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Die Tochter des Uhrmachers Roman von Morton, Kate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2018
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Die Tochter des Uhrmachers

Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie - eine Frau verschwindet, eine andere stirbt ... Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben? Kate Morton, geboren 1976, wuchs im australischen Queensland auf und studierte Theaterwissenschaften in London und Englische Literatur in Brisbane. Ihre Romane erschienen weltweit in 32 Sprachen und 38 Ländern und eroberten ein Millionenpublikum. In Deutschland sind alle ihre Romane SPIEGEL-Bestseller. Kate Morton lebt mit ihrer Familie in Australien und England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 08.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641208356
    Verlag: Diana Verlag
    Originaltitel: The Clockmaker's Daughter
    Größe: 2314 kBytes
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Die Tochter des Uhrmachers

KAPITEL 2

Elodie fuhr mit dem 24-er Bus von Charing Cross nach Hampstead. Mit der U-Bahn wäre es schneller gegangen, aber die benutzte sie nicht gern. Zu viel Gedränge, zu stickig. In engen Räumen hielt Elodie es nur schwer aus. Das war schon seit ihrer Kindheit so, und sie war daran gewöhnt, aber in diesem Fall bedauerte sie es, denn die Untergrundbahn an sich faszinierte sie, diese beispielhafte Ingenieursleistung des neunzehnten Jahrhunderts mit all den historischen Hinweisschildern und viktorianischen Fliesen, dieser alte Staub und der Geruch.

Der Verkehr war zähflüssig, vor allem in der Nähe der Tottenham Court Road, wo die Ausschachtungen für die Crossrail-Trasse die Rückseiten einiger viktorianischer Backsteinhäuser freigelegt hatte. Elodie konnte sich gar nicht sattsehen an diesem Einblick in die Vergangenheit, der so real war, dass man ihn berühren konnte. Sie malte sich das Leben der Menschen aus, die einmal in diesen Häusern gewohnt hatten, damals, als der südliche Teil von St. Giles ein überfülltes Armenviertel war, mit von Abwassergräben gesäumten engen Gassen und Sickergruben, Schnapsläden und Glücksspielern, Prostituierten und Straßenkindern, als Charles Dickens seine täglichen Spaziergänge machte und Astrologen und Alchemisten in den Seven Dials von Covent Garden ihr Gewerbe ausübten.

James Stratton jr., wie viele seiner viktorianischen Zeitgenossen der Esoterik zugetan, berichtete in seinem Tagebuch von zahlreichen Besuchen bei einer bestimmten Spiritualistin und Seherin in Covent Garden, mit der ihn eine langjährige Liebschaft verbunden hatte. Für einen Bankier hatte James Stratton ein erstaunliches Schreibtalent besessen, und seine Tagebücher boten sehr lebhafte, teils amüsante Einblicke in das Leben im viktorianischen London. Er war ein sanfter Mann gewesen, ein guter Mensch, der sich darum bemüht hatte, das Leben der Armen und Mittellosen zu verbessern. Er war davon überzeugt, dass "ein anständiger Schlafplatz das Leben und die Zukunftsaussichten der Menschen deutlich verbessern würde", wie er in Briefen an seine Freunde schrieb, die er von seinen philanthropischen Ideen zu überzeugen suchte.

In seinem Berufsleben hatte er großen Respekt genossen, ja, er war bei seinen Zeitgenossen sehr beliebt gewesen, ein gern gesehener Gast auf Empfängen, ein weit gereister, wohlhabender Mann der Viktorianischen Zeit, in jeder Hinsicht erfolgreich, nur sein Privatleben war von Einsamkeit gezeichnet. Nachdem er sich immer wieder unglücklich verliebt hatte - in eine Schauspielerin, die mit einem italienischen Erfinder durchgebrannt war, in eine Frau, die für Künstler Modell gestanden hatte und von einem anderen schwanger geworden war, und, er war bereits in seinen Vierzigern, in eine seiner Dienerinnen, eine stille junge Frau namens Molly, der er zahlreiche Freundschaftsdienste erwiesen hatte, ohne ihr seine Liebe je zu gestehen -, hatte er erst spät geheiratet. Es schien fast so, als hätte er sich absichtlich immer wieder Frauen gesucht, die ihn nicht glücklich machen konnten - oder wollten.

"Warum hätte er das tun sollen?", hatte Pippa gefragt, als Elodie diesen Gedanken eines Abends bei Tapas und einem Glas Sangria laut ausgesprochen hatte.

Eine klare Antwort konnte Elodie auf diese Frage nicht geben, aber obwohl sich in James Strattons Korrespondenz keine Stelle fand, an der er offen eine unerwiderte Liebe oder eine tief sitzende Traurigkeit erwähnte, hatte sie immer das Gefühl, dass in seinen freundlichen Briefen etwas Melancholisches mitschwang, dass er ein Mann gewesen war, dem wahre Erfüllung immer versagt geblieben war.

Elodie war Pippas skeptischen Blick gewöhnt, der sich immer einstellte, wenn sie dergleichen sagte. Es war einfach unmöglich, die Vertrautheit zu beschreiben, die sich entwickelte, wenn man sich beruflich Tag für Tag mit den persönlichen Hinterlassenschaften anderer Menschen beschäftigte. Elodie hatte kein Verständnis f

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