden, wenn sie für immer verloren scheinen. England, 1928: Alice und Tom kennen sich aus unbeschwerten Kindertagen: sie, die vor Energie sprühende junge Aristokratin, und er, der noch unbekannte Maler. Ihre Liebe fühlt sich an wie die reinste Magie - doch nicht nur Alices Familie setzt alles daran, eine gemeinsame Zukunft zu verhindern. London, sechzig Jahre später: Die junge Fotografin Kate findet im Nachlass ihrer Großmutter eine alte Porträt-Skizze, die ihrer verstorbenen Mutter verblüffend ähnlich sieht. Was hat es mit der Zeichnung auf sich? Und wer ist die Frau darauf? Um dem Geheimnis um das Porträt und um die Vergangenheit ihrer Mutter näher zu kommen, macht sich Kate auf die Suche nach dem Künstler, dem berühmten Maler Thomas Stafford ... Die Stunde der Liebenden erzählt von Sehnsucht und Hoffnung, von Verlust und Schmerz, von Abenteuer und Freiheit. Davon, aus Konventionen auszubrechen und den Mut zu finden, seine Ängste zu überwinden. Und vor allem von Liebe und Nähe, die man zulassen muss, um sein Glück im Leben zu finden.

Lucy Foley, 1986 in Sussex, England geboren, hat Englische Literatur in Durham studiert und ihren Masterabschluss in Moderner Literatur an der Universität London gemacht. Sie arbeitete einige Jahre als Lektorin bei Hodder & Stoughton und schrieb währenddessen ihren ersten Roman Die Stunde der Liebenden . Lucy Foley lebt in London, wenn sie nicht gerade auf der Suche nach neuen Romanstoffen die Welt bereist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 450
    Erscheinungsdatum: 24.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458742197
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: The Book of Lost and Found
    Größe: 6211 kBytes
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Die Stunde der Liebenden

2

Kate

Wie soll ich meine Mutter beschreiben?

Sie war klein, aber sehr stark. Stark in dem Sinne, dass sie mit makelloser Anmut und Präzision stundenlang tanzen konnte, auch wenn jeder Muskel ihres Körpers vor Schmerz brannte, wenn das Blut ihrer zerquetschten Zehen in die Holzklötzchen sickerte, die sie stützten, selbst wenn sie, geblendet von der hellen Bühnenbeleuchtung, hochgehoben und gedreht wurde. Aber auch in dem Sinne, dass sie fähig war, ihre Situation zu akzeptieren - ausgesetzt, elternlos - und daraus Stärke zu ziehen, das wesentliche Element des June-Darling-Märchens. Die Dinge, die nur ich über sie weiß, möchte ich nicht beschreiben. Denn sie sind das, was mir geblieben ist, was ich in Ehren halten kann. Außerdem interessieren sich die Leute für das, was über das Tanzen und das Märchen hinausgeht, nicht besonders.

Ich bin mir sicher, Sie werden von meiner Mutter gehört haben. Selbst Menschen, denen das Ballett fremd ist, kennen ihren Namen - als sie starb, hatte sie diese Stufe internationalen Ruhms erreicht. Und in jener Nacht, als das Flugzeug vom Himmel trudelte, als wäre es aus Papier und Zahnstochern gemacht, in ebenjener Nacht, in der sie starb, hörten schließlich auch die wenigen von ihr, die sie bis dahin nicht gekannt hatten. June Darling, das tanzende kleine Mädchen, dem es allein durch sein Talent gelungen war, dem für sie vorgesehenen armseligen Lebensweg zu entkommen.

Meine Mutter hatte sich immer lustig gemacht über das, was sie den Mythos ihrer Herkunft nannte. So schlimm sei es nie gewesen, pflegte sie zu sagen. Sie war nie vernachlässigt oder misshandelt worden, und auch wenn sie anfangs keine echte eigene Familie hatte, so hatte sie doch bald Evie und dann mich, und wir waren ein perfektes Trio, ein eng verbundenes Dreieck der Liebe.

Zumindest muss es so gewirkt haben. In meinen heimlicheren, schamvolleren Momenten fragte ich mich allerdings, ob Evie es mir nicht eigentlich übelnahm, dass ich hinzukam und die Dinge verkomplizierte, dass ich jenes heilige Bündnis zwischen ihr und meiner Mutter störte. Habe ich irgendwelche Beweise dafür? Nicht direkt. Auch wenn ich nicht glaube, dass es unfair wäre zu behaupten, dass Evie mit mir gesprochen hat, wie sie mit meiner Mutter nie gesprochen hätte. Denn so scharf und ungeduldig wäre sie mit Mum bestimmt nie gewesen.

Irgendwann war ich ganz besessen von dem Gedanken an Großeltern - solche, wie meine Schulfreundin Georgina am Wochenende besuchte. Solche, die dir vorlesen und für dich Kuchen backen und mit dir in Ausstellungen gehen würden. Das war nicht die Beziehung, die Evie und ich miteinander hatten. Ich sagte nicht Granny zu ihr oder irgendetwas in der Art. Ich nannte sie Evie, und wir sprachen wie Erwachsene miteinander. Im Rückblick bin ich mir sicher, dass sie mich geliebt hat, aber verglichen mit dem, was sie für meine Mutter empfunden hatte, verblassten all ihre Gefühle mir gegenüber. Meine Mutter war nämlich ebenso sehr ihre Retterin gewesen wie sie die Retterin meiner Mutter, und ich glaube, dass Evie für einen anderen Menschen schlicht nicht ebenso tief empfinden konnte.

Vielleicht mochte sie mich auch nicht, weil ich sie an meinen Vater erinnerte, dem sie offenbar ankreidete, dass er durch die Schwangerschaft Mums Karriere zu Fall gebracht hatte - ungeachtet der Tatsache, dass Mum, in Kategorien des Balletts, bereits alt war, als sie mich bekam. Mein Vater hatte die Rolle des Bösewichts gut erfüllt und war beim ersten Anzeichen von Ärger von der Bildfläche verschwunden. Doch das kann man auch von einer anderen Seite aus betrachten. Wenn Sie meine Mutter gefragt hätten, hätte sie Ihnen erzählt, dass mein Vater ihr, abgesehen von seiner Beteiligung an meinem Zustandekommen, nur wenig bedeutet hatte. Wir hatten ihn für unser Leben nicht gebra

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