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Die Tochter des Klosterschmieds Historischer Roman von Dempf, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Tochter des Klosterschmieds

Begehrt für ihr handwerkliches Geschick, betrogen um ihre Freiheit - die Geschichte einer mutigen Frau Als Ulas Vater brutal die Hand abgeschlagen wird, weil ein vom ihm geschmiedetes Schwert im Kampf zerbrochen ist, muss sie ihm bei der Arbeit helfen. Ula erlernt das Schmiedehandwerk und beginnt bald darauf, mit Material und Werkzeugen zu experimentieren. Es gelingt ihr, ein Schwert von herausragender Qualität zu fertigen. Ein Schwert so hart, dass andere Waffen daran wie Glas zerschellen. Ein Schmied, der solche Waffen herstellen kann, ist ein unbezahlbarer Schatz. Und so beginnt die Jagd auf Ula ... Peter Dempf, geboren 1959 in Augsburg, studierte Germanistik und Geschichte und unterrichtet heute an einem Gymnasium. Der mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnete Autor schreibt neben Romanen und Sachbüchern auch Theaterstücke, Drehbücher, Rundfunkbeiträge und Erzählungen. Bekannt wurde er aber vor allem durch seine historischen Romane. Peter Dempf lebt und arbeitet in Augsburg, wo auch seine Romane Fürstin der Bettler, Herrin der Schmuggler und Die Brunnenmeisterin spielen. In seinem neuesten Buch Die Tochter des Klosterschmieds verschlägt es ihn allerdings an die Mosel, da sich in dieser Region die Revolution in der mittelalterlichen Schmiedekunst zugetragen hat, die er in seine Geschichte einbettet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 447
    Erscheinungsdatum: 26.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732547708
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Die Tochter des Klosterschmieds
    Größe: 1713 kBytes
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Die Tochter des Klosterschmieds

Prolog

Burg Pfaffenstein an der Mosel, November 776

D er erste Frost hatte seinen eisigen Atem übers Land geblasen und das Grün der Bäume und Sträucher mit einem Laken aus weißen Kristallen bedeckt. Die Blätter der Blutbuche im Burghof hatten sich über Nacht rot verfärbt, und die Spitzen der Efeublätter lugten wie schwärzlich verkrustete Narben unter der Eisdecke hervor.

Den Krug in der Hand lief Ula barfuß über den Hof, um vom Brunnen Wasser zu holen. Die Kiesel knirschten unter ihren Sohlen, und die Kälte schnitt ihr scharf in die Zehen. Vor dem Brunnen rieb sie sich die Füße an ihren Unterschenkeln warm. Bald würde sie wohl ihre Holzschuhe anziehen müssen. Sie strich sich ein paar dunkelblonde Haarsträhnen, die sich gelöst hatten, aus dem Gesicht und stopfte sie wieder unter ihr Kopftuch. Der Wassereimer war noch halb voll vom Vortag, trug aber eine Eisschicht, die so hauchdünn war, dass es ihr nicht gelang, das Eis zu packen und sich in den Mund zu schieben. Es zerbrach zwischen ihren warmen Fingern, brannte darauf jedoch schon wie echtes Gefrorenes. Sie füllte rasch ihren Krug und lief zurück zur Schmiede, aus der das rhythmische Ding-Ding-Dong des Hammers erscholl.

Ein Hornsignal überraschte sie auf halbem Weg. Jeder auf der Burg, der es hörte, hob den Kopf. Dieser Ton war unverkennbar. Für einen Moment setzte ihr Herz aus, und sie blieb stehen. Die flirrende Leichtigkeit des anbrechenden Tages, der sich aus dem Schneelaken schälte, wurde von einem dumpfen Gefühl der Sorge und Angst überlagert.

"Der Herr kommt zurück!", flüsterte Ula. Der Herr - und mit ihm sein Sohn Utz, der Jüngste des Geschlechts und im selben Sommer geboren wie sie. Der Gedanke an den Erben von Pfaffenstein ließ sie frösteln.

Aus den Häusern und Stallungen traten die Menschen auf den Burghof hinaus. Sie sahen hoch zu dem Türmer auf dem Bergfried, der die Straße unterhalb des Felsens im Blick hatte. Sie führte die Mosel entlang und dann mit einem steilen Anstieg hinauf zum Sitz derer von Pfaffenstein. Offenbar hatte der Turmbläser das Banner seines Dienstherrn erspäht.

Erneut erklang das Signal des Wächterhorns, und plötzlich setzte eine Geschäftigkeit ein, die den Burghof in einen Bienenstock verwandelte. Fuhrwerke, Hand- und Sackkarren, die überall herumstanden, wurden in die Schuppen geschoben. Schaufeln und Harken, Forken und Sensen verschwanden, als würden sie weggezaubert. Frische Streu wurde ausgeworfen, die Treppen wurden mit Reisigbesen gefegt, Eimer und Zuber mit Wasser gefüllt. Der Brunnenschwengel quietschte in einem fort und gab der hektischen Unruhe seinen Takt mit.

Ula beobachtete dies alles mit Bedauern, denn der Burghof, dem die feine weiße Decke aus Schneekristallen etwas Unschuldiges und Reines verliehen hatte, versank dadurch trotz aller Bemühungen in Schlamm und Schmutz. Rasch eilte sie zu ihrem Vater in die Schmiede zurück, der durch den Schlag des Hammers sicher nichts vom Signal und der dadurch ausgelösten Aufregung mitbekommen hatte.

"Vater!", rief sie. "Herr Ewalt ist zurück! Herr Ewalt ist zurück!"

Der Schmied unterbrach seine Arbeit, als er die Unruhe der Tochter bemerkte. "Was ist, Ulfbertha? Hast du endlich einen jungen Burschen gesehen, der dir gefällt?", fragte er mit einem Grinsen.

Ula verzog missbilligend den Mund. Natürlich war sie mit ihren achtzehn Lenzen bald zu alt, um noch zu heiraten. Aber ihr Vater musste sie nicht ständig daran erinnern. Sie war keine Schönheit, das wusste sie selbst, ohne frauliche Rundungen, ein wenig zu mager und doch kräftig, zäh und zupackend. Keine Maid, nach der sich ein Panzerreiter im Sattel umdrehen würde, sondern ein eher unscheinbares Geschöpf. Sie hatte sich damit abgefunden, aber die Sticheleien ihres Vaters trafen sie jedes Mal aufs Neue.

"Ewalt von Pfaffenstein ist zurück!", rief sie und stellte trotzig und etwas zu heftig den Krug

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