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Die Tanzenden Roman von Mas, Victoria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)

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Die Tanzenden

Eine Hymne auf die Courage aller Frauen Ganz Paris will sie sehen: Im berühmtesten Krankenhaus der Stadt, der Salpêtrière, sollen Louise und Eugénie in dieser Ballnacht glänzen. Ob die Hysterikerinnen nicht gefährlich seien, raunt sich die versammelte Hautevolee zu und bewundert ihre Schönheit gerade dann, wenn sie die Kontrolle verlieren. Für Louise und Eugénie aber steht an diesem Abend alles auf dem Spiel: Sie wollen aus ihrer Rolle ausbrechen, wollen ganz normale Frauen sein, wollen auf dem Boulevard Saint-Germain sitzen und ein Buch lesen dürfen, denken und träumen und lieben dürfen wie die Männer. Mit verblüffender Lebendigkeit erzählt Victoria Mas in 'Die Tanzenden' vom Aufbruch derer, die sich nicht zufriedengeben, von berührender Solidarität und unbeirrbarem Mut. 'Ein unentbehrlicher Roman.' Cosmopolitan Frankreich 'Eine der schönsten und augenfälligsten Überraschungen des Jahres!' Le Parisien 'In einer glasklaren Sprache, leicht wie ein Pastell, schreibt die junge Autorin gegen die männliche Norm an und gibt denen eine Stimme, die man mundtot gemacht und unterdrückt hat.' L'Obs

Victoria Mas, 1987 in Le Chesnay geboren, hat acht Jahre lang in den USA gelebt und dort als Script Supervisor, Standfotografin und Übersetzerin beim Film gearbeitet. Zurück in Paris, studierte sie Literatur an der Sorbonne und ist heute als freie Autorin und Journalistin tätig. Ihr Debüt 'Die Tanzenden' hat sich innerhalb kürzester Zeit in acht Sprachen verkauft. Auch die Filmrechte sind bereits vergeben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 06.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996259
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: Le Bal des Folles
    Größe: 3514 kBytes
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Die Tanzenden

1

Geneviève

3. März 1885

 

»Louise. Es ist Zeit.«

Mit einer Hand zieht Geneviève die Decke weg, unter der zusammengekauert auf der schmalen Matratze der schlafende Körper der jungen Frau liegt. Ihr dunkles, dichtes Haar bedeckt das Kopfkissen und einen Teil ihres Gesichts. Den Mund halb geöffnet, schnarcht Louise leise. Die anderen Frauen im Schlafsaal, die bereits aufgestanden sind, hört sie nicht. Zwischen den aufgereihten Eisenbetten rekeln sich die weiblichen Gestalten, drehen sich die Haare zu einem Knoten auf, knöpfen ihre tiefschwarzen Kleider über den durchsichtigen Nachthemden zu und trotten unter den wachsamen Blicken der Krankenschwestern Richtung Speisesaal. Durch die beschlagenen Fensterscheiben dringt zaghaft die Sonne.

Louise steht als Letzte auf. Jeden Morgen reißt eine Pflegerin oder eine der anderen Geisteskranken sie aus dem Schlaf. Abends lässt sich die junge Frau erleichtert in eine tiefe, traumlose Nacht sinken. Schlafen heißt, sich nicht mehr mit dem befassen zu müssen, was geschehen ist, sich nicht besorgt zu fragen, was morgen wird. Seit es sie vor drei Jahren hierher verschlagen hat, verschafft ihr nur der Schlaf eine kurze Atempause.

»Hoch mit dir, Louise. Sie warten auf dich.«

Geneviève rüttelt das Mädchen am Arm, bis es schließlich die Augen öffnet. Zuerst ist Louise erstaunt, am Fußende ihres Bettes die Frau zu sehen, die von den Geisteskranken die Altgediente genannt wird, doch dann ruft sie:

»Ich hab doch Vorlesung!«

»Mach dich fertig, du hast genug geschlafen.«

»Ja!«

Die junge Frau springt aus dem Bett und nimmt ihr schwarzes Wollkleid vom Stuhl. Geneviève tritt zur Seite und beobachtet sie. Mit ihrem Blick verfolgt sie die fahrigen Handgriffe, die unsicheren Kopfbewegungen, die schnelle Atmung. Gestern hatte Louise erneut einen Anfall: Das darf sich vor der heutigen Vorlesung auf keinen Fall wiederholen.

Hastig schließt die junge Frau die Knöpfe ihres Kleides und wendet sich der Oberaufseherin zu. Stets aufrecht in ihrem weißen Dienstkleid, die Haare zu einem Dutt gesteckt, hat Geneviève etwas Einschüchterndes an sich. Mit den Jahren musste Louise lernen, mit ihrer strengen Art zurechtzukommen. Nicht dass sie ungerecht oder gar böswillig wäre, sie wirkt nur einfach nicht liebenswert.

»Ist es so recht, Madame Geneviève?«

»Lass deine Haare offen. Das ist dem Doktor lieber.«

Gehorsam löst Louise den flüchtig gedrehten Haarknoten wieder. Sie ist gegen ihren Willen eine junge Frau geworden. Die Begeisterung der Sechzehnjährigen ist dagegen noch ganz und gar kindlich. Der Körper ist zu schnell gewachsen; ihre Brust und die Hüften, die mit zwölf zum Vorschein kamen, haben sie nicht gewarnt vor den Folgen dieser plötzlichen Üppigkeit. Zu einem gewissen Teil ist die Unschuld in ihren Augen verschwunden, aber nicht ganz. Weswegen noch Hoffnung für sie besteht.

»Ich hab Lampenfieber.«

»Überlass dich allem, dann wird das schon.«

»Ja.«

 

Die beiden Frauen gehen einen Korridor des Krankenhauses entlang. Das morgendliche Märzlicht scheint durch die Fenster und wird von den Fliesen am Boden reflektiert - ein sanftes Licht, ein erstes Anzeichen für den Frühling und den Ball an Mittfasten, ein Licht, bei dem jede unwillkürlich lächelt und darauf hofft, sie käme hier bald heraus.

Geneviève spürt Louises Nervosität. Die junge Frau läuft mit gesenktem Kopf neben ihr her, ihre Arme hängen am Körper herab, ihr Atem geht schnell. Die Mädchen auf der Station sind immer angespannt, wenn sie Charcot persönlich treffen - vor allem, wenn er sie auserkoren hat, an einer Vorführung teilzunehmen. Es ist eine Verantwortung, die sie überfordert, eine Aufmerksamkeit, die sie verwirrt, ein Interesse, das so ungewohnt ist für die sonst unbeachtet gebliebenen Frauen, dass es ihnen fast den Boden unter den Füßen wegreißt -

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