text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Tochter des Seidenhändlers Roman von Jefferies, Dinah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Tochter des Seidenhändlers

Eine Frau zwischen zwei Kulturen, eine Liebe gegen alle Widerstände Vietnam, 1950. Die junge Nicole stand von jeher im Schatten ihrer schönen Schwester Sylvie. Als Tochter eines französischen Seidenhändlers und einer Vietnamesin soll sie nun in Hanoi ein Stoffgeschäft übernehmen. Bald kommt Nicole mit Einheimischen in Berührung, die sich gegen die französische Fremdherrschaft auflehnen. Dabei entdeckt sie voller Schrecken, dass ihr Vater in dunkle Machenschaften verwickelt ist. Als sie sich in den charismatischen Mark verliebt, gerät ihre Welt abermals ins Wanken. Denn Mark scheint auch für ihre Schwester Gefühle zu hegen. Auf der Suche nach ihrem Platz in einer Welt, in der nichts ist, wie es scheint, fasst Nicole einen kühnen Plan ... Farbgewaltige Exotik des Vietnam der 1950er Jahre - Mit 'Die Tochter des Seidenhändlers' ist Dinah Jefferies eine mitreißende Geschichte um die Selbstfindung einer Frau, die Rivalität unter Schwestern und eine unmöglich scheinende Liebe gelungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 413
    Erscheinungsdatum: 28.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732540785
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Silk Merchant's Daughter
    Größe: 842 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Tochter des Seidenhändlers

2

A m nächsten Morgen begab sich Nicole in das Labyrinth der Räume im Tiefparterre. Am Ende der schmalen Treppe ging sie einen langen Korridor entlang und stieß die Tür zur Küche auf. Ihr Blick fiel auf die schmalen weißen Kacheln der Wände und die schimmernden Kupfertöpfe, die von einer Stange unter der Decke hingen. Die neuen grünen Rollos ließen die Küche kühler wirken, und die vier großen Mauerbögen, die den Raum teilten, gaben noch Farbgeruch ab.

Lisa hatte es sich in ihrem Lehnstuhl schon bequem gemacht, unmittelbar neben der Tür des Wintergartens, wo sie über ihr kostbares Gemüsebeet wachen konnte. Seit Nicoles Geburt war Lisa die eine Konstante gewesen. Sie sah aus, wie man sich eine Köchin wünschte: mollig. Obwohl erst in den Vierzigern, waren ihre schwer zu bändigenden, zum Dutt frisierten Haare schon grau und ihre Hände rot vom vielen Geschirrspülen. Sie hatte beide Füße auf einen Hocker hochgelegt und kramte in der Schürzentasche nach der ersten Zigarette des Tages, eine Frau, der nur Kaninchen, Eidechsen und Vögel Sorge bereiteten und der es wichtig war, dass im Juli die Longanfrüchte unbeschadet geerntet und zum Einkochen vorbereitet wurden.

"Kannst du dir den Kaffee selbst nehmen?"

Nicole nickte, goss sich eine große Tasse voll ein und setzte sich in den Lehnstuhl gegenüber. "Den brauche ich jetzt."

"Verkatert?"

"Scheint so."

"Ich habe dich gestern Abend mit einem interessanten Mann gesehen."

"Welchen meinst du?" Nicole versuchte, ihr Lächeln zu überspielen, aber vor Lisa konnte man gar nichts verbergen.

"Du magst ihn wohl?"

Nicole lachte. "Es war fantastisch. Wahrscheinlich klingt es ein wenig kindisch, aber mir war, als hätte ich den einen Menschen getroffen, der mein ganzes Leben verändern kann."

Lisa schmunzelte. "Er sieht sehr gut aus. Ich freue mich für dich, c hérie . Hast du getanzt?"

"Nicht mit ihm. Er ist nicht lange geblieben."

Nicole vermochte nicht angemessen in Worte zu kleiden, inwiefern sie sich verändert fühlte; es war, als verschwänden ihre alten Unzulänglichkeitsgefühle nun. Die kurze Begegnung mit Mark war ihr unter die Haut gegangen, und sie dachte immer wieder, dies sei der Beginn eines ganz anderen Lebens.

"Was macht er?"

"Ich habe nicht gefragt." Sie grinste Lisa an und stand auf. "Er ist Amerikaner."

"Ein Freund von Sylvie?"

Aus dem Zimmer der Haushälterin, das ebenfalls an dem Korridor lag, kamen Geräusche, und Nicole verzog das Gesicht. "Bettine ist da?"

Lisa nickte. Sie arbeiteten schon seit Jahren zusammen und hätten kaum verschiedener sein können. Bettine war dünn wie eine Bohnenstange und hatte ein steifes Benehmen. Lisas gemütliches Schlafzimmer und kleines Wohnzimmer, beide neben der Küche gelegen, waren eine stete Quelle des Streits zwischen den beiden, denn die Haushälterin wohnte auswärts. Die Spülküche und die Waschküche waren das Reich des Hausmädchens Pauline, und es gab einen Raum für die Speisenzubereitung, in dem das stundenweise beschäftigte Küchenmädchen arbeitete, das nur gerufen wurde, wenn Lisa zusätzliche Hilfe brauchte.

Nicole öffnete die Tür des Wintergartens, und beim satten Geruch von feuchter Erde lauschte sie dem Quietschen der Rikscha, die hinter dem Haus vorfuhr. Sie band sich den Morgenrock neu zu, schaute nach einigen frühen gelben Persimonen, die im Gras lagen - wo nach Sylvies Behauptung die Leichen begraben waren -, und entdeckte Yvette, die Bäckerstochter, die soeben aus der Rikscha stieg. Die Bänder an ihren dunklen Zöpfen flogen im Wind.

Der Duft frischer Brioches wehte heran.

Nicole winkte dem Kind, und sowie es in der Küche stand, zog sie zwei Stühle unter dem gescheuerten Kieferntisch hervor. Lisa hatte schon Teller für Nicoles Schokoladenbrötchen und Yvettes weiche Weißbrotscheibe hingestellt, die mit Butter und Honig bestrichen war.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen