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Die Töchter der Tuchvilla Roman von Jacobs, Anne (eBook)

  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Die Töchter der Tuchvilla

Eine mächtige Familie. Dramatische Verwicklungen. Ein Haus, das mehr als ein Geheimnis birgt. Augsburg, 1916. Die Tuchvilla, der Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer, ist in ein Lazarett verwandelt worden. Die Töchter des Hauses pflegen gemeinsam mit dem Personal die Verwundeten, während Marie, Paul Melzers junge Frau, die Leitung der Tuchfabrik übernommen hat. Da erreichen sie traurige Nachrichten: Ihr Schwager ist an der Front gefallen, ihr Ehemann in Kriegsgefangenschaft geraten. Während Marie darum kämpft, das Erbe der Familie zu erhalten und die Hoffnung an ein Wiedersehen mit Paul nicht aufzugeben, kommt der elegante Ernst von Klippstein in die Tuchvilla. Und wirft ein Auge auf Marie ... Anne Jacobs veröffentlichte unter anderem Namen bereits historische Romane und exotische Sagas. Mit "Die Tuchvilla" gestaltete sie ein Familienschicksal vor dem Hintergrund der jüngeren deutschen Geschichte und stürmte damit die Bestsellerliste. Nach ihrer ebenfalls sehr erfolgreichen Trilogie um "Das Gutshaus", die von einem alten herrschaftlichen Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern und vom Schicksal seiner Bewohner in bewegten Zeiten erzählt, legt Anne Jacobs nun den von den Leserinnen langersehnten vierten Band der "Tuchvilla"-Saga vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641173821
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 2717 kBytes
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Die Töchter der Tuchvilla

2

W as treibst denn so lange?", keifte Else Hanna an. "Ich wart schon eine geschlagene Viertelstunde hier im Regen! Wenn wir heut kein Fleisch und keine Wurst mehr heimbringen, dann werd ich der gnädigen Frau schon sagen, wessen Schuld das ist." Else war schlechter Laune, und sie hatte keine Hemmungen, Hanna ihren Gemütszustand spüren zu lassen. So war sie nun einmal, die ach so stille und unauffällige Else. Niemals wagte sie, gegen die wehrhafte Auguste oder gar gegen die energische Köchin aufzumucken. Und gegenüber der Herrschaft war sie ganz und gar devot. Aber Hanna, die sowieso ständig getadelt und gestraft wurde, die war dem Stubenmädel Else als Prügelkind gerade recht.

Hanna schleppte einen großen Henkelkorb, in dem ein Sack aus grobem Nesseltuch lag, man hoffte, vielleicht ein paar Kartoffeln zu ergattern.

"Hab noch das Geschirr waschen und einen Eimer Kohlen holen müssen", sagte sie zu Else, die in Hut und Mantel unter dem Säulendach des Eingangsportals auf sie gewartet hatte. Wo sie eigentlich gar nicht stehen durfte, denn das Personal hatte die beiden Seiteneingänge zu benutzen. Von wegen im Regen gewartet - kein Tröpfchen war auf Elses Mantel zu sehen.

"Ein Wetter ist das", jammerte Else nun, denn sie musste ihr trockenes Plätzchen aufgeben, um sich gemeinsam mit Hanna auf den Weg zu machen. "Das geht durch und durch. Wenn ich mich nur nicht erkältet habe. Geh doch anständig, Hanna. Du spritzt mir ja den Rock nass. Kannst du überhaupt irgendetwas vernünftig tun? Nicht einmal geradeaus laufen kannst du. Pass auf, dass der Korb nicht ..."

Sie schrie auf, breitete auf komische Weise die Arme aus und taumelte nach vorn. Ein trockener Ast, den der Wind von der alten Kastanie abgerissen hatte, war auf den Weg gefallen und hatte sie ins Stolpern gebracht. Zu allem Unglück trat sie nun auch noch in eine Pfütze und durchweichte dabei ihren linken Schuh, der sowieso schon ein Loch hatte.

"Geben Sie Obacht, Else", sagte Hanna mit ernsthafter Miene, hinter der sie ihre Schadenfreude verbarg. "Da liegt ein trockener Ast im Weg."

Oh, wie wütend Else nun wurde! Natürlich war Hanna an diesem Missgeschick völlig unschuldig, aber ein Grund, um beschimpft zu werden, ließ sich offenbar immer finden. Ihr lautes Mundwerk. Ihre Ungeschicklichkeit. Beim Abwasch gestern Nacht hatte sie eines der teuren, geschliffenen Sektgläser zerbrochen.

Während sie durch den Park zur Straße gingen, hatte sich Hanna eine Menge Vorhaltungen anzuhören. An diesem Tag störte es sie jedoch wenig, denn sie dachte daran, wie eklig es sein musste, mit einem klatschnassen rechten Schuh herumzulaufen. Und der Saum von Elses Rock hatte auch ordentlich etwas abbekommen.

Als sie auf die Straße einbogen, konnte sie in der Ferne zwischen allerlei Fabrikgebäuden, Remisen und Apfelwiesen das spitze Dach des Jakobertors sehen. Im Nieselregen erschienen Häuser und Türme der Stadt dunkelgrau und wenig einladend. Hanna zog das Tuch zurecht, das sie als Regenschutz über Kopf und Schultern gelegt hatte. Es half nicht allzu viel, der Nieselregen drang mit Leichtigkeit durch den Stoff. In diesem Punkt hatte Else leider recht.

"Unserer jungen Herrin solchen Kummer zu bereiten. Wo sie gestern erst Mutter geworden ist ..."

Was Else da für einen Blödsinn schwatzte. Der jungen Frau Melzer war es gewiss völlig gleich, ob es nun elf oder zwölf Sektgläser waren. Und überhaupt war die junge Frau Melzer immer auf Hannas Seite. Auch der junge Herr. Der hatte sie damals, als sie den schlimmen Unfall in der Fabrik gehabt hatte, ins Krankenhaus gebracht. Er war ein guter Mensch, ganz anders als sein Vater. Der war oft mürrisch und konnte die Angestellten zusammenstauchen. Nur bei der Köchin, der Brunnenmayer, da war sogar der Direktor Melzer vorsichtig. Die war was Besonderes, denn sie kannte alle Geheimnisse der Kochkunst. Die Brunnenmayer konnte zwar auch ordentlich schelten, aber sie war

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